Es ist eine „Die Höhle der Löwen“-Ausgabe, in der tolle Geschäfte, aber auch ernste Themen eine Bühne finden: Heftig wird es, als ein Urologen-Start-up eine Urin-Selbsttest-Lösung vorstellt. Das Ziel: Endlich mehr Männer rechtzeitig zur Prostatakrebs-Vorsorge zu bewegen.
Nach Urologie-Pitch lästert VÖX-Löwin„Ihr Männer seid schon ein spezielles Gewächs!“

Copyright: RTL / Bernd-Michael Maurer
Es ist ein ernstes Thema, dass so viele Männer regelmäßige Besuche beim Urologen scheuen. Doch kann das wirklich durch einen (teuren) Selbsttest zu Hause geändert werden? Judith Williams (links), Frank Thelen und Janna Ensthaler sind skeptisch. (Bild: RTL / Bernd-Michael Maurer)

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Ein Pappkamerad, der eine klare Sprache spricht: Das Gründertrio von „Streamcheck“ möchte erreichen, dass mehr Männer zu Hause ihren Urinfluss kontrollieren. (Bild: RTL / Bernd-Michael Maurer)
Ungewohnter Anblick auf der Präsentationsbühne der VOX-Show „Die Höhle der Löwen“ (ab 20.15 Uhr bei VOX und vorab bei RTL+): Das „Streamcheck“-Trio rund um einen erfahrenen Urologen im weißen Arztkittel hat einen ungewöhnlichen Pitch-Teilnehmer mitgebracht. Und es braucht dann doch gar nicht so viel Fantasie, um zu verstehen, was der Pappkamerad mit der Rohröffnung im Unterleib zum Ausdruck bringen soll.

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Unerwartete Offenheit: Carsten Maschmeyer erzählt, dass er eine gutartig vergrößerte Prostata hat. (Bild: RTL / Bernd-Michael Maurer)
Kleiner Tipp: Er steht vor einem Wasserbecken. Na klar: Es geht um das Urinieren - und um die gefürchteten Probleme beim Wasserlassen, die mit zunehmenden Alter immer gravierender werden. Das Medizin-Start-up aus Vierkirchen steht für eine urologische Früherkennung. Ihre Anwendung ist nicht für den Einsatz in der Arztpraxis, sondern für zu Hause gedacht!
„Mit diesem Termin können wir die Männerwelt verändern“, sagt einer der drei Gründer über die Pitch-Präsentation. Es geht um ein ernstes Thema, das viel zu viele Menschen verdrängen: Männer drücken sich gerne vor regelmäßigen Prostata-Untersuchungen, obwohl die doch so wichtig sind und im Extremfall lebensentscheidend sein können. Keine Angst, sich zum Tabuthema zu äußern, hat dagegen Carsten Maschmeyer. Er erzählt offen: „Ich habe eine gutartige Prostata-Vergrößerung.“ Zumindest er weiß besser um seinen Körper Bescheid.
„Ihr Männer seid schon ein spezielles Gewächs“, klagt Judith Williams

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1.000.000 Euro für lediglich zehn Euro der Firmenanteile wollen die „Streamcheck“-Gründer haben - und das, obwohl sie noch gar keine Umsätze vorweisen können. „Die Bewertung ist ein harter Strahl“, schimpft Carsten Maschmeyer. (Bild: RTL / Bernd-Michael Maurer)

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Die Einigkeit unter den Investorinnen und Investoren ist groß, dass „Streamcheck“ ein wichtiges Anliege verfolgt. Und doch will niemand bei der Medizinfirma einsteigen. „Ich halte das Thema nicht für effienzt“, sagt Carsten Maschmeyer. (Bild: RTL / Bernd-Michael Maurer)
Das „Streamcheck“-Trio steht für die Devise: Wenn der Mann nicht zum Arzt geht, muss eben der Arzt zum Mann kommen. Soll heißen: Ihre Heimlösung steht für regelmäßige Mehrfachmessungen, die so selbstverständlich wie das Zähneputzen werden sollten. Dabei untersucht eine smarter Flüssigkeitsbecher den Urinfluss beim Wasserlassen und analysiert zusätzlich über einen integrierten Teststreifen unter anderem die Entzündungswerte. „Tolle Erfindung“, meint Star-Investor Maschmeyer anerkennend.
Was ihm allerdings ganz und gar nicht gefällt: Mit einem Preis von fast 200 Euro ist das Starter-Kit für die Urin-Kontrolle zu Hause viel zu teuer. Und dass die Gründer sage und schreibe eine Million Euro für lediglich zehn Prozent der Firmenanteile haben wollen, kommt auch nicht gut an. Schon gar nicht, weil bislang noch keinerlei Umsätze erzielt wurden. „Die Bewertung ist ein harter Strahl“, ätzt Maschmeyer. Und dann häufen sich immer mehr kritische Nachfragen - und große Bedenken. „Die Vorsorge lässt sich sehr, sehr schwer verkaufen“, klagt etwa Frank Thelen.
Nach und nach springen alle potenziellen Investoren ab - auch wenn es sie in der Sache schmerzt. Besonders bitter fällt das Fazit von Judith Williams aus. „Ihr Männer seid schon ein spezielles Gewächs“, klagt sie. „Selbst wenn's tröpfelt, gehen die Männer nicht zur Vorsorge.“ Es ist ein Appell, den man(n) beherzigen sollte! (tsch)
