An Ruhestand denken sie nicht: Nach Jahrzehnten im Fernsehen planen Martina und Moritz einen Neuanfang und wollen ihr Landgut verkaufen.
TV-Aus, Gut-Verkauf, UmzugKultköche Martina und Moritz starten noch einmal durch

Copyright: IMAGO/Christoph Hardt
Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer denken nicht an einen Ruhestand. (Archivbild)
Für Martina Meuth und Bernd „Moritz“ Neuner-Duttenhofer stehen große Entscheidungen an. Das Kultpaar, das ab 1988 mit „Kochen mit Martina und Moritz“ über 34 Jahre lang das Programm des Westdeutschen Rundfunks geprägt hat, verlässt nach dem Aus seiner Sendung sein traditionsreiches Zuhause im baden-württembergischen Sulz am Neckar.
Schluss war im Fernsehen schon 2022. Nach 414 Folgen stellte der WDR die Produktion aus Kostengründen ein. Angekündigt hatte der Sender das laut dem Paar bereits vor der Pandemie, wie die beiden der Zeitung „Neckar-Chronik“ erzählten.
Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer: Die Ära auf dem Apfelgut geht zu Ende
Bitterkeit? Fehlanzeige. Die beiden schauen trotz des Endes mit Genugtuung zurück. Keine andere Sendung im deutschen Fernsehen sei so lange mit denselben Protagonisten gelaufen, sagt Meuth.
Ganz verschwunden ist das Format ohnehin nicht. Jede Woche zeigt der WDR Wiederholungen, das Archiv umfasst über 300 Episoden. Fester Sendeplatz ist der Samstagmittag gegen 11.45 Uhr, am frühen Sonntagmorgen folgt eine Wiederholung. Wer nicht warten will, findet sämtliche Beiträge und Rezepte dauerhaft in der ARD Mediathek.
Beliebtes TV-Kochduo muss sein Apfelgut verkaufen
„Wir wollen nicht, aber wir müssen.“ Mit diesen Worten erklärte Neuner-Duttenhofer im WDR-Format „Kölner Treff“, warum das historische Anwesen jetzt verkauft werden soll. Über Jahrzehnte war es Drehort und Lebensmittelpunkt zugleich. Dahinter stecken wirtschaftliche Notwendigkeiten: Die Immobilie sei ihre private Altersvorsorge, in die das gesamte Einkommen geflossen sei.
Doch so einfach klappt das nicht. Wie die „Südwest Presse“ berichtet, haben Meuth und Neuner-Duttenhofer für ihr Apfelgut in Sulz-Hopfau bislang keinen Käufer gefunden. Interessenten gab es durchaus – darunter sogar eine amerikanische Filmfirma. Zu einem Abschluss kam es aber bisher nicht. Darum führen die beiden den Betrieb vorerst weiter.
Die Hängepartie hat Folgen: Weil der genaue Verkaufszeitpunkt ungewiss ist, liegen Teile des Betriebs derzeit auf Eis. Kochkurse könne man im Moment nicht anbieten, erklärte Meuth. Schließlich sei unklar, ob man in einem halben Jahr überhaupt noch vor Ort sei. Das Ziel steht dagegen fest: München. Dort haben sich die beiden 1976 kennengelernt.
Neue Online-Kochfolgen und kulinarische Reisen geplant
Ans Aufhören denken die 77-jährige Autorin und der 82-jährige Gastronom trotz der Verkleinerung nicht – ein vollständiger Ruhestand ist kein Thema. Sie schreiben weiter Fachpublikationen und engagieren sich bei Slow Food sowie im Verband Food Editors Club. Dazu kommt ein eigenes digitales Projekt: Weil das lineare Fernsehen nur noch Wiederholungen zeigt, drehen die beiden neue Kochfolgen, die man im Netz kostenpflichtig abrufen kann.
Fast 28.000 Menschen folgen dem Duo auf Instagram. Dort beschrieben sie den Schritt als bewussten Übergang: „Nach über 30 Jahren vor der Fernsehkamera beginnt für uns ein neuer Lebensabschnitt. Das Apfelgut und die Küche, die viele von euch aus dem Fernsehen kennen, werden wir bald für immer abgeben.“
Bis zum Auszug wollen sie diese Zeit so nah festhalten, wie es im Fernsehen nie möglich gewesen sei. Und das nächste Projekt ist schon in Planung: Künftig wollen Martina und Moritz auch organisierte kulinarische Reisen anbieten. (jag)
