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Heile Welt? „Alles verlogen“!Sänger rechnet eiskalt mit Schlagerbranche ab

Nino de Angelo schaut in Kamera.

Copyright: Rolf Vennenbernd/dpa

Nino de Angelo ist seit 1982 in der Schlagerbranche unterwegs. (Archivbild)

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Der Sänger berichtet von Neid und Missgunst unter Kollegen. Im Podcast „Wondermom“ spricht er auch über seine Begegnungen mit Roy Black.

Nino de Angelo zieht ein ernüchterndes Fazit über die Schlagerbranche. Im Podcast „Wondermom“ von Natascha Ochsenknecht kritisierte der 62-Jährige die öffentliche Darstellung eines harmonischen Miteinanders unter den Künstlern. Hinter den Kulissen gehe es deutlich weniger freundlich zu, als gemeinsame Fernsehauftritte vermuten ließen. „Boah, ist das alles verlogen“, fasste de Angelo seine Erfahrungen zusammen.

Das vermeintlich gute Verhältnis vieler Schlagerstars untereinander sei häufig nur Fassade, sagte de Angelo im Podcast „Wondermom“. Ähnlich hatte sich kürzlich auch Sängerin Michelle nach dem Ende ihrer Karriere über die Schlagerbranche geäußert. In Sendungen von Florian Silbereisen oder Giovanni Zarrella träten die Künstler gemeinsam auf, sangen Duette und vermittelten ein Bild von Zusammenhalt. Tatsächlich werde die heile Welt jedoch vielfach nur vorgetäuscht, so de Angelo.

Nino de Angelo über Schlagerstars: „Viel Fassade“

Der Sänger, der Deutschland 1989 mit dem von Dieter Bohlen geschriebenen Titel „Flieger“ beim Eurovision Song Contest vertreten hatte, sagte: „Sagen wir mal so: Ich denke mal, dass die heile Welt halt vorgegaukelt wird. Aber in der Schlagerwelt geht die Post ab – halt hinter verschlossenen Türen und nicht so offensichtlich. Weil man könnte ja ein schlechtes Image bekommen.“

Viele Kollegen legten großen Wert darauf, nach außen möglichst sympathisch und charismatisch zu wirken. De Angelo selbst habe sich daran nicht orientiert. „Mir war das immer egal. Es ist auch mein gutes Recht. Ich bin doch ein Mensch wie jeder andere auch, warum muss ich dann irgendwas vorspielen, nur damit ich beim nächsten Mal wieder viele Platten oder CDs verkaufe?“, sagte er.

Für ihn sei es wichtig, sich nicht verstellen zu müssen. Der Druck, ein bestimmtes Image aufrechtzuerhalten, könne Künstler psychisch belasten. De Angelo verwies in diesem Zusammenhang auf verstorbene Schlagerstars wie Rex Gildo und Roy Black.

Nino de Angelo erinnert sich an Roy Black

Roy Black habe er zunächst als Kind in der „ZDF-Hitparade“ erlebt, später habe er den Sänger persönlich kennengelernt. Dabei habe er auch dessen schwierige Seiten wahrgenommen. „Roy Black war echt so ein witziger Mensch – aber erst, wenn er ein paar Bier getrunken hat. Ansonsten war der depressiv“, erinnerte sich de Angelo.

Besonders im Gedächtnis geblieben sei ihm eine gemeinsame Autofahrt zu einer Fernsehsendung. Damals sei er noch ein Newcomer gewesen und habe auf der Rückbank gesessen, während Black telefonierte. Der ältere Kollege sei schlecht gelaunt gewesen und habe schließlich aussteigen wollen, obwohl sie sich auf der Autobahn befanden.

„Da habe ich mir dann gedacht: ‚Mensch, jetzt lernst du den kennen, und siehst, wie unglücklich der Mann eigentlich ist‘“, sagte de Angelo. Er sieht in solchen Erfahrungen ein Beispiel dafür, wie sehr persönliche Probleme Künstler belasten können.

Auch selbst habe er in seiner Karriere Neid und Missgunst erlebt. Er sei überzeugt, dass sein Gesangstalent bei manchen Kollegen für Unmut gesorgt habe. „Ich habe halt ein großes Talent geschenkt bekommen. Und da ziehst du auch den Neid an“, sagte der „Jenseits von Eden“-Sänger.

Andere hätten ihm vorgeworfen, sich nicht an Regeln zu halten, keine Autogramme zu schreiben und trotzdem erfolgreich zu sein. Als seine Karriere schwieriger geworden sei, hätten sich manche aus seiner Sicht darüber gefreut. Zudem habe er sich anhören müssen: „Mit deiner Stimme hätte ich eine Weltkarriere gemacht.“ (jag)