Beim NATO-Gipfel in Ankara sorgte Donald Trump mit seiner Iran-Rhetorik und neuen Forderungen an Europa für Unruhe. Bei „Markus Lanz“ wählte CDU-Politiker Roderich Kiesewetter dafür drastische Worte. Außerdem stellte der CDU-Mann zur Debatte, wie abhängig Europa noch von Washington sein darf.
Nach düsterem Trump-Befund von CDU-Mann bilanziert Lanz„Das ist doch verrückt!“

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In Bezug auf den US-Präsidenten warnte Roderich Kiesewetter, dass er eine Bedrohung für die europäische Sicherheit darstellen könnte. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)
Beim NATO-Gipfel in Ankara beschäftigte Europa einmal mehr die Frage nach dem richtigen Umgang mit Donald Trump. Der US-Präsident sorgte für Unruhe, als er sich offen enttäuscht über die aus seiner Sicht zu geringe Unterstützung der europäischen Partner im Iran-Krieg zeigte. Zeitgleich zum Gipfel intensivierten die USA ihre Angriffe auf den Iran - und Trump legte zusätzlich mit Attacken gegen Spanien sowie Gedankenspielen über eine Annektion Grönlands nach.

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USA-Expertin Annett Meiritz betonte, dass trotz Donald Trump Europa den Faden der Diplomatie zur USA nicht abreißen lassen dürfe. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)
Bei „Markus Lanz“ blickte Sicherheitsexperte Nico Lange mit Sorge auf Trumps Auftreten und beschrieb den Gipfel mit gemischten Gefühlen: „Der NATO-Gipfel ist ja kein ehrliches Gespräch, sondern es geht darum, Trump bei Laune zu halten. (...) Das ist ja auch in unserem Interesse, dass das passiert.“ Gleichzeitig müsse Europa klären, wie es „Verteidigung und Abschreckung“ künftig selbst bezahlen will, „weil wir uns nicht auf die Amerikaner verlassen können“.
Markus Lanz nahm daraufhin NATO-Generalsekretär Mark Rutte ins Visier, der Trump zuletzt mehrfach auffallend freundlich begegnet war. Lanz fragte provokant: „Wie viel ist Selbstachtung eigentlich wert?“ USA-Expertin Annett Meiritz antwortete: „In Zeiten von Trump müsste sie eigentlich alles wert sein. (...) Aber das ist dieser Spagat der Diplomatie, den wir jetzt seit nunmehr als neun Jahren fahren.“ Laut Meiritz gehe es am Ende „darum, den Draht zu den Amerikanern nicht abreißen zu lassen“.
Roderich Kiesewetter ist „in großer Sorge“: „Sind wir Europäer Spielball?“

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Nach dem NATO-Gipfel in Ankara beleuchtete die Diskussionsrunde bei „Markus Lanz“ die Rolle Europas in der Geopolitik. (Bild: ZDF / Markus Hertrich)
Doch dieser Kurs stoße mehr und mehr an Grenzen, so Meiritz: „Dieses Beweihräuchern, dieses Lösungen anbieten, Geld anbieten, (...) das funktioniert immer weniger, wenn die andere Seite nicht mitspielt.“ Lanz spitzte das Argument zu und nannte Rutte in dem Zusammenhang den „Infantino der NATO“. Meiritz wollte diesen Vergleich nur teilweise mitgehen und hielt dagegen: „Mark Rutte ist ja derjenige, der immer und immer wieder dafür sorgt, dass die Dinge am Ende nicht komplett eskalieren.“ Aus europäischer Sicht sei Rutte oft „der Draht zu Trump, mit dem er sich versteht und der sozusagen das Schlimmste abwenden kann“.
Trotzdem blieb die Grundangst im Raum - besonders bei CDU-Politiker Roderich Kiesewetter, der sagte, er sei in „großer Sorge“. Seine zentrale Frage lautete: „Sind wir Europäer Spielball?“ In Ankara bezeichnete Trump die Iraner unter anderem als „Lügner“ und „Abschaum“. Während der ZDF-Moderator sich über diese Wortwahl empörte, blieb Meiritz nüchtern: „Es sollte uns eigentlich schocken, (...) aber in Wahrheit ist es doch so, dass Trump nicht nur in der Weltpolitik, im Kriege führen, sondern auch in der Rhetorik die Maßstäbe so verschoben hat, dass wir doch eigentlich nichts anderes mehr von ihm erwarten.“
„Was Trump macht, ist doch die Verulkung der regelbasierten Ordnung“
Nico Lange hielt dagegen die Wirkung der US-Strategie für begrenzt: „Der Kern des Problems ist doch, dass Trump dem Iran seinen Willen nicht aufzwingen kann.“ Der Sicherheitsexperte ergänzte, Trump könne dieses Problem am Ende „auch nicht durch weitere Bombardements“ lösen.
Roderich Kiesewetter wurde anschließend noch grundsätzlicher und zog ein bitteres Fazit über Trumps Auftreten beim NATO-Gipfel. „Was Trump macht, ist doch die Verulkung der regelbasierten Ordnung. Er veralbert uns“, beklagte der CDU-Politiker wütend. Europa und Kanada müssten daher enger zusammenrücken und die eigene Abhängigkeit reduzieren. „Wir müssen auch eine gewisse Risiko-Minimierung mit den USA betreiben, um unsere eigene Sicherheit von diesen Verulkungen unabhängiger zu machen“, verdeutlichte der Politiker. Markus Lanz reagierte darauf fassungslos: „Das ist doch verrückt!“ (tsch)
