Astrazeneca-Sorgen Kölnerin schildert, wie anderes Mittel ihr Leben ähnlich veränderte

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Der Astrazeneca-Impfstoff wird vorerst nicht weiter verimpft, weil er das Thromboserisiko erhöhen soll. 

Köln – Es war die Corona-Nachricht am Montag, 15. März 2021: Die Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff werden auch in Deutschland gestoppt. Nun kommen immer mehr Fragen auf. Und im Netz macht vor allem ein Vergleich die Runde.

  • Corona: Impfstoff von Astrazeneca soll Thrombosen auslösen 
  • Frauen melden sich zu Wort – auch die Pille erhöht das Thromboserisiko 
  • Thrombose nach Pille: Betroffene schildert ihr Leiden

Astrazeneca-Stopp: Fälle von Thrombosen nach Impfung

Am Montag der Knall: Die Bundesregierung stoppt bis auf weiteres die Impfungen mit dem Astrazeneca-Impfstoff, den besonders Lehrer und Angestellte im Gesundheitssystem erhalten haben. 

Aufgrund einer Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts nach gemeldeten Fällen von Thrombosen, die in zeitlichem Zusammenhang mit Astrazeneca stünden, sei die Verimpfung vorsorglich ausgesetzt worden, erklärte Gesundheitsminister Jens Spahn in einer Pressekonferenz.

Weiter hieß es, dass die Zweitimpfungen erstmal ausgesetzt würden. Viele Politiker und auch Prominente äußerten sich daraufhin kritisch zum Astrazeneca-Impfstoff. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach äußerte auf Twitter seine Kritik.

Am Dienstag sagte er im ARD-„Morgenmagazin“, dass die gemeldeten Thrombosen (Blutgerinnseln) der Hirnvenen „mit großer Wahrscheinlichkeit“ auf das Präparat von Astrazeneca zurückführen sei.

Astrazeneca-Stopp wegen Thrombosen: Aufschrei in den sozialen Medien 

Aber nicht nur Lauterbach bezog in den sozialen Medien Stellung zu dem Thema. Die Satire-Sendung „quer“ postete auf ihrem Instagram-Kanal einen Beitrag, der deutlich machen sollte, wie gering die Zahl der Thrombosen, die nach einer Impfung mit Astrazeneca aufgetreten sind, ist. 

Im Beitrag heißt es: „6 von 1.000.000 Menschen in Europa haben nach einer Astrazeneca-Impfung eine Thrombose bekommen. Es gibt bislang keine Hinweise auf einen kausalen Zusammenhang.“

Dem wird gegenübergestellt: „1.100 von 1.000.000 Frauen bekommen wegen der Pille eine Thrombose. Der Zusammenhang ist wissenschaftlich belegt. Die Pille ist trotz vieler Nebenwirkungen mehrheitlich unumstritten.“

Frauen reagieren auf Thrombosen-Gefahr durch Astrazeneca

Viele Menschen, gerade Frauen, griffen diesen Vergleich auf, kommentierten und teilten diesen und andere Beiträge.

Ihr Anliegen ist klar: Bei der Antibabypille wird das Risiko offenbar in Kauf genommen und nicht weiter hinterfragt. Bei dem Astrazeneca-Impfstoff ist dies nun anders. 

Karl Lauterbach ist bei diesem Vergleich jedoch skeptisch: „Die Thrombosen, die es nach Einnahme der Pille gibt, sind nicht in der Schwere vergleichbar mit den Thrombosen, über die wir hier sprechen.“

Thrombose-Risiko: Wie gefährlich sind hormonelle Verhütungsmittel?

Dennoch: Die Antibabypille kann ebenfalls Thrombosen auslösen – übrigens auch bei jungen Frauen, die viel Sport treiben und nicht rauchen. Und nicht nur die Antibabypille. Auch der NuvaRing, ein weiteres hormonelles Verhütungsmittel für Frauen, erhöht dieses Risiko. 

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Die Antibabypille ist das beliebteste Verhütungsmittel in Deutschland. Doch was viele nicht wissen: Auch sie erhöht das Thromboserisiko enorm. 

„Ungefähr sechs bis zwölf von 10.000 Frauen, die ein Norelgestromin oder Etonogestrel enthaltendes kombiniertes hormonales Kontrazeptivum wie NuvaRing anwenden, erleiden im Verlauf eines Jahres ein Blutgerinnsel. Das Risiko für die Bildung eines Blutgerinnsels ist entsprechend ihrer persönlichen medizinischen Vorgeschichte unterschiedlich hoch“, heißt es auf der Internetseite des forschenden Pharmaunternehmens MSD.

Wir haben mit der Kölnerin Kristina Edel (30) gesprochen. Sie hat durch die Verwendung hormoneller Verhütungsmittel eine Thrombose erlitten und ist seitdem täglich auf Medikamente angewiesen. 

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Kristina Edel erzählt uns ihre Geschichte. Sie leidet unter den Folgen einer Thrombose, die durch Verhütungsmittel ausgelöst wurden.

Thrombose wegen Verhütungsmittel: Kölnerin erzählt ihre Geschichte

Sie erzählt uns, dass sie nach einem Wanderurlaub plötzlich ein dickes Bein hatte. Alles tat weh. Das ist jetzt fünf Jahre her. Der Arzt schickte die damals 25-Jährige sofort ins Krankenhaus, wo die Venenthrombose behandelt wurde. Schnell war klar: Auslöser für die Thrombose waren hormonelle Verhütungsmittel. 

Kristina erklärt: „Ich habe erst ungefähr drei Jahre lang die Pille genommen und dann habe ich sie wieder abgesetzt, mit Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme und Co.. Dann habe ich zum NuvaRing gewechselt und mich wieder besser gefühlt.“ Den Ring trug die Kölnerin dann für ungefähr eineinhalb Jahre, bevor die Thrombose auftrat.

Seitdem hat sich das Leben der heute 30-Jährigen von Grund auf verändert. Sie muss täglich Blutverdünner nehmen, trägt Thrombosestrümpfe. Wegen der Medikamente hatte sie lange mit starken Kopfschmerzen zu kämpfen, konnte wegen der Schmerzen im Bein lange keinen Sport treiben.

Thrombose wegen Verhütungsmittel: Kölnerin appelliert an alle Frauen

Im Nachhinein erklärte ihr die Frauenärztin, dass sie niemals die Pille oder ähnliches hätte nehmen dürfen. Eine Hämatologin stellte bei der Kölnerin einen Gendefekt fest, das sogenannte Faktor-V-Leiden, an dem rund fünf Prozent der Europäer leiden. So zum Beispiel auch Kristinas Eltern, die beide aber bisher deswegen keine gesundheitlichen Probleme haben. 

Das Bittere: Ein Bluttest vor der Nutzung hormoneller Verhütungsmittel hätte Kristinas Thrombose und die gesundheitlichen Folgen verhindern können, genau wie bei vielen weiteren Betroffenen. 

Deswegen appelliert die Kölnerin: „Wollt ihr die Pille? Dann nervt euren Frauenarzt/Frauenärztin, dass ihr eine Überweisung zum Hämatologen wollt. Da kann erstmal gecheckt werden, ob ihr hochgradig thrombosegefährdet seid, oder nicht. Schluckt die Pille nicht, bevor ihr euch nicht hundertprozentig sicher seid!“

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