Abo

„Wir lesen sogar mehr“Experte erklärt, warum wir trotzdem immer weniger verstehen

Bücher

Copyright: Frank Rumpenhorst/dpa

Bücher werden nicht weniger nachgefragt – sie werden vorsichtiger gekauft. (Symbolbild)

Die Zahlen lügen nicht, aber die ganze Wahrheit erzählen sie auch nicht.

Viele Menschen denken beim Lesen an ein klassisches Bild: ein gemütlicher Nachmittag, ein gutes Buch, absolute Ruhe. Aber die Realität in Köln und anderswo sieht ganz anders aus. In der Bahn oder im Café starren die Leute auf ihre Handys, lesen auf E-Readern, zwischen Push-Nachrichten und Chats. Heißt das, wir lesen weniger, oder hat sich unsere Art zu lesen einfach verändert?

Die Zahlen sprechen zunächst eine deutliche Sprache. Wie die dpa meldet, berichtet das Branchenportal „Buchmarkt“ für das Jahr 2025 von einem Umsatzknick von 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Läden vor Ort spüren das. Im Vergleich zu 2022 ist die Lage aber insgesamt gleichgeblieben.

Belletristik boomt trotz schwacher Kauflaune

Die Kaufzurückhaltung liegt laut Experten weniger an schwindendem Interesse am Lesen. Vielmehr ist es die allgemein gedrückte Konsumlaune. Die Leute wollen also noch schmökern, achten aber bei steigenden Preisen genauer auf ihr Geld.

Und ein Detail ist verblüffend: Während viele Sparten leichte Verluste hinnehmen müssen, kann ausgerechnet die Belletristik weiter zulegen. Geschichten, die uns packen und mitnehmen, sind also gefragter denn je.

Experte: „Lesen quantitativ sogar mehr“

Für Sven Stollfuß, einen Medienwissenschaftler aus Leipzig, hat sich die Kernfrage verlagert: Nicht ob wir lesen, sondern wie. «Gemessen an den Textmengen, die über Apps auf Smartphones gelesen werden, lesen wir quantitativ unterm Strich sogar mehr», erklärt Stollfuß in einem Interview. Das ist der „Wie bitte?!“-Moment: mehr Text, aber nicht unbedingt mehr Tiefgang.

Während E-Reader oft noch als digitales Buch durchgehen, verändert das Smartphone unsere Lesegewohnheiten radikal. Push-Meldungen und andere Apps machen Konzentration fast unmöglich. Statt tief in eine Story einzutauchen, überfliegen wir die Texte nur noch – Fachleute nennen das „Skimming“.

Forscher sind sich einig: Unser Gehirn mag Papier

Schon früh warnte der US-Autor Nicholas Carr in „The Shallows: What the Internet Is Doing to Our Brains“ vor dem Verschwinden des „tiefen Lesens“ – jenes konzentrierten Eintauchens, das Ruhe und Zeit erfordert. Die Forschung gibt ihm recht. Eine wichtige Studie aus dem Jahr 2019, bekannt als Stavanger-Erklärung, kam zu einem eindeutigen Ergebnis: Wer lange, anspruchsvolle Texte wirklich verstehen will, ist mit Papier oft besser dran.

Es geht aber nicht darum, das Digitale schlechtzureden. Am Bildschirm trainieren wir andere Fähigkeiten: das schnelle Filtern von Infos und die Orientierung im Nachrichten-Dschungel. Die Frage ist nicht Papier oder Bildschirm, sondern: Wann brauchen wir Tiefe – und wann reicht Tempo? (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.

Eröffnung der Messe «Adult Product Industry Expo»

„Das Schlüsselwort ist KI“

Neuer Trend aus China macht Sexpuppen immer menschenähnlicher