Moderatorin Ruth Moschner spricht über ihren (lebens-) gefährlichen Selbstoptimierungswahn.
Beauty-WahnRuth Moschner über Magersucht, Sportexzesse und verpfuschte OP

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Ruth Moschner zeigt allen den Stinkefinger, die ihr gesellschaftliche Normen aufdrücken wollen. Im Buch „Die Fuck it-List-Challenge“ animiert sie andere, es ihr gleich zu tun.

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Sie nimmt das böse „F...-Wort“ derzeit nicht nur in zig Interviews in den Mund, es ist auch der Titel ihres neuen Bestsellers „Die Fuck it-List-Challenge“. Darin erklärt Ruth Moschner (50) gewohnt scharfzüngig, von welchen gesellschaftlichen Zwängen und Normen sie sich verabschiedet hat. Ein besonders breites Kapitel nimmt dabei das Aussehen ein. Denn ihr Selbstoptimierungswahn hatte lange Zeit gefährliche Züge angenommen.
Alte Gewohnheiten, absurde Glaubenssätze, gesellschaftliche Zwänge. „Je mehr man sich von unnötigen Dingen löst, desto mehr Platz wird frei für die wirklich schönen Sachen, die dann auch perfekt zu einem passen“, sagt Ruth Moschner heute. Die 50-Jährige plädiert dafür, sich vom Drang zur Selbstoptimierung zu verabschieden. Einem Druck, einem auferlegten Zwang, der ihr selbst auch schon in frühester Kindheit auferlegt worden war. Vor allem, wenn es ums Aussehen ging. „Bist heit mittag wieder am Futtertrog ghangen?“, habe ihre Ballettlehrerin sie gerügt, wenn sie den Bauch nicht rechtzeitig eingezogen habe. Sie war gerade mal acht Jahre alt, als ihr die erste Diät empfohlen wurde. „Die Diät wurde zur Magersucht, in der Pubertät dann zur Bulimie“, erinnert sie sich in ihrem aktuellen „Fuck it“-Bestseller an eine schlimme Zeit in ihrem Leben als Leistungssportlerin.
Ruth Moschner ließ sich „Reiterhosen“ absaugen
Als in der Pubertät die Brüste auf sich warten ließen, sei sie als „Spätzünderin“ gemobbt worden. „Und so war es absehbar, dass ich neben vielen Diäten, Essanfällen, nichts essen, erbrechen, Sportexzessen und Selbstzerstörung irgendwann den Weg in eine Klinik für plastische Chirurgie finden würde.“ Sie habe sich für mehrere Tausend Euro die sogenannten Reiterhosen absaugen lassen. Heute würde man das ganze wahrscheinlich als Lipödem diagnostizieren und die Krankenkasse würde die Kosten übernehmen, glaubt sie. Sie habe sich anschließend wirklich besser gefühlt, doch mit 25 Jahren noch mal die Beine behandeln lassen. Doch statt der erhofften glatten Oberfläche gab es für „schlappe 1800 Euro nur ein paar Extradellen an den Beinen“ – Hautoberfläche und Unterhautfettgewebe wurden beschädigt. Inzwischen wisse sie, wie gefährlich Radiofrequenz-(RF-)Microneedling sein könne. „Nicht nur die Behandlung wurde falsch durchgeführt, auch die Aufklärung war mangelhaft.“
Sie lasse sich jetzt von einem Fachanwalt vertreten. Doch trotz der schlechten Erfahrungen versuchte die Moderatorin und Bestsellerautorin damals nach wie vor ihr Aussehen zu optimieren. „Wir wollen dazugehören, und das bringt uns immer wieder in Versuchung, uns irgendwie anzupassen. Als ich mit etwa 30 Jahren zwei Kleidergrößen abgenommen habe, wurde ich dafür gefeiert, als hätte ich für den Weltfrieden gesorgt“, schreibt sie in ihrem Buch. Heute sei sie jedenfalls froh, dass sie mit ihrem Körpergewicht ihren Frieden gemacht, die Waage schon vor Jahrzehnten aus ihrem Wohnraum verbannt habe. „Ich schaffe es, auf mein Körpergefühl zu hören. Je gesünder, desto besser.“
Was sie besonders nerve, sei die Tatsache, vom Internet noch potenziert, dass sich fremde Menschen anmaßen, über die sichtbaren Eigenschaften anderer zu urteilen. Dabei bräuchte es nicht viel, um den Körperkrieg zu beenden. In diesem Zusammenhang verweist Ruth auf die Aktivistin Louisa Dellert. Deren einfache Regel: Mal Menschen, die man nicht kennt, auf alles hinweisen, was sie innerhalb von fünf Sekunden verändern können. Beispiel: Spinat zwischen oder Lippenstift auf den Zähnen! Alles andere geht nicht. Ruth kann so leicht nichts mehr aus der Ruhe bringen? Von wegen! Ein Moderator sei im Zuge eines Promo-Interviews übergriffig geworden, sagt sie und bedauert, dass sie vor der Kamera eben nicht richtig schön ausgerastet sei. „In dem Moment verfluche ich meine gute Erziehung.“
