Ohne sie hätte er seinen 75. Geburtstag am 30. März nicht feiern können: BAP-Legende Wolfgang Niedecken verdankt sein (Über-)Leben seiner zweiten Ehefrau Tina.
Wolfgang Niedecken und sein „Engel“Ohne sie könnte BAP-Legende seinen 75. nicht feiern

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Seit 1994 ist Wolfgang Niedecken mit seinem „Engel“ Tina verheiratet.
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Seine Band BAP ist eine der erfolgreichsten des Landes, er selbst eine scheinbar unermüdliche, lebende Legende: Selbst an seinem 75. Geburtstag am 30. März steht Wolfgang Niedecken auf der Bühne, in seiner Heimatstadt Köln präsentiert er „aus gegebenem Anlass Lieder und Geschichten aus dem Leben“.
Trotzdem blickt Wolfgang Niedecken inzwischen entspannter auf sein Leben - zumindest ein wenig: „Ich betreibe viele Dinge mit großer Leidenschaft“, sagte er 2021 im teleschau-Interview, „aber ich habe irgendwann auch einsehen müssen, dass man nicht immer alles haben kann.“
„Sie hatte so eine warmherzige Ausstrahlung“
Er sei „eigentlich sehr zufrieden“, nicht nur aber auch vor dem Hintergrund seines Schlaganfalls 2011, den er „hervorragend überstanden habe, ohne dass irgendetwas zurückgeblieben wäre“. Eine Person, die nicht nur bei diesem „Schock“ eine zentrale Rolle in seinem Leben spielt, ist sein „Engel“, seine zweite Ehefrau Tina.
Ihr widmete er 2013 mit „Zosamme alt“ sogar ein ganzes Album: „Es ist eine Hommage an meinen Schutzengel“, sagte Niedecken damals im teleschau-Interview. Hintergrund war eben jenes einschneidende Erlebnis: Seine Frau habe damals sofort reagiert: „Wenn sie damals, als ich den Schlaganfall hatte, nicht das Richtige getan hätte, nämlich sofort den Notarzt rufen, säße ich heute wohl nicht hier.“
Die Idee zu dem Album habe bei ihr eine emotionale Reaktion ausgelöst: „Als ich ihr von der Idee erzählte, war sie sehr gerührt, das führte dann auch erst mal zu ein paar Tränchen.“
Obwohl seine Frau aus Bayern stammt, kam für ihn Hochdeutsch als Liedsprache nicht infrage. Sie verstehe Kölsch problemlos, so Niedecken im teleschau-Interview 2013, und für ihn sei klar, dass diese Sprache am besten zu seiner Musik passe.
Eine Erfahrung nach seinem Schlaganfall habe das zusätzlich bestätigt: „Als ich nach der Schlaganfall-Operation im Krankenhaus aufwachte, konnte ich zunächst nur noch Kölsch sprechen, denn bei Hochdeutsch hatte ich starke Wortfindungsschwierigkeiten.“
Kennengelernt hat das Paar sich unter ungewöhnlichen Umständen. „Sie stand beim Boarden für einen Flug nach München plötzlich hinter mir. Es war Liebe auf den ersten Blick! Sie hatte so eine warmherzige Ausstrahlung, wie ein Engel und sah auch so aus. Ich war damals noch verheiratet, aber die Ehe war in den letzten Zügen. Ich hatte mich damals schon nicht mehr gefreut, nach Hause zu kommen. Dann ist man besonders anfällig für Engel. Die 50 Minuten Flugzeit verbrachte ich damit, mir zu überlegen, wie ich noch ein Date mit ihr hinkriege!“

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Eine lebende Legende: Wolfgang Niedecken feiert am 30. März seinen 75. Geburtstag.
Seit 1994 ist das Paar verheiratet, nach den beiden Söhnen aus Niedeckens erster Ehe, bekam der Sänger mit seiner zweiten Ehefrau noch zwei Töchter.
„BAP ist sehr authentisch“
Dass er als Musiker eine gewisse Anziehungskraft ausübte, ist Niedecken klar. Dass es ihm zu Beginn seiner Karriere darum ging, von der Bühne aus Frauen kennenzulernen, verneint er aber vehement: „Ich lebte damals ja schon als freischaffender Maler und hatte einige Ausstellungen in guten Galerien. Das funktionierte gut, aber je mehr kölsche Songs ich schrieb, desto mehr Spaß hatte ich an dieser Sache. Die ersten Auftritte hatten wir damals in unserer Stammkneipe, dem Chlodwig-Eck in der Kölner Südstadt, und da kam viel zurück vom Publikum. Weil wir mit der Band eigentlich noch nicht so weit waren, trat ich dann öfter auch mal alleine auf.“
Zu ihrem ersten Auftritt im Juli 1977 musste die unfertige Band dann auch von einem Freund Niedeckens überredet werden: „Wir wollten eigentlich gar nicht“, erinnerte sich Niedecken im teleschau-Interview: „Wir sagten „Lass sein! Erstens sind wir nicht gut und zweitens haben wir überhaupt keine Anlage für so was“. Letztlich sei der Auftritt improvisiert gewesen: „Wir traten schließlich zu dritt mit zwei Akustikgitarren und ein paar Congas auf.“
Dass später ganz Deutschland die kölschen Texte mitsang, verwunderte die Mitglieder anfangs zwar, Niedecken sieht die Erklärung für den Erfolg aber genau darin, „dass wir nicht kalkulieren oder einem Zielpublikum entsprechen wollen. BAP ist sehr authentisch, und das Authentischste an uns ist natürlich die Sprache.“ Auf Englisch zu singen sei deswegen auch nie infrage gekommen: „Es gab immer Leute, die deutlich besser singen konnten, jünger waren und auch mehr Massenwirkung entfalten konnten. Aber dafür stehe ich mit den Texten, die ich singe, ziemlich alleine da. So habe ich ein Unterscheidungsmerkmal. Warum sollten wir uns dessen selbst berauben? Das hielt ich immer für vollkommen dämlich.“ (tsch)


