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Zoff bei „Markus Lanz” Als Kubicki schlimmes Wort sagt, muss Campino sofort eingreifen

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Campino (Die Toten Hosen) ist zu Gast bei Markus Lanz (ZDF), um über Debattenkultur in Deutschland zu sprechen.

Köln – Nachdem Frank Plasberg schon am Montag bei „Hart aber fair” darüber diskutierte, was in der deutschen Sprache noch gesagt werden darf und was besser nicht, ging die Debatte am Dienstagabend bei „Markus Lanz” im ZDF (22.45 Uhr) nun weiter.

Eigentlich sollte es um die Rückkehr von US-Präsident Donald Trump ins Weiße Haus nach seiner Corona-Behandlung im Krankenhaus gehen. Dafür war der USA-Korrespondent Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios in Washington, ins Studio zugeschaltet, um ein Update aus erster Hand zu geben.

Doch schnell ging es in der Sendung auch um die grundsätzliche Streit- und Debattenkultur, auch in Deutschland. Die Gäste sprachen darüber, wie sich die Meinungsfreiheit und der politische Diskurs in unserem Land verändert haben. Und welche Auswirkungen das auf unsere Demokratie haben könnte.

Besonders hitzig wurde es dabei zwischen FDP-Vize Wolfgang Kubicki und dem Tote-Hosen-Sänger Campino. Beim N-Wort nämlich rasselten beide aneinander – und auch im Netz wurde heiß diskutiert.

Wolfgang Kubicki bei Markus Lanz: „Wir müssen lernen, andere Meinungen zu ertragen”

Kubicki ist der Meinung, dass er sich an keine Phase in der Geschichte Deutschlands erinnern könne, „in der es um die Freiheit der Meinung so schlecht bestellt ist wie heute“, wie er Markus Lanz erläuterte.

Er bezieht sich dabei auf eine Umfrage, in der zwei Drittel der Deutschen bekannten, sich nicht mehr zu trauen, ihre Meinung öffentlich und deutlich zu sagen. „Wir müssen wieder lernen, andere Meinungen zu ertragen“, findet der Politiker. „Auch dann, wenn sie besonders eklig sind.“

Bei Markus Lanz wird über deutsche Debattenkultur diskutiert

Die „Spiegel“-Redakteurin Susanne Beyer hingegen hält dagegen: Sie findet es befremdlich, dass ausgerechnet ein Spitzenpolitiker wie Kubicki diese Angst vor einer vermeintlichen Zensur schürt. Sie fragt: Sind nicht gerade die vielen Corona-Demonstranten in Deutschland der Beweis dafür, was alles erlaubt ist?

Zum Thema Meinungsfreiheit hat Wolfgang Kubicki ein Buch geschrieben, in „Meinungsunfreiheit“ nimmt er die Debattenkultur im Land unter die Lupe.

Markus Lanz: Wolfgang Kubicki sagt plötzlich das N-Wort

Als es um Themen in der öffentlichen Debatte geht, um die sich viele drücken, weil darüber nicht gerne geredet wird, erklärt Kubicki: „Ich glaube, es ist naiv zu glauben, dass wir Rassismus dadurch bekämpfen, in dem wir Begrifflichkeiten verändern.“ Nicht der Begriff sei rassistisch, sondern der Mensch, der diesen Begriff verwendet. Er könne auch mit einem sauberen Begriff Rassismus ausdrücken.

Dann wird der FDP-Vize konkret. „Es macht für einen Rassisten keinen Unterschied, ob er abwertend »Du Neger« sagt oder »Du 'POC'«. POC steht für: „Person of color“ oder „People of color“, ein positiv konnotierter Begriff für nicht-weiße Menschen. „Die Abwertung bleibt“, findet Kubicki.

Markus Lanz: Campino muss nach N-Wort sofort dazwischen grätschen

Nicht der Begriff, sondern die Haltung mache es aus. „Wenn wir uns darauf verständigen, dass Artikel 1 unseres Grundgesetzes unser Leitmotiv ist, die Würde des Menschen ist unantastbar, dann müssen wir uns nicht mit der Frage beschäftigen: Müssen wir den Begriff »Mohr« aus den klassischen Werken herausstreichen. Wie albern ist denn sowas!“

Campino grätschte sofort dazwischen: „Da muss ich ganz vehement widersprechen“, sagt der Musiker. Man müsse ja erstmal verstehen, dass sich Sprache und Wörter entwickeln. Und damit auch Begriffe. „Die muss man in den zeitlichen Kontext setzen und muss auch jeder Zeit in der Lage sein, sich selber zu justieren.“

Campino bei Markus Lanz: „Müssen uns über diese Begriffe Gedanken machen“

Man könne eben nicht sagen, dass das Wort „Neger“ vor 20 Jahren noch in Ordnung gewesen sei, „deshalb ist es auch heute noch in Ordnung.“ Das sei „ganz und gar nicht“ der Fall, so Campino. „Ich finde, wir sind dazu aufgerufen, uns über diese Begriffe Gedanken zu machen.“

Deshalb finde er eine Diskussion über Straßennamen wie die „Mohrstraße“ in Berlin durchaus angebracht. Man müsse in der Diskussion zwar nicht hysterisch werden, „aber generell sollten wir verdammt noch mal sensibilisiert sein!“

Da musste letztlich auch Kubicki zustimmen.

Markus Lanz: N-Wort sorgt für heiße Diskussion im Netz

Als in der Sendung das N-Wort fiel, gingen die Diskussionen auch im Netz heiß her. „Warum kapieren Leute wie Kubicki nicht, dass das N-Wort für jeden Betroffenen einfach herabwürdigend ist“, fragte ein Zuschauer auf Twitter.

Dass gerade Kubicki darüber spricht, welche Worte herabwürdigend seien und welche nicht, stieß ebenfalls auf. „Weiße, alte Männer reden darüber, ob man das N-wort sagen darf und sagen genau das dann zig mal... Merkt ihr selber oder???”

Ein anderer Nutzer geht sogar noch weiter: Er findet: „Kubicki droppt bei Markus Lanz das N-Wort, als lese er seine Einkaufsliste vor. Und wieder... und wieder... das muss seine letzte Einladung zu einer öffentlich-rechtlichen Talkshow sein.“ (mg)