Nachdenkliche Töne bei „Lanz & Precht“ zum Jahresstart: Während Richard David Precht schon den „Untergang des Übermorgenlandes“ kommen sah, wunderte sich Markus Lanz über „sehr schlecht gelaunte Männer“. Einzig Gesprächsgast Florence Gaub versuchte sich an einem optimistischen Blick auf die Dinge.
Precht diagnostiziert „typisch deutsche Angst“ - und beschwört „Untergang des Übermorgenlandes“

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Richard David Precht meinte in der jüngsten Folge von „Lanz & Precht“ die Ursache für eine „typisch deutsche Angst“ gefunden zu haben. (Bild: ZDF / Christian Bruch)
Optimismus zum Jahreswechsel könnte man aufgrund der unsicheren weltpolitischen Lage gut gebrauchen. Da waren sich auch Richard David Precht und Markus Lanz in ihrer ersten gemeinsamen Podcast-Folge 2026 einig. Doch in ihrem Wintergespräch mit Zukunftsforscherin Florence Gaub ging es dann doch vielfach um Pessimismus und Zukunftsangst.
„Es gibt zwei Punkte, in denen wir heiße Weltmeisterschaftskandidaten sind: Das eine ist Moralismus und das andere ist Schwarzseherei. Beides ist in der deutschen Seele ziemlich eng miteinander verknüpft“, diagnostizierte Precht eine besonders starke Anfälligkeit der Deutschen für einen pessimistischen Blick auf die Welt. Dem konnte auch Gaub nicht widersprechen: „Wir Deutschen sind da schon eher sehr gut darin, uns kleinzumachen und zu sagen, es wird wahrscheinlich eher schlecht.“ Hierzulande hätten Menschen eine „höhere Intoleranz gegenüber Unsicherheit“.
Zukunftsforscherin zeigt auf, wo Deutschland von Finnland lernen kann

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Zum Jahresauftakt des Podcasts „Lanz & Precht“ begrüßten Richard David Precht (links) und Markus Lanz die Zukunftsforscherin Florence Gaub zum Gespräch. (Bild: ZDF / Christian Bruch)
Wie es anders geht, zeige der Blick nach Finnland, argumentierte Florence Gaub. Das skandinavische Land platziere sich im internationalen Glücksindex stets auf den vorderen Plätzen. Von der finnischen Denke „Nicht: Was kann passieren? Sondern: Was kann ich tun?“ könne man sich laut Gaub in Deutschland eine Scheibe abschneiden. Das habe dann folgenden positiven Effekt: „Dann macht dich das glücklich, weil du über deine Selbstwirksamkeit mehr nachdenkst als über all die Risiken, die auf dich einprasseln.“ Zudem sei es gemäß der Forscherin ein „Irrglaube, dass man eine gute Gegenwart braucht, um über eine gute Zukunft nachzudenken“.
Richard David Precht begab sich derweil auf die argumentative Suche nach dem Grund, weshalb Pessimismus in Deutschland so verbreitet scheint. „Vielleicht gucken wir deshalb so trübe in die Zukunft, weil unser Anspruch an die Zukunft, unser Glücksanspruch, viel höher ist als bei allen früheren Generationen“, vermutete der 61-Jährige. Im Vergleich zu früheren Generationen sei der Mensch „viel enttäuschungsanfälliger geworden“.
Im Vergleich zu glücklicheren Ländern in Skandinavien fehle zudem „dieses familiäre Gefühl gegenüber unserem Staat“, meinte Precht zu beobachten. Dazu komme ein weiteres Phänomen, das einen positiveren Blick auf das Leben erschwere: „Ich glaube, dass es diese typisch deutsche Angst ist, dass man etwas verliert, was den Blick in die Zukunft so nachhaltig trübt und was es auch so schwer macht, ins Handeln zu kommen.“
Zukunftsforscherin fordert bei „Lanz & Precht“: „Am Ende muss es aus der Regierung kommen“
Passend zu Prechts Befund warf Markus Lanz ein: „Sehr schlecht gelaunte Männer sitzen gerade überall am Ruder und bomben uns oder treiben uns mit Zöllen oder Waffen in eine Vergangenheit zurück, von der wir eigentlich dachten, die sei vorbei.“ Ganz so negativ wollte Florence Gaub den Blick auf die Zukunft jedoch nicht ausfallen lassen. Sie betonte: „Auf Unternehmensbasis und auch bei vielen Verbänden ist der Glaube daran da, dass man etwas positiv verändern kann.“ Nachholbedarf sehe sie dagegen an anderer Stelle: „Am Ende muss es aus der Regierung kommen.“
Politische Initiative ist nicht zuletzt beim Klimawandel nötig, den Richard David Precht als „globale ökologische Katastrophe“ bezeichnete. Trotz Gaubs Hinweise auf zuletzt erreichte Fortschritte befand Precht: „Die Karre steckt so tief im Dreck, und wenn sie jetzt etwas langsamer in den Dreck fährt, macht mich das noch nicht optimistisch.“ Mehr noch beschwor der Autor gar den „Untergang des Übermorgenlandes“.
„Das Problem, das wir haben ist, dass Geopolitik, Klimawandel und KI wahnsinnig langsame Prozesse sind“, argumentierte Florence Gaub, distanzierte sich aber gleichzeitig von Prechts schwarzmalerischer Sicht auf die Dinge: „Ich will nicht sagen, es ist alles in Ordnung. Wir werden auch nicht alles schaffen. Aber ich lade schon dazu ein, dass die gedankliche Energie, die man auf Pessimismus verschwendet, vielleicht eher auf die potenziellen Lösungen zu lenken.“ (tsch)
