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Interview

90er-Ikone„Jungs wurden ohnmächtig, weil ich »Hi« gesagt habe!“

Jasmin Wagner alias "Blümchen"

Copyright: Anelia Janeva

Jasmin Wagner trägt auch mit 46 Jahren noch gerne bauchfrei - und gibt Tipps für eine gelungene 90er Party.

Aktualisiert:

Jasmin Wagner tauchte mit uns in die Vergangenheit ein und erzählt, welche „Bravo“-Poster sie einst über dem Bett hängen hatte und wie sie ihr Geld angelegt hat.

Als „Blümchen“ schrieb Jasmin Wagner in den 1990er-Jahren Musik-Geschichte. Mit Millionen verkaufter Tonträger gilt sie heute als erfolgreichste deutsche Solointerpretin des damaligen Jahrzehnts. Mit dem Revival der 90er und all den Mottopartys feierte „Blümchen“ 2019 ein irres Comeback. Derzeit „blüht“ sie vor allem in ihrer Mutterrolle auf.

Ob die 90er immer noch ein großes Thema sind und wie die „Bravo“, die dieses Jahr ihren 70. Geburtstag feiert, ihre Karriere gepusht hat, verrät Jasmin Wagner im großen EXPRESS-Talk.

Jasmin Wagner hatte „Bravo“-Poster an der Wand – und Pferdebilder

Wissen Sie noch, wie oft Sie auf dem „Bravo“-Cover waren? Hatten Sie einen Starschnitt?

Jasmin Wagner: Auf dem Cover war ich zehn Mal. Und natürlich bin ich dann mit meinen Freundinnen losgezogen und habe meine Ausgaben überall im Zeitschriftenhandel nach vorne gelegt. Der klassische Starschnitt war tatsächlich noch vor meiner Zeit, aber ich selbst habe als Schülerin noch einen gesammelt.

Welchen hatten Sie über dem Bett hängen?

Jasmin Wagner: Meine wunderschönen Pferdeposter wurden irgendwann von New Kids on the Block, Roxette und Chesney Hawkes abgelöst.

Wie hat die Zeitschrift Ihre Karriere gefördert?

Jasmin Wagner: Die „Bravo“ war unser Draht zu den Fans – und umgekehrt. Heute nehmen uns Sänger und Sängerinnen und Schauspielende über Social Media mit hinter die Bühne, sogar mit nach Hause. Früher war die „Bravo“ oft die einzige Möglichkeit, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Ohne sie wäre meine Karriere in dieser Form kaum denkbar gewesen – man musste einfach darin stattfinden.

Liebste Erinnerung an den legendären Dr. Sommer?

Jasmin Wagner: Es war unglaublich spannend, die Fragen anderer Teenager zu lesen – schließlich waren das genau die Themen, die uns alle beschäftigt haben. Es gab auch immer wieder sehr ehrliche, ungeschönte Fotos von Jugendlichen, die sich selbst fotografiert haben. Das hat einem gezeigt, dass mit einem selbst alles völlig in Ordnung ist. In den frühen 90ern sah man sonst vor allem die perfekten Körper von Supermodels wie Claudia Schiffer oder Linda Evangelista.

Jasmin Wagner alias Blümchen 1998

Copyright: IMAGO/United Archives

1998 wurde „Blümchen“ die neue Moderatorin der beliebten „Mini-Playback-Show“.

30 Jahre Musik, 30 Jahre im Scheinwerferlicht. Wie schwer ist Ihnen der Abschied von der Bühne gefallen?

Jasmin Wagner: Ich toure aktuell nicht mehr, weil ich eine kleine Tochter habe, für die ich da sein möchte. Wenn man eine so erfüllende Aufgabe im Leben hat, fällt einem diese Entscheidung gar nicht schwer.

An welche Erlebnisse erinnern Sie sich besonders gern? Und was war der Horror pur?

Jasmin Wagner: In den 90ern hatten wir alle eine große Faszination für Delfine. Für den Videodreh zu „Nur geträumt“ durfte ich auf den Bahamas mit Delfinen im offenen Meer schwimmen – mehr ging nicht für einen Teenager dieser Generation. Boxershorts, die mir statt BHs auf die Bühne geworfen wurden, oder Jungs, die ohnmächtig wurden, weil ich ihnen „Hi“ gesagt habe, waren durchaus amüsant. Weniger amüsant waren allerdings Stalker, die in meinem Garten hinter einem Busch gezeltet haben.

Was gehört für Sie zu einer klassischen 90er-Jahre-Party dazu, was Musik, Kleidung, Essen und Getränke angeht?

Jasmin Wagner: Zur 90er-Party gehören definitiv der Drink „Grüne Wiese“, buntes Kratzeis und Bum Bum-Eis – und natürlich ein wilder Mustermix aus Kuhfell, Zebra und Neon. Auch Crazy Dips, Jamba-Klingeltöne und Haare, die aussahen, als wär' die Farbfabrik explodiert.

Haben Sie noch Original-Klamotten aus den 90ern im Schrank – und passen Sie noch bauchfrei rein?

Jasmin Wagner: Damals hätte ich sicher nicht gedacht, dass ich in meinem Alter noch bauchfrei tragen würde. Aber ja – ich mache es, weil ich mich fit fühle und die Mode heute ohnehin wieder stark von den 90ern inspiriert ist.

Ihre Mutter nannte Sie Blümchen. Welchen Spitznamen haben Sie Ihrem Kind gegeben?

Jasmin Wagner: Sagen wir es so: Die Spitznamen bleiben etwas ganz Persönliches für uns – und eignen sich wahrscheinlich nicht als Künstlername (lacht).

Würden Sie sich freuen, wenn Ihr Kind in Ihre Fußstapfen tritt – oder würden Sie eher abraten?

Jasmin Wagner: Es gibt so viele spannende Berufe. Ich würde mich einfach freuen, wenn sie ihre eigene Leidenschaft und Berufung findet. Ich empfinde meine Arbeit als sehr erfüllend – wenn sie das ebenfalls in der Musik findet, würde mich das natürlich freuen.

Der Megapark an der Plaja de Palma auf der Insel Mallorca feiert sein offizielles Saison-Opening 2022 -Lucas Cordalis mit Jasmin „Blümchen“ Wagner.

Copyright: IMAGO/Chris Emil Janßen

Trafen sich 2022 zufällig an der Playa de Palma zum Saison- Opening: Jasmin Wagner und ihr Ex-Freund Lucas Cordalis.

Sie gehen musikalisch immer wieder neue Wege. Warum? Und was können wir nach der Zusammenarbeit mit Tream noch erwarten?

Jasmin Wagner: Aktuell gehe ich nur dann in die Öffentlichkeit, wenn mich ein Projekt wirklich reizt, interessiert oder erfüllt. Die Zusammenarbeit mit Tream beim Track „K2“ hat genau das vereint. Es gibt keinen festen Plan – ich vertraue darauf, dass die richtigen Dinge zu mir kommen.

Sie gehören zu den erfolgreichsten Sängerinnen der Branche. Wie haben Sie Ihr Geld angelegt – wozu raten Sie speziell Frauen?

Jasmin Wagner: Investitionen in Finanzmärkte erfordern, dass man sich intensiv damit beschäftigt. Immobilien hingegen empfinde ich als vergleichsweise greifbar und gut handhabbar. Das war für mich persönlich der passendere Weg.

Was steht mit der neu gewonnenen Freiheit ohne Bühnenstress demnächst noch auf Ihrer To-do-Liste?

Jasmin Wagner: Ich habe unglaublich viel erlebt, bin um die Welt gereist und habe viele besondere Menschen kennengelernt. Heute darf mein Leben etwas ruhiger sein – zwischen meiner kleinen Tochter und der Krankheit meiner Mutter. Mit Kindern entdeckt man jeden Tag neue Wunder, und die Situation meiner Mutter bringt viel Demut und Dankbarkeit für den Moment. Alles kommt zu seiner Zeit.

Anmerkung der Redaktion: Im August 2025 machte Jasmin Wagner eine schwere Erkrankung ihrer Mutter publik, sagte ihr letztes Konzert ab. Woran ihre Mutter genau leidet, dazu äußert sich Jasmin Wagner nicht.

Von der Cheerleaderin an die Charts-Spitze

Jasmin Wagner kam am 20. April 1980 in Hamburg auf die Welt. Mit gerade einmal 15 Jahren wurde sie bei einem Cheerleader-Team entdeckt. Als „Blümchen“ prägte sie mit Eurodance und Happy Hardcore die 90er-Jahre. Nach neun Alben und 17 Singles beendete sie 2001 zunächst ihre Musikkarriere und absolvierte eine Schauspielausbildung an der American Academy of Dramatic Arts in New York.

2019 feierte sie unter ihrem bürgerlichen Namen ein großes musikalisches Comeback – und veröffentlichte neue Popsongs, die nahtlos an ihre Erfolge anschlossen. Im Mai 2025 startete sie eine große Tour zum 30. Bühnenjubiläum und beendete danach offiziell ihre Ära als 90er-Jahre-Künstlerin. Nach der Scheidung von ihrem ersten Ehemann im Jahr 2022 heiratete sie einen dänischen Modeunternehmer, mit dem sie eine gemeinsame Tochter hat.

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