Ingo Naujoks „Ich hätte auf der Parkbank enden können!“

Sven Martinek (l.) und Ingo Naujoks stehen vor einem Hafen.

Ingo Naujoks, hier ein Foto mit seinem „Morden im Norden“-Partner Sven Martinek (l.). Naujoks hat es beruflich für die ARD-Serie in den hohen Norden gezogen. Er lebt aber in Berlin, im Herzen und in seiner Art ist er aber weiter dem Ruhrpott treu. 

Unser Reporter sprach mit dem Schauspieler über Krimirollen, Drehbuch-Unzufriedenheiten, seine zum Teil skurrilen Jobwünsche als Jugendlicher und seine Punk-Vergangenheit ohne jeden Plan fürs Leben.

Immer etwas schräg, immer etwas anders, immer Ruhrpott: Ingo Naujoks (59) hat damit Erfolg. Gerade feiert er sein Zehnjähriges als Ermittler Lars Englen in der Serie „Morden im Norden“ (montags, 18.50 Uhr, ARD).

Damit ist der Schauspieler mit bunter NRW-Vergangenheit arbeitstechnisch in Lübeck daheim. Bei EXPRESS erzählt er, wie es dazu kam, warum er beim „Tatort“ ausstieg – und wie er heute über seine Punk-Vergangenheit denkt.

Ingo Naujoks im EXPRESS-Interview

Vor fast genau zehn Jahren gingen Sie mit „Morden im Norden“ an den Start. Wie ist es, wenn wir Ihren Kommissar Lars Englen von damals mit dem von heute vergleichen?

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Ingo Naujoks: Da sehen wir, dass bei Lars vieles anders geworden ist. Ich fing als Büro- und Polizeichef an, war Anzugträger und Sesselpupser, der Polizeiwachen-Stromberg, der seinen Kollegen das Leben schwer machte. Ermittelt wurde von anderen. Ich habe mehr reagiert, als agiert!

Wann wurde es besser für Sie?

Ingo Naujoks: Als den Drehbuchautoren einfiel, die Polizisten Finn Kieswetter und Lars Englen zu einem Team zusammenzupacken und beide als ermittelnde Cops auf die Straße zu schicken. Da nahm die Serie auch für mich Fahrt auf. Es gab und gibt tolle Storys, wir als Team kamen an, was sich an den ständig steigenden Einschaltquoten bis heute zeigt.

Können Sie sich vorstellen, noch zehn Jahre zu bleiben?

Ingo Naujoks: Das hängt von vielen Faktoren ab. Es ist immer wichtig, ob uns die Zuschauer noch mögen, oder ob einer oder mehrere von uns andere berufliche Entscheidungen getroffen haben. Aber ich kann mir heute nicht vorstellen, dass mir „Morden im Norden“ in den nächsten Jahren auf die Eier geht.

Dass Sie unruhig werden, wenn Ihnen eine Rolle nicht passt, haben Sie schon im „Tatort“ gezeigt. Da waren Sie acht Jahre an der Seite von Maria Furtwängler, spielten ihren WG-Partner, einen Krimi-Autoren, der ihr Tipps gab – und sind dann freiwillig ausgestiegen. Warum eigentlich?

Ingo Naujoks: Der Martin, den ich spielte, funktionierte als Rolle und bei den Zuschauern. Dank der Wiederholungen werde ich auch heute noch drauf angesprochen. Hätte gut so weitergehen können. Dann bekam die Kommissarin ein Kind, Martin hatte fast nur noch Brei zu verfüttern, Windeln zu wechseln. War mir zu wenig.

Die Ermittler Finn Kiesewetter (Sven Martinek, l) und Lars Englen (Ingo Naujoks) beugen sich über eine Leiche.

Naujoks in den neuen Folgen von „Morden im Norden“.

Ein weiterer Kult-Erfolg ist Ihre Werbung für eine Bausparkasse. Sie spielten einen älteren Punker, dessen Tochter eines Tages sagt: „Du Papa, wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden!...“

Ingo Naujoks: Ja, war ein Hammer – auf den Punkt geschrieben, und auch auf den Punkt besetzt. Ist bei vielen bis heute unvergessen.

Hatten Sie selbst auch eine Punker-Vergangenheit?

Ingo Naujoks: Ja, aber ohne Ratte.

Wie kam’s?

Ingo Naujoks: Nach dem Abi hatte ich keine Vision vom Leben. Ich dachte nur: „Wird schon irgendwie werden. Und wenn nicht, muss ich halt früher ins Gras beißen als andere.“

Aber irgendwie ging es immer weiter...

Ingo Naujoks: Ja. Ich habe Punk-Musik gemacht, bin als Schauspieler nicht ausgebildet, habe einige Abenteuer hinter mir. Hätte schiefgehen und auf der Parkbank enden können. Unglaublich, welche Einstellung ich damals hatte. Nur gut, dass meine Kinder nicht mal ansatzweise so denken!

Sie wollten sogar mal Tierpräparator werden...

Ingo Naujoks: Als ich meine Mittlere Reife hatte, habe ich beruflich immer das werden wollen, was meine Kumpels wollten. Selbst als einer zur Polizei ging, war ich an seiner Seite. Bin zum Glück durch die Polizei-Aufnahmeprüfung gefallen. Dann wollte einer Tierpräparator werden. Als ich dann die ersten Schubladen mit toten Tier-Augen öffnete, habe ich den Wunsch schnell begraben.

Wie haben Ihre Eltern auf Ihre wilde Vergangenheit reagiert?

Ingo Naujoks: Meine Mutter war Hausfrau, mein Vater Stahlkocher – die waren bodenständig, haben mich machen lassen. Ich erinnere mich oft an die Worte meines Vaters: „Wenn du mit 30 immer noch bei mir vorbeikommst, um dir 20 Mark zu pumpen, ist was schiefgelaufen!“ Leider ist er so früh gestorben, dass er nicht mitbekommen hat, dass meine Karriere funktioniert hat. Hätte ihn sicher sehr gefreut.

Viele Schauspieler aus dem Ruhrpott sind viel direkter, man erkennt sie oft. Woran kann das liegen?

Ingo Naujoks: Wir Leute aus dem Pott haben scheinbar eine andere Handschrift. Was genau das ist, weiß ich aber nicht, vielleicht hat es was mit Un-Eitelkeit zu tun. Bei der Generation, aus der ich komme, waren die Eltern noch Malocher, sie rackerten auf’m Pütt oder als Stahlkocher. Da galten Wort und Handschlag noch was. Haben wir wohl mit den Genen weitergereicht bekommen.

Sie werden bald 60. Schiss?

Ingo Naujoks: Beruflich sehe ich da keine Probleme. Ansonsten habe ich Respekt vor der Zahl. Als ich Kind war, war man im Ruhrgebiet mit 60 „Oppa“, da waren die Männer von Stahl und Kohle gezeichnet. Ich glaube schon, dass sich die 60-Jährigen damals anders als ich mich jetzt gefühlt haben. Ich habe gerade ein T-Shirt an, da steht „Kapitän“ drauf, laufe den ganzen Tag mit Turnschuhen rum – fühlt sich nicht an, wie ein 60-Jähriger von damals, so wie ich ihn heute im Kopf habe.

Ist Ihnen bewusst, dass über die Hälfte des Lebens rum ist?

Ingo Naujoks: Klar. Ich bin Fisch, damit ein sensibler Mensch. Für mich war das Glas immer eher halbleer als halbvoll. Ich denke über Krankheit und Tod nach, Themen, die mir als Schauspieler, Gedichte- und Songschreiber nie fremd waren. Manchmal habe ich da schon ein Klößchen im Hälschen.

Sven Martinek (r.) umarmt Ingo Naujoks (l.) von hinten.

Tolles Team: Mit Sven Martinek bildet der Ruhrpottler Ingo Naujoks seit 2012 ein starkes Ermittler-Duo in Lübeck.

Sind Sie am Ziel Ihrer Träume angekommen?

Ingo Naujoks: Nee. Ich bin immer der Getriebene. Ich habe auch heute noch Angst vorm Leben, weil ich nicht weiß, was morgen ist, und was ich beeinflussen kann. Ich bin immer noch nicht Kapitän auf meinem Boot. Ich bin einverstanden mit dem, was ist, aber richtig zufrieden? Nee! Man soll sich nie am Ziel seiner Träume befinden, man sollte Träumer bleiben. Stillstand ist da eine Katastrophe.

Ingo Naujoks: Vom „Fishbüro“ zur „Roten Erde“ in den hohen Norden

Ingo Naujoks (geboren am 1. März 1962 in Bochum) leistete Zivildienst beim Deutschen Roten Kreuz. Er begann seine Schauspielerlaufbahn bei der freien Theatergruppe „Theater Kohlenpott“, dann kreierte er sein eigenes Projekt „Theatersyndikat Pavians Paten“. 1989 bekam er eine Rolle in der TV-Serie „Rote Erde“ (2. Staffel) und ein festes Engagement am Schlosstheater Moers. Er war Sänger der Punkband Fishbüro.

1991 dann der Filmerfolg „Karniggels“ (von Detlev Buck). Von 1999 bis 2001 sah man ihn in der TV-Comedy „Anke“ (als Anke Engelkes Ex-Freund Tom). Von 2002 bis 2010 im „Tatort“ als Partner von Maria Furtwängler dabei. 2004 folgte dann der beliebte „Spießer“-Werbespot der LBS. Seit 2012 ist er Ermittler in der ARD-Vorabendserie „Morden im Norden“. Er hat eine Tochter und einen Sohn und lebt in Berlin.

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