„Mercy“, „Die drei ??? - Toteninsel“ und „Hamnet“, eine Romanverfilmung rund um die Entstehung von William Shakespeares „größtem Meisterwerk“: Das sind die Kino-Neustarts am 22. Januar.
Ist das die Geschichte hinter Shakespeares „Hamlet“? Das sind die Kino-Highlights der Woche

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„Hamnet“ spekuliert über die Entstehung von William Shakespeares Meisterwerk „Hamlet“ und erzählt dabei auch aus dem Leben des großen Dichters (verkörpert von Paul Mescal). (Bild: 2025 Focus Features/Universal)
Eine Shakespeare-Verfilmung mit dem Titel „Hamnet“? Laien könnten zunächst vielleicht einen Tippfehler vermuten. Doch: „Hamnet“, nicht „Hamlet“. Wenn die Kunst Shakespeares den Weg auf die Leinwand findet, so sind es meist - was ja auch naheliegt - Adaptionen seiner bedeutendsten Werke. „Romeo und Julia“, „Macbeth“ oder eben auch, häufiger als alles andere, das große tragische Schauspiel „Hamlet“. In „Hamnet“ dagegen steht eher Biografisches im Vordergrund, oder, wie der Trailer es verspricht: „die außergewöhnliche Liebesgeschichte, die Shakespeares größtes Meisterwerk inspirierte“.

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Inspirierte der junge Hamnet Shakespeare (Jacobi Jupe, mit Paul Mescal) seinen Vater zu einem der größten Werke der Literaturgeschichte? (Bild: 2025 Focus Features/Universal)
Was das Publikum in dieser Woche außerdem erwartet: „Mercy“ mit Chris Pratt erzählt von einer düsteren Zukunft, in der eine KI das Justizsystem übernommen hat, und in „Die drei ??? - Toteninsel“ stürzen die Jungdetektive Justus, Peter und Bob sich in ihr drittes neues Kino-Abenteuer.
Hamnet

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Die „Drei ???“ Justus Jonas (Julius Weckauf, links), Peter Shaw (Nevio Wendt, Mitte) und Bob Andrews (Levi Brandl) stürzen sich in ein neues Kino-Abenteuer, das sie auf eine mysteriöse „Toteninsel“ führt. (Bild: Tomás Correa/Wiedemann und Berg Film GmbH/Deutsche Columbia Pictures Filmproduktion GmbH)
Was die Laien nicht wissen, erschließt sich Literatur-Experten und darunter insbesondere den Shakespeare-Kennern natürlich sofort: Der Filmtitel „Hamnet“ bezieht sich auf Hamnet Shakespeare (1585 bis 1596), neben den zwei Töchtern Susanna und Judith der einzige Sohn des legendären Dichters. Über besagten Hamnet Shakespeare ist nicht viel mehr verlässlich dokumentiert, als dass er geboren wurde und früh gestorben ist. Die Autorin Maggie O'Farrell baute auf den wenigen belegten Fakten trotzdem den sehr erfolgreichen und vielfach ausgezeichneten fiktionalisierten Roman „Judith und Hamnet“ auf, den Oscargewinnerin Chloé Zhao (“Nomadland“, Regie und Drehbuch) nun in die Kinoform übersetzt hat. Produziert wurde die Verfilmung unter anderem von Steven Spielberg.
Die Geschichte beginnt in Stratford-upon-Avon, der heute weltberühmten britischen Kleinstadt, aus der William Shakespeare stammt. Shakespeare (Paul Mescal) arbeitet dort in den 1580er-Jahren, vor seinem Durchbruch in der Londoner Theaterszene, als Lateinlehrer und lebt in einer Beziehung mit Agnes (Jessie Buckley). Irgendwann kommt Tochter Susanna zur Welt, dann folgen die Zwillinge Judith und Hamnet. Eine kleine Familie wächst heran. Doch gleichzeitig zieht es William weg, es rufen London und die große Kunst.
Chloé Zhao, die das Drehbuch zu „Hamnet“ gemeinsam mit Maggie O'Farrell schrieb, liefert mit ihrem ersten Film nach dem Marvel-Projekt „Eternals“ (2021) eine historische Tragödie, die bewusst dramatisiert und zwischen Pest, familiären Tragödien und der Entstehung von Shakespeares „größtem Meisterwerk“ auch viel spekuliert. Es ist, wie so oft, wenn Shakespeare im Kino landet, eher nichts für die Gelehrten. Aber doch große Filmkunst, da sind sich die meisten Kritikerinnen und Kritiker einig. Zuletzt wurde „Hamnet“ unter anderem schon mit einem Golden Globe in der Kategorie „Bester Film - Drama“ ausgezeichnet (bei insgesamt sechs Nominierungen).
Mercy

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Chris Raven (Chris Pratt) hat nur 90 Minuten Zeit, um seine Unschuld zu beweisen. (Bild: Justin Lubin/2025 Amazon Content Services LLC/Sony)
Die Ehefrau von Detective Chris Raven (Chris Pratt) ist tot. Ermordet! Aber zum Trauern hat der Polizist keine Zeit. Keine Stunde, keine Minute, keine einzige Sekunde hat er zu verschenken in dem Science-Fiction-Thriller „Mercy“. Und auf das Mitgefühl seines Gegenübers kann Raven auch nicht hoffen. Es ist ein Kampf gegen das unbarmherzige Tick-Tack der Uhr ... und gegen eine gnadenlose Künstliche Intelligenz, die völlig emotionslos über Leben und Tod entscheidet. Diese KI ist scheinbar blind wie die alte Justitia. Aber auch gerecht?
Chris Raven muss sich kurz schütteln, findet sich dann festgeschnallt in einem großen kalten Raum vor einem Bildschirm. Ein KI-Avatar, verkörpert von Rebecca Ferguson, erklärt ihm nüchtern die Situation: „Sie sind in der großen Strafkammer von Mercy, einem durch KI betriebenen juristischen System.“ Chris Raven wird des Mordes an seiner Frau beschuldigt. Aktuelles Schuldlevel 97,5 Prozent. Wenn der Wert nicht unter 92 Prozent sinkt, wird Raven automatisch exekutiert. Der Angeklagte darf frei auf die „kommunale Cloud“ der Stadt zugreifen. Allerdings hat er nur exakt 90 Minuten Zeit, um seine Unschuld zu beweisen und herauszufinden, wer (oder was) wirklich hinter dem Mord an seiner Frau steckt.

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In der echten Welt stellt die KI schon oft echte Menschen dar, hier ist es noch umgekehrt: Rebecca Ferguson verkörpert in „Mercy“ ein KI-Justizsystem. (Bild: Justin Lubin/2025 Amazon Content Services LLC/Sony)
Eine KI als Ankläger, Richter und dann vielleicht auch gleich als Henker: Zuletzt gab es rund um das Thema Künstliche Intelligenz bereits mehrere sehr düstere Kino-Visionen, und „Mercy“ gehört zweifellos auch in diese Reihe. Das Drehbuch zu der Near-Future-Dystopie stammt von Marco van Belle, Regie führte der kasachisch-russische Filmemacher Timur Bekmambetow. Letzterer machte sich in der Vergangenheit unter anderem mit „Abraham Lincoln Vampirjäger“ (2012) einen Namen und ist auch schon seit vielen Jahren mit Chris Pratt bekannt: Pratt übernahm seinerzeit eine Nebenrolle in Bekmambetows Hollywood-Debüt „Wanted“ (2008).
Die drei ??? - Toteninsel
Das Telefon klingelt, wird abgehoben, am anderen Ende der Leitung ertönt sodann eine röchelnde verzerrte Stimme: „Ihr habt noch drei Tage, um das Geheimnis der Sphinx zu lüften ...“ - Die allermeisten Menschen müssten sich über so einen Anruf wohl sehr wundern. Es sei denn, man ist Mitglied bei den „Drei ???“. Die haben in den letzten Jahren ja speziell auf der Kinoleinwand wieder viel erlebt und dabei auch viel Unglaublicheres als so einen seltsamen Telefonanruf. Nach zwei Abenteuern rund um das „Erbe des Drachen“ (2023) und den „Karpatenhund“ (2025) startet jetzt der dritte und voraussichtlich letzte Teil der neuen Reihe.
Was hat es auf sich mit diesem „Geheimnis der Sphinx“? Justus Jonas (Julius Weckauf), Peter Shaw (Nevio Wendt) und Bob Andrews (Levi Brandl) wollen das natürlich unbedingt herausfinden und starten umgehend mit den Ermittlungen. Sie haben ja keine Ahnung, worauf sie sich da einlassen! Aber das macht es für die drei Jungdetektive und ihr Publikum natürlich umso spannender. Mit einem verbrecherischen Geheimbund bekommen sie es zu tun, mit einem zwielichtigen Archäologen, mit einem uralten Fluch und ... mit einem Mädchen!
„Die drei ??? - Toteninsel“ basiert wie schon der erste Teil der neuen Reihe (“Erbe des Drachen“) auf einem Roman von André Marx aus den frühen 2000er-Jahren, erzählt also eine vergleichsweise moderne „Drei ???“-Geschichte (die „Karpatenhund“-Vorlage stammte aus dem Jahr 1975). Nach den ersten beiden Filmen wissen die Fans aber auch, dass der Ansatz dieser neuen Filme eher analog und angenehm klassisch ist. Das Telefon etwa, das Justus zu Beginn abhebt: kein Smartphone, sondern ein richtiger stationärer Telefonapparat mit Kabel und Wähltasten. Details, die vielen Spürnasen vor der Leinwand sehr wichtig sind.
Regie führte abermals Tim Dünschede nach einem Drehbuch von Anil Kizilbuga, in Nebenrollen sind unter anderem auch Florian Lukas und Jördis Triebel wieder dabei. Viel spricht dafür, dass „Toteninsel“ wie schon die beiden Vorgänger ein großes Publikum in die Kinos locken wird. Dass weitere Filme mit dieser Besetzung folgen, ist trotzdem unwahrscheinlich. Damit die Hauptdarsteller noch einigermaßen ins „Jugendkrimi“-Bild passen, wurden „Karpatenhund“ und „Toteninsel“ bereits gemeinsam „back-to-back“ gedreht. Inzwischen ist Nevio Brandt, der Älteste des Trios, bereits 19 Jahre alt. (tsch)

