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Covid-Überlebender im ZDFWer von seinem Kampf hört, zweifelt nie wieder an Corona

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Joachim Huber war im März einer der ersten Corona-Kranken. Jetzt spricht er bei „Markus Lanz” im ZDF über seinen Kampf mit dem Virus.

von Martin Gätke (mg)

Köln – Derzeit gibt es vor allem nur ein Thema: die Corona-Pandemie, die Deutschland im Würgegriff hält. Und die Zahlen der Neu-Infizierten, die seit Tagen in die Höhe schnellen. Es wird von Reproduktionswerten gesprochen, Inzidenzzahlen und darüber, wie viele Intensivbetten wir noch zur Verfügung haben. Und wie viele Menschen genesen sind. Statistiken.

Doch wie geht es den Menschen hinter diesen Zahlen. Menschen, die Corona überlebt haben?

Einer dieser Menschen ist Joachim Huber (62). Er ist der Leiter des Medienressorts des Tagesspiegels in Berlin und war im März einer der ersten, die sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hatten. Es begann mit Fieber und Kurzatmigkeit. Und endete in einer furchtbaren Tortur, die er ein zweites Mal nicht schaffen würde, wie er sagt.

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Fünf Wochen Koma, Lungenembolie, Nierenversagen, ein Herzinfarkt, ein tauber Fuß. Bei „Markus Lanz“ sprach Huber am Donnerstagabend (ZDF, 23.30 Uhr) über seine schwere Erkrankung und das Leben danach. Ein Bericht, der vor allem die Corona-Leugner zum Nachdenken bringen sollte. Und jene, die das Virus verharmlosen, illegale Partys veranstalten, Abstände nicht einhalten und Masken verweigern.

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Medizinische Mitarbeiterinnen behandeln am 6. Oktober einen mit dem Coronavirus infizierten Patienten auf der Intensivstation des Krankenhauses in Madrid. Nicht nur die spanische Hauptstadt, auch viele andere Orte in Europa wurden erneut zu Corona-Hotspots.

„Dieser Virus hat es leicht, wenn ihr leichtsinnig seid“, erklärt Huber in ihre Richtung. „Es gibt Menschen, die sind klüger als klug, die sind klüger als Virologen und Experten. Und meinen, sie wissen etwas besser, das sie nicht besser wissen können.“ Das empöre den Journalisten sehr.

Mit seinem eigenen Bericht und seiner eigenen Erfahrung will Huber auf die Gefahr des Virus aufmerksam machen. Gesund sei er noch nicht, er kämpfe noch. „Aber ich bin unterwegs“. Vor einigen Tagen hat auch der „Tagesspiegel“ ein bewegendes Interview mit Joachim Huber veröffentlicht.

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Ein 60-jähriger Patient wird von Mitgliedern eines Ärzteteams in ein anderes Bett verlegt, als er die Intensivstation im Hospital del Mar in Barcelona verlässt. Joachim Huber, einer der ersten Covid-Erkrankten in Deutschland, spricht mit Markus Lanz über seine Zeit auf der Intensivstation in Berlin.

Wo er sich genau angesteckt hat, wisse Huber bis heute nicht. Wahrscheinlich im öffentlichen Raum, in der Bahn, mutmaßt der Journalist. „Und da muss das Virus auf mich gewartet haben. Ich habe eine solche Ladung abbekommen, die hätte für sehr viele Menschen gereicht.“ Er selber jedoch habe – und das sei das Glück – niemanden angesteckt. Weder seine Frau noch seine Tochter oder Kollegen.

Markus Lanz: Bei Markus Huber begann alles mit leichtem Fieber

Die ersten Symptome traten bei dem 62-Jährigen Mitte März auf: Es begann mit leichtem Fieber. „Fieber, das man in einem Monat wie März schon mal haben kann.“ Huber habe es zunächst gar nicht ernst genommen. „Ich habe dieses Virus vollkommen unterschätzt. Ich habe gedacht, das spielt alles in China und das bleibt in China.“

Doch das Fieber stieg immer weiter. Und eines Tages konnte Huber in seinem Berliner Reihenhaus keine Treppe mehr besteigen. „Ich war einfach zu kurzatmig.“ Für den Journalisten damals das Zeichen, dass er sehr wahrscheinlich doch das Virus haben muss.

Markus Lanz: Journalist erkrankte an Corona und handelte entschlossen

Er handelte glücklicherweise entschlossen: „Ich habe einen Sanitäter angerufen und ihm gesagt, er solle mich ins Krankenhaus bringen. Dann kam ein junger Mann, der wohl schon vier Anrufe an diesem Tag gehabt hatte von Menschen, die allesamt Fieber hatten und Angst davor, an Covid-19 erkrankt zu sein. Der Sanitäter sagte auch zu Huber: Sie haben Fieber, bleiben Sie zu Hause. Doch Huber blieb energisch: „Wenn Sie nicht fahren, fahre ich. Und Sie legen sich hinten rein“, habe der Journalist geantwortet.

Huber kam sofort ins Krankenhaus. Und wurde dort kurz darauf fünf Wochen lang in ein künstliches Koma versetzt. Seine Frau, seine Tochter – niemand durfte ihn besuchen. Sie standen vor dem Krankenhaus, um ihm nah zu sein. Einmal wurde seiner Frau gesagt, dass ihr Mann den nächsten Tag wohl nicht überstehen würde. Da sei sie selber in Ohnmacht gefallen.

Huber bei Markus Lanz: „War 5 Wochen weg von der Welt”

Fünf Woche sei er „weg von der Welt“ gewesen, so Huber. Die Lunge sei am Boden gewesen, ein Nierenversagen kam während des Komas hinzu. Ein Herzinfarkt kam ebenfalls noch dazu. „Doch ich wollte nicht abtreten. Ich habe weitergekämpft.“ Auch wenn es mehrere Tage gegeben habe, an denen nicht klar war, ob Huber überlebt.

Die Aufwachphase aus dem Koma habe dann aus Alpträumen von „Gewalt, Tod und Brutalität“ bestanden.

Markus Lanz: Covid-Überlebender hat „Einschussloch” am Hals

Seine Narbe am Hals, die vom Luftröhrenschnitt stammt, um eine Trachealkanüle für die Beatmung einzuführen, nennt Huber „Einschussloch“. „Meine Lunge hatte nur noch vier Prozent Luftfüllung.“ 94 Prozent seien das normale Maß.

Die Ärzte drehten ihn im Bett immer wieder um, auch auf den Bauch, damit die Sauerstoffaufnahme verbessert wird. Er selbst konnte sich nicht bewegen, so Huber. „Das war eine schlimme Erfahrung, weil das einem klar macht: Ich bin nicht nur krank, ich bin superkrank.“

Covid-Überlebender hat bis heute einen tauben Fuß

Patienten in Bauchlage zu bringen und dann immer wieder zu drehen sei eine schwere Prozedur, so Huber. „Bei meinem Fuß wurde dann mal irgendetwas übersehen“, sagt er. Ein Nerv wurde eingeklemmt, der Fuß ist bis heute taub. Der Journalist muss eine Orthese tragen. „Aber ein tauber Fuß ist im Vergleich zum Überleben gar nichts.“

Das Gefühl der Atemnot, keine Luft mehr zu bekommen, sei für Huber das schrecklichste Gefühl seines Lebens gewesen, sagt er. An seinem Beatmungsgerät steckten drei verschiedene Filter, so beschreibt es der Journalist Lanz. Bei einem dieser Filter fiel es ihm sehr schwer zu atmen. „Wenn Sie da 15 Mal die Luft ansaugen müssen und Sie haben das Gefühl, dass das nicht genug Luft ist, wird man panisch.“

Huber zu Markus Lanz: „Herr Lanz, nichts hat mir mehr Angst gemacht”

Huber erklärt dem Moderator: „Herr Lanz, dieses Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen – Ich kann mich an keinen Moment in meinem Leben erinnern, der mir mehr Angst gemacht hat.“ Huber sei verzweifelt gewesen. „In der Nacht hatte ich mir zwei Mal die Kanüle aus dem Hals gezogen, unbewusst. Damit habe ich mich um die eigene Beatmung gebracht.“ Die Ärzte hätten daraufhin gedroht, Huber zu fixieren. „Davor hatte ich dann auch Angst. Deshalb habe ich die Kanüle im Hals gelassen.“

Lanz will wissen, ob Huber jemals dachte: Ich packe das nicht mehr? „Ja“, erklärte der Journalist. „Wenn ich ehrlich bin, hatte ich diese Tiefs.“

„Ich will der normale Huber werden”

Huber sei den Pflegerinnen und Pflegern, Ärztinnen und Ärzten äußerst dankbar, sagt er. „Sie haben mich gerettet. Sie haben mir ermöglicht, dass ich weiterleben kann.“ Wenn Huber wieder vollständig hergestellt ist, werde er eine Tour durch die Krankenhäuser machen, in denen er lag. „Und jedem persönlich danken.“

Heute versuche er sich von seiner dramatischen Krankenheitsgeschichte zu lösen. „Und der normale Huber zu werden.“

Warum hat die Krankheit bei Huber so einen schweren Verlauf genommen?  Er selbst habe Bluthochdruck und Diabetes Mellitus Typ 2, erklärte Huber vorab im „Tagesspiegel”. Ob diese Vorerkrankungen dazu beigetragen haben, „kann keiner mit Gewissheit sagen.” (mg)