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„Tatort“ Nichts für schwache Nerven: In „Das kalte Haus“ wird es richtig gruselig

Wie schon im meisterhaften „Tatort: Der Fall Holdt“ von 2017 erzählt Star-Regisseurin Anne Zohra Berrached auch in ihrem neuen Krimi eine Geschichte mit lediglich einem Verdächtigen: Hat ein zu Gewaltausbrüchen neigender Unternehmer seine Frau verschwinden lassen?

Mit gruseligen Häusern kennt sich das Dresdener „Tatort“-Team aus. Der Fall „Parasomnia“ vom November 2020, damals nominiert für einen Grimmepreis, war einer der ganz wenigen gelungenen Ausflüge deutscher Fernsehkunst ins Grusel- oder genauer gesagt ins „Haunted House“-Genre. Auch das titelgebende „Kalte Haus“ im neuen Fall von Karin Gorniak (Karin Hanczewski), Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) und deren Chef Schnabel (Martin Brambach) ist definitiv furchteinflößend.

Darum geht’s: Am späten Abend werden die Kommissarinnen trotz des anstehenden Geburtstages von Gorniak, für den schon Alkohol und Party-Utensilien zum Schichtende eingekauft wurden, zur düsteren Villa eines einflussreichen Unternehmers gerufen. Simon Fischer (Christian Bayer) vermisst seine Frau Kathrin (Amelie Kiefer). Die ist verschwunden, viel Blut im Haus weist auf schreckliche Geschehnisse hin. Zudem ist auch der Hund sowie das Auto des Paares nicht mehr da, dabei hat Kathrin gar keinen Führerschein.

„Tatort: Das kalte Haus“ (ARD, 6. Juni): Ehemann gerät unter Verdacht

Indizien weisen darauf hin, dass der seltsam wirkende und zu aufbrausendem Verhalten neigende Simon Fischer seine Frau selbst hat verschwinden lassen hat. Andererseits wirkt der Mann so, als würde er Kathrin über alles lieben. Und warum sollte er die Polizei zu einem Zeitpunkt informieren, da auf dem weitläufigen Anwesen überall Spuren zu finden sind, die Fischer belasten?

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Im Haus finden die Ermittelnden nicht nur ein Kinderzimmer, das zwar fertig eingerichtet, aber unbenutzt ist, sondern auch ein verstecktes TV-Studio, von dem aus Kathrin Fischer, studierte Psychologin, als Influencerin wirkte. Unter dem Namen „Glückssucherin“ nahm sie erfolgreiche YouTube-Videos auf, die sogar Kommissariatsleiter Schnabel abonniert hatte. In welch seltsames Ambiente mit privater Golf-Driving Range, moderner Konzeptkunst und einem allgegenwärtigen Sprachassistenten sind die Ermittelnden hier bloß hineingeraten?

Anne Zohra Berrached, die diesen „Tatort“ inszenierte und mit Christoph Busche („Tatort: Rettung so nah“, ebenfalls aus Dresden) das Drehbuch verfasste, ist nicht „irgendeine“ Regisseurin, sondern eine der spannendsten jüngeren Filmemacherinnen Deutschlands. Ihr fantastisches Schwangerschaftsdrama „24 Wochen“ mit Julia Jentsch und Bjarne Mädel lief bei der Berlinale und war 2017 für vier deutsche Filmpreise nominiert. Doch auch beim „Tatort“ hat die Thüringerin mit algerischen Wurzeln schon Spuren hinterlassen. „Der Fall Holdt“, ebenfalls von 2017, ist der wohl beste Charlotte Lindholm-„Tatort“ überhaupt, und auch da ging es – nach einem wahren Fall – um einen Mann, der des Mordes an seiner verschwundenen Frau verdächtigt wurde.

ARD/MDR TATORT: DAS KALTE HAUS, am Montag (06.06.22) um 20:15 Uhr im ERSTEN. Simon Fischer (Christian Bayer) will seine SD-Karte zurück und greift Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) an- Karin Gorniak (Karin Hanczewski) und Kommissariatsleiter Schnabel (Martin Brambach) versuchen zu beruhigen.

Im „Tatort: Das kalte Haus“ gerät Simon Fischer (Christian Bayer, l.) in Verdacht. Leonie Winkler (Cornelia Gröschel) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) ermitteln. 

Trotz dieser offensichtlichen Parallelen ist „Das kalte Haus“ keine Wiederholung des „Holdt“-Stoffes. War der Krimi von 2017, in dem Aljoscha Stadelmann den Verdächtigen spielte, ein fast schon dokumentarisch angelegtes Psychospiel und das bewegende Porträt eines verzweifelten Mannes, ist „Das kalte Haus“ sehr viel verspielter und auf dunkle Weise „bunter“.

Der von Theatermime Christian Bayer verkörperte Verdächtige wirkt im „Tatort“ manchmal wie ein Schauspieler, der einen seltsamen Verdächtigen spielt – dies aber sehr bewusst. Die Theatralik seines Handelns, seiner Liebe und Worte wird von eigenen Kommentaren aus dem Off begleitet, so als würde man einer ambitionierten Bühnenvorstellung folgen. Die Art der Inszenierung führt zu einer bisweilen seltsamen Stimmung rund um die Hauptfigurfigur. Hinzukommt ein seltsamer Schauplatz, der an eine altdeutsche Gruselversion von Michael Jacksons Neverland-Ranch erinnert. Auch im Spielparadies des „King of Pop“ soll es ja, wie die Geschichte hervorbrachte, durchaus gruselige Ereignisse gegeben zu haben.

„Tatort: Das kalte Haus“ (ARD, 6. Juni) reiht sich in gruslig Schauplätze ein

Als verstiegenes Spannungsstück, das in Erzählung und Inszenierung das Faible des Dresdener Krimis für „larger than live“-Stoffe unterstreicht, funktioniert „Das kalte Haus“ schon recht gut. Zumal hier und da ein wenig Humor einfließt und die Ermittelnden eher nüchtern bleiben, um sich vom großen, bisweilen irritierenden Drama der Bewohner des „kalten Hauses“ abzugrenzen.

Mit „Das Nest“, damals der erste Fall von Cornelia Gröschel als Kommissarin Leo Winkler, gab es übrigens noch einen weiteren Dresdener Krimi, der mit einem fast kinematografischen Horrorhaus aufmachte. Offenbar hat man beim produzierenden MDR ein Faible für düstere Gebäude und ihre Geschichte – sowie talentierte Location Scouts, die selbige aufspüren.

Vielleicht kann der Sender, der bislang 13 Folgen mit Gorniak, Schnabel und Winkler beziehungsweise deren von Alwara Höfels gespielten Vorgängerin Henni Sieland produzierte, demnächst eine Fan-Stadtrundfahrt anbieten. Der Titel: Dresden und seine gruseligsten „Tatort“-Häuser. In Hollywood hat man mit derlei touristischen Angeboten gute Erfahrungen gemacht. (tsch)

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