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Yemisi Mabry„Mir kommen irgendwie immer Tränen, wenn ich an diesen Tag denke“

Mit einer Distanz von 20,0 Metern gewann die Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye bei der Olympiade in Paris 2024 die Goldmedaille für Deutschland.  (Bild: 2024 Getty Images/Cameron Spencer)

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Mit einer Distanz von 20,0 Metern gewann die Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye bei der Olympiade in Paris 2024 die Goldmedaille für Deutschland. (Bild: 2024 Getty Images/Cameron Spencer)

Zwei Jahre nach ihrem Erfolg bei den Olympischen Spielen in Paris widmet das ZDF der Goldmedaillen-Gewinnerin Yemisi Ogunleye eine Doku: „37°: Das Gold ihres Lebens - Kugelstoßerin Yemisi“ begleitet sie beim Training und privat. Im Interview zeichnet Yemisi Mabry, wie sie heute heißt, ihren ungewöhnlichen Weg vom Ballett zum Kugelstoßen nach.

Es war eine große Überraschung für die Sportwelt, aber eine noch größere Überraschung für Yemisi Ogunleye: Mit einer Distanz von 20,0 Metern gewann die Kugelstoßerin am 9. August 2024 bei den Olympischen Sommerspielen in Paris die Goldmedaille für Deutschland. Dabei war die heute 27-Jährige als Außenseiterin gestartet. In der ZDF-Reportage „37°: Das Gold ihres Lebens - Kugelstoßerin Yemisi“ (Dienstag, 28. Juli 2026, 22.15 Uhr, im ZDF, sowie bereits ab Montag, 27. Juli, 5 Uhr, auf zdf.de streambar) blickt Yemisi, die seit ihrer Hochzeit mit dem Footballspieler Tyler Mabry dessen Nachnamen trägt, auf den für sie weltverändernden Turniertag zurück. Unter Regie von Tina Soliman und Thorsten Lapp gewährt sie aber auch Einblicke in ihr Leben jenseits des Sports: Als Kind, so erfährt das Publikum, wurde sie wegen ihrer Körpergröße und ihrer Hautfarbe von Mitschülerinnen und Mitschülern gemobbt. Was rät sie Kindern und Jugendlichen, denen es heute ähnlich geht? Darüber spricht Yemisi Mabry im Interview. Auch beschreibt die Sportsoldatin der Bundeswehr die besondere Bedeutung, die die Musik und der Glauben in ihrem Leben spielt.

teleschau: Vor zwei Jahren gewannen Sie olympisches Gold im Kugelstoßen in Paris für Deutschland. Wie erinnern Sie sich mit etwas Abstand an diesen Tag?

Die ZDF-Reportage „37°: Das Gold ihres Lebens - Kugelstoßerin Yemisi“ begleitet die Athletin unter anderem in ein Trainingscamp in Portugal.  (Bild: ZDF/Torsten Lapp)

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Die ZDF-Reportage „37°: Das Gold ihres Lebens - Kugelstoßerin Yemisi“ begleitet die Athletin unter anderem in ein Trainingscamp in Portugal. (Bild: ZDF/Torsten Lapp)

Yemisi Mabry: Mir kommen irgendwie immer Tränen, wenn ich an diesen Tag denke, weil wirklich das Unmögliche passiert ist. Ich erinnere mich an diese Dankbarkeit dafür, dass sich die harte Arbeit, die ich reingesteckt habe, so ausgezahlt hat. Es war einfach noch mal so eine Bestätigung, dass Gott meinen Weg geleitet hat und mir gezeigt hat, dass er bei mir ist, und dass ich die nötige Kraft und Stärke habe, es zu schaffen. Ich weiß auch noch genau, wie viel Ruhe ich in dem Moment gespürt habe, als ich ins Stadion gelaufen bin. Obwohl ich vorher dachte, ich würde total nervös sein, habe ich mir in dem Moment einfach nur gesagt: Ich bin genau darauf vorbereitet, und ich bin bereit, der Welt zu zeigen, was ich kann. Natürlich wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass der Tag mit einer Goldmedaille endet, aber ich wusste, was ich kann, und habe mir gesagt: Ich verlasse das Stadion nicht, ohne meine sechs Stöße gemacht zu haben oder ohne 20 Meter als Ergebnis auf der Tafel stehen zu haben. Ob das dann für eine Medaille reicht oder nicht, war mir in dem Moment total egal.

teleschau: Wo bewahren Sie Ihre Medaille auf?

Mabry: Ich habe mir einen Bilderrahmen dafür gekauft, die hängt schön in meiner Wohnung.

„Ich vermisse es schon, bei meiner Oma zu sitzen und Schnitzel mit Pommes zu essen“

Bei den 125. Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Dresden holte die Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye den Meistertitel.  (Bild: ZDF/Torsten Lapp)

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Bei den 125. Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften in Dresden holte die Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye den Meistertitel. (Bild: ZDF/Torsten Lapp)

teleschau: Wie ging es nach dem Olympiasieg für Sie weiter?

Mabry: In meinem privaten Umfeld hat sich nicht viel verändert. Natürlich haben wir erst mal ausgiebig den Olympiasieg gefeiert und verarbeitet. Ich glaube, ich habe es bis jetzt immer noch nicht zu hundert Prozent verarbeitet. Das braucht einfach extrem viel Zeit. Ich habe habe innerhalb von einem Jahr so einen extremen Leistungssprung gemacht, was natürlich auch mit der Trainingsumstellung zu tun hatte. Ich musste erst einmal 19-Meter-Stöße verarbeiten. Aber es hat auch gezeigt, wie viel in mir gesteckt hat. Dann habe ich mein Studium beendet und konnte mich voll und ganz auf den Sport konzentrieren. Das hatte auch so einen krassen Einfluss auf meine Leistungen. Mein weiteres Umfeld und die Wahrnehmung in den Medien haben sich natürlich extrem verändert. Ich würde mich als Mensch definieren, der sehr gut connecten kann und sich sehr gut nach außen präsentiert, der es aber auch total schätzt, mal allein sein zu können oder Freunde auf einen Kaffee zu treffen. Dafür habe ich schon gekämpft, mir das beizubehalten. Aber das ist total schwer: Man ist viel von zu Hause weg. Man muss als Athlet erst mal lernen, damit umzugehen.

teleschau: Was hilft Ihnen dabei?

Mabry: Mir hilft zum einen, darüber zu reden. Ich schätze es sehr, in meine Kirche zu gehen. Nur leider kommt das im Moment viel zu kurz. Mir hilft es auch, regelmäßig Zeit mit Leuten zu verbingen, die nicht im Sport sind. Doch durch meine vielen Reisen bin ich inzwischen leider davon abhängig, mit den Leuten zu telefonieren. Ich vermisse es schon, präsent bei meinen Freuden und bei meiner Familie zu sein oder bei meiner Oma zu sitzen und Schnitzel mit Pommes zu essen.

„Ich war schon immer größer als andere Kinder in meinem Alter“

„Ich will einfach mitnehmen, was ich mitnehmen kann“, sagt Yemisi Mabry, wenn man sie nach ihren sportlichen Zielen nach dem Olympia-Sieg fragt.  (Bild: ZDF/Torsten Lapp)

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„Ich will einfach mitnehmen, was ich mitnehmen kann“, sagt Yemisi Mabry, wenn man sie nach ihren sportlichen Zielen nach dem Olympia-Sieg fragt. (Bild: ZDF/Torsten Lapp)

teleschau: Sie hatten als Kind Ballettunterricht. Wie sind Sie zum Sechskampf gekommen?

Mabry: Meinen Eltern war es immer wichtig, dass mein Bruder und ich Sport und Musik machen. Dafür bin ich auch total dankbar, weil das wirklich auch zwei Bereiche sind, die mein größtes Talent widerspiegeln. Ballett war eine Sportart, von der meine Mutter gedacht hat: Da lernt sie ein Körpergefühl zu haben und auch mit ihrer Größe umzugehen. Ich war schon immer größer als andere Kinder in meinem Alter. Vom Ballett bin ich zum Turnen gekommen, war dann aber viel zu groß, um mich am Barren zu bewegen. Meine Trainer konnten mich körperlich nicht unterstützen, weil ich einfach schon viel zu schwer war. So kam dann eins zum anderen. Ein Trainer sah, wie schnell ich bin, wie groß ich bin, und sagte zu mir: „Mach Leichtathletik!“

Als Kind erlebte Yemisi Ogunleye jahrelang Mobbing und Ausgrenzung. Geholfen hat ihr nicht zuletzt der Eintritt in einen Gospel-Chor.  (Bild: ZDF/Torsten Lapp)

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Als Kind erlebte Yemisi Ogunleye jahrelang Mobbing und Ausgrenzung. Geholfen hat ihr nicht zuletzt der Eintritt in einen Gospel-Chor. (Bild: ZDF/Torsten Lapp)

teleschau: Inwiefern profitieren Sie heute von Ihren Balletterfahrungen?

Mabry: Ich habe vor sechs Jahren meine Technik umgestellt: Das Drehstoßen ist für mich wie eine Choreografie beim Ballett. Es gibt gewisse Technikabläufe, die ich immer wieder in meinem Kopf abrufen muss. Auch muss ich ein Rhythmusgefühl für meine Technik haben. Das ist vielleicht nicht so nachvollziehbar, aber Kugelstoßen, vor allem das Drehstoßen, hat extrem viel mit Rhythmus zu tun. Dass ich durch die Musik, durch das Turnen und durch das Ballett früh gelernt habe, ein Rhythmusgefühl zu haben, hilft mir beim Kugelstoßen extrem. Ich merke es auch direkt, wenn ich nicht im Rhythmus meiner Technik bin. Das ist vergleichbar damit, wenn ich beim Singen die Töne nicht treffe. Da bin ich dann auch sehr, sehr ehrgeizig.

„Mir ist es wichtig, das Leben nicht als selbstverständlich hinzunehmen“

teleschau: Sie betonen immer wieder, wie sehr Ihnen Ihr Glaube bei der Olympiade half. Wie würden Sie diese Kraft einem nichtgläubigen Menschen beschreiben?

„Mir kommen irgendwie immer Tränen, wenn ich an diesen Tag denke“, erinnert sich Yemisi Mabry an ihren Gold-Moment in Paris 2024.  (Bild: 2024 Getty Images/Cameron Spencer)

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„Mir kommen irgendwie immer Tränen, wenn ich an diesen Tag denke“, erinnert sich Yemisi Mabry an ihren Gold-Moment in Paris 2024. (Bild: 2024 Getty Images/Cameron Spencer)

Mabry: (überlegt) Wie kann man das beschreiben? Ich denke weniger in Konfessionen wie evangelisch oder katholisch, denn ich bin in einer Freikirche. Das ist eine Kirche, die nicht vom Staat finanziert ist, sondern die auf Spenden basiert. Das ist mir wichtig zu betonen, weil viele immer sagen: „Ja, die Kirche wird ja nur von unseren Steuern finanziert.“ Derlei ist für mich vom Glauben allerdings völlig losgelöst. Ich glaube, dass eine Beziehung zu Gott möglich ist. Die Bibel ist für mich auch nicht einfach nur ein altes Buch, sondern ich selber darf durch die Geschichten in der Bibel so viel über Gott lernen: zum Beispiel, wer Jesus ist, und warum das Kreuz so wichtig ist.

teleschau: War das schon immer so für Sie?

Mabry: Am Anfang war ich nicht so offen für das Ganze. Viele sagen ja auch, dass Glauben eher etwas für die ältere Generation sei. Aber ich habe darin wirklich meine Identität und meinen Halt gefunden. Wenn ich morgens aufwache, sage ich zuallererst: „Gott, danke, dass ich heute Morgen aufwachen durfte. Danke, dass ich atmen kann.“ Ich hatte vor kurzem eine Mandelentzündung und konnte nicht essen. Deshalb denke ich jetzt auch immer wieder: „Danke, dass ich essen darf und schlucken kann!“ Das sind so kleine Dinge, die man oftmals für selbstverständlich hält. Aber ich habe durch meinen Glauben gelernt, dankbar zu sein. Auch im Sport denke ich mir immer wieder: „Hey, das könnte dein letzter Wettkampf sein. Wie willst du deinen letzten Wettkampf in Erinnerung behalten?“ Mir ist es wichtig, das Leben nicht als selbstverständlich hinzunehmen, sondern es als ein Geschenk Gottes zu betrachten. Ich durfte diesen Olympiasieger erleben, aber ich weiß auch, dass ich von Gott durch Zeiten getragen werde, in denen es nicht so gut läuft. Am Ende ist der Glaube für mich das Fundament für alles: für meine Beziehungen, für meinen Sport, für das Leben selbst.

teleschau: Sie sagten einst in einem Interview, dass Sie als Kind von Ihrer Mutter in die Kirche „geschleppt“ wurden. Wann und wie kam der Moment, an dem Sie freiwillig und mit Freude hingingen?

Beim Diamond-League-Meeting Anfang Juni in Oslo belegte die Kugelstoßerin Yemisi Mabry den vierten Platz.  (Bild: 2026 Getty Images/Sona Maleterova)

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Beim Diamond-League-Meeting Anfang Juni in Oslo belegte die Kugelstoßerin Yemisi Mabry den vierten Platz. (Bild: 2026 Getty Images/Sona Maleterova)

Mabry: Ich glaube, entscheidend war meine erste Verletzungsphase, als ich mir mein Kreuzband gerissen hatte. Plötzlich musste ich mich neu definieren: Was kann ich denn eigentlich noch außer Kugelstoßen? Oder wer bin ich, wenn ich wegen meiner Verletzung vielleicht nicht mehr zum Sport zurückkommen kann? Diese Pause vom Sport hat mir mein Talent in der Musik gezeigt. Ich bin einem Gospelchor in meiner Kirche beigetreten. Ich hatte auch einfach Raum und Zeit, mal was anderes auszuprobieren. Und ich glaube, dass dieser Ausgleich, den ich jetzt habe, auch für meinen Sport viel bringt, weil ich dann mental Abstand nehmen kann von diesem ganzen Druck, der natürlich vor allem als Olympiasiegerin auf einmal auf einem lastet. Wurde ich früher oft von meiner Mutter in die Kirche geschleppt? Ja, weil meine Mutter wusste, dass uns das guttut, einen Ort zu haben, wo für einen gebetet wird, an dem man gemeinsam die Bibel liest und sich fragt: Was haben diese Geschichten mit mir zu tun? Sieht Gott mich wirklich als gut, wenn Menschen zu mir sagen, meine Hautfarbe oder meine Nase seien falsch? Nach meinem Olympiasieg hat ein Arzt zu mir gesagt: „Wenn die Leute wüssten, was du für eine Kniegeschichte hinter dir hast, und wie der Zustand deines Knies aktuell ist, solltest du eine zweite Goldmedaille dafür bekommen, weil du durchgehalten hast.“ Ich glaube, ich habe wirklich das alles auch durchgehalten, weil ich einfach dieses Vertrauen in Gott und in Jesus Christus habe, und mir sage: „Okay, es hat alles seinen Grund.“

„Jede und jeder trägt aus der Kindheit irgendeinen Schaden davon“

teleschau: Sie erwähnten Ihre Erfahrung von Ausgrenzung und Mobbing. Wann fing das an?

Mabry: Ich würde sagen, im Grundschulalter. Ich war schon immer einen Kopf größer als alle anderen Kinder in meiner Klasse. Ich hatte eine Lese-Rechtschreibschwäche. Damit bin ich im Unterricht aufgefallen. Ich konnte nicht perfekt vorlesen und hatte dadurch kein großes Selbstbewusstsein. Hinzukommt, dass ich eine andere Hautfarbe hatte. Ich war die einzige Farbige an der Schule. Das sind natürlich viele Faktoren, aber als Kind sieht man sich gar nicht unbedingt als anders. Das kommt erst, wenn Leute sagen, man sei anders. Ich bin einmal mit offenen Haaren in die Schule gekommen und wurde dann gefragt: „Hast du in die Steckdose gegriffen?“ Ich kann jetzt darüber lachen, weil Kinder oftmals gar nicht wissen, was sie sagen, oder was für einen Schaden sie damit anrichten. Aber ich habe danach nie wieder meine Haare offen getragen. Jetzt erst lerne ich wieder, mir zu sagen: „Du hast schöne Haare.“ Jede und jeder trägt aus der Kindheit irgendeinen Schaden davon. Man muss sich Raum geben, sich damit zu konfrontieren und zu heilen. Dass ich heute so offen darüber reden kann, liegt daran, dass ich nicht mehr in diesen Verletzungen feststecke und auch nicht mehr hinterfrage, warum musste das passieren. Die Erfahrung hat mich aber auch zu dem selbstbewussten Menschen gemacht, der ich heute bin. Und ich sage immer, wenn ich eine Person da draußen mit meiner Geschichte ermutigen kann, ihre Haare offen zu tragen und sich so zu lieben, wie sie ist, dann ist das gut.

teleschau: Was würden Sie Kindern oder Jugendlichen raten, denen es heute ähnlich ergeht?

Mabry: Auf jeden Fall darüber zu sprechen! Ich habe viel zu lange damit gewartet. Ich glaube, das erste Mal, als ich darüber gesprochen habe, war in der fünften Klasse. Ich hatte eine super tolle Deutschlehrerin, die mich nicht einfach nur als das Kind mit Lese-Rechtschreibschwäche abgestempelt hat, sondern die gesagt hat: „Ey, das hat einen Grund, warum du Angst hast zu reden.“ Mit meiner Mama hatte ich dann ein Gespräch bei einem Psychologen. Dabei fanden wir heraus, dass meine fehlende Sprachfähigkeit mit meinen Erfahrungen aus der Grundschule zu tun hatte. Heute kann ich mich super gut ausdrücken. Deshalb kann ich jeder und jedem nur raten, darüber zu sprechen und auch keine Angst zu haben, Dinge anzusprechen, sei es dem Vertrauenslehrer gegenüber oder einem Klassenkameraden oder seinen Eltern und dann gemeinsam eine Lösung zu finden. Es findet sich immer eine Lösung. Für mich war die Lösung zum Beispiel, die Klasse zu wiederholen. Natürlich dachte ich anfangs: „Oh Gott, ich muss jetzt die Klasse wiederholen! Das ist jetzt voll der Misserfolg.“ Aber tatsächlich war das für mich der größte Erfolg, weil ich in eine Klasse kam, in der ich mich wohlgefühlt habe, in der ich diese Ausgrenzung auch nicht mehr so erfahren habe.

„Ich will einfach mitnehmen, was ich mitnehmen kann“

teleschau: Letzte Frage: Was wollen Sie noch erreichen, in Ihrer Karriere, aber auch danach?

Mabry: Ich bin erst mal froh, dass ich neben meinem Sport einen Bachelor in Sonderpädagogik in der Tasche habe und dass ich mit meiner Öffentlichkeitsarbeit als Olympiasiegerin Fuß gefasst habe. Das öffnet mir für die Zukunft auf jeden Fall Perspektiven, vielleicht im Sportjournalismus, vielleicht werde ich aber auch einfach selbst Trainerin. Ich habe mit Iris Manke-Reimers, Arthur Hoppe und Mareike Rittwig so unglaublich tolle Trainer an meiner Seite, die mir auch irgendwie so Lust darauf machen, selber mal in diesen Bereich zu gehen. In welcher Sportart das sein wird, kann ich jetzt noch nicht sagen. Sportlich gesehen, glaube ich, dass ich auf jeden Fall das Potenzial habe, meinen Weg weiterzugehen. Ich will einfach mitnehmen, was ich mitnehmen kann. Es ist unglaublich, dass ich so etwas erleben darf. Ich hoffe natürlich, in den nächsten Jahren gesund zu bleiben, meine Leistung zu stabilisieren und weiter an der Weltspitze zu bleiben. (tsch)

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Sarah Tacke
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