EM-Spiele: Kinder wach lassen? Das rät ein Erziehungsprofi.
EM-Zoff zu HauseExperte erklärt, ob Kinder für den Fußball aufbleiben dürfen

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Wenn Spiele zur WM spät übertragen werden, können (Schul-)Kinder schon mal ausnahmsweise aufbleiben. Dann ist es eben am nächsten Tag müde, so der Erziehungsexperte.
Große Fußball-Events wie die EM bringen in vielen Familien den Schlafplan komplett durcheinander. Später Anpfiff, Gänsehaut-Momente und die elektrisierende Atmosphäre – logisch, dass die Kids da unbedingt live mitfiebern wollen. Für Eltern beginnt damit aber die Zwickmühle: Ist die Nachtruhe wichtiger als das Fußball-Spektakel?
„Da gibt es kein richtig oder falsch“, gibt Erziehungsprofi Ulric Ritzer-Sachs Entwarnung. Der Sozialpädagoge hat aber einige Ratschläge parat, die euch bei der kniffligen Entscheidung eine Hilfe sein können.
Jedes Kind ist anders: Keine pauschale Regel
Ob ihr eurem Nachwuchs das lange Aufbleiben gestattet, richtet sich voll und ganz nach dem Kind, erklärt der Fachmann. „Es gibt wahrscheinlich 6-Jährige, die trotzdem am nächsten Morgen halbwegs fit sind, auch wenn sie bis Mitternacht Fußball geschaut haben.“ Manchmal sei ein Kind am Folgetag sogar noch voller Adrenalin und bestens gelaunt.
Es existieren aber genauso Kinder, für die das späte Wachbleiben die absolut falsche Entscheidung wäre. „Also sollte man das tatsächlich sehr individuell entscheiden“, empfiehlt Ritzer-Sachs. Ein entscheidender Punkt ist zudem: Wenn ein Kind keinerlei Interesse am Match zeigt, ist der Gang ins Bett definitiv die klügere Wahl, anstatt es zum Zuschauen zu nötigen.
Ab welchem Alter ist das Fußball-Fest erlaubt?
Eine starre Altersvorgabe existiert nicht. „Aber ich würde jetzt mal behaupten, so ein kleines Kindergartenkind profitiert eher nicht davon, mitzuschauen“, äußert der Experte. Beinahe zwei Stunden vor dem Bildschirm zu verbringen, sei für ein vierjähriges Kind schlicht zu anstrengend – insbesondere bei Partien, die erst um 22 Uhr starten.
Er zieht einen Vergleich zu Silvester: Viele kleine Kinder schlummern trotz der Erlaubnis, wachzubleiben, bereits um 21 Uhr und nehmen die Böllerei gar nicht wahr. Das gemeinsame Fußballerlebnis sei ab dem Grundschulalter wesentlich sinnvoller. Vor allem, wenn die Kinder womöglich schon selbst im Verein kicken und die Profis ihre großen Vorbilder sind.
„Morgen ist Schule!“ – Was, wenn der Nachwuchs müde ist?
Das ist der klassische Einwand von Eltern. Doch Ritzer-Sachs vertritt dazu eine deutliche Meinung: „Ich würde mir wünschen, dass Lehrer sich da locker machen und einen Tag nach einem Deutschlandspiel nicht unbedingt eine Arbeit schreiben.“ Auch wer Fußball nicht ausstehen kann, sollte akzeptieren, dass es für andere eine enorme Wichtigkeit besitzt.
Eine Abweichung vom üblichen Schlafrhythmus ist überdies nicht weiter schlimm. „Regelmäßiges, ausreichendes Schlafen ist gut – keine Frage. Eine Ausnahme macht das aber nicht kaputt. Und auch fünf Ausnahmen machen das nicht kaputt“, stellt er unmissverständlich fest. Eltern sollten sich die Frage stellen: Wäre es wirklich eine Katastrophe, wenn das Kind am nächsten Tag mal etwas schlapp ist?
Der Experte teilt sogar eine persönliche Anekdote: „Ich kann mich erinnern, dass ich als Kind geweckt worden bin und habe Mohammed Ali gegen George Foreman geguckt.“ Er habe zwar nichts kapiert, finde es heute aber großartig, dabei gewesen zu sein. Solche Live-Momente erzeugen das Gefühl, Teil von etwas Großem zu sein – für manche eben auch bei einer Fußball-WM.
Verbot durchziehen: Wie Eltern mit dem Kinder-Frust umgehen
Falls ihr euch mit guten Argumenten gegen das lange Aufbleiben entscheidet, müsst ihr den Unmut eures Kindes ertragen. „Den müssen sie aushalten – einfach aushalten“, so der Pädagoge. Das sei bei anderen Streitpunkten wie einem zweiten Eis oder einem Handyverbot ganz ähnlich.
Eine Begründung findet er allerdings kraftlos: „‚Das machen wir immer so und wir machen nie eine Ausnahme‘“. Sein Vorschlag für solche Eltern: Versucht es doch einfach mal. „Okay, wir lassen jetzt mal ein Spiel zu und dann gucken wir uns halt den nächsten Tag an und besprechen dann, wie das so war.“ (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.
