Zu viel Zucker macht krank. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber durch Eckhart von Hirschhausens neue TV-Doku einmal mehr eindrucksvoll auf den Punkt gebracht. Auch vermeintlich gesündere Zuckeralternativen bergen erhebliche Gesundheitsrisiken.
Hirschhausen-Doku zeigt Schock-Bilder von Schäden durch Zuckerkonsum„Das ist Gift!“

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Eckart von Hirschhausen lässt sich von dem Diabetologen Dr. Jan Theil (rechts) erklären, wie stark Zucker sämtliche Organe und Blutgefäße im Körper schädigt. (Bild: WDR / Thomas Kierok)
Amputation, offene Wunden an den Füßen - und das soll mit zu viel Zuckerkonsum zusammenhängen? Die Bilder, die Eckart von Hirschhausen in seiner neuen ARD-Doku „Hirschhausen und der Zucker“ zeigt, sind alles andere als leicht verdaulich. Patient Frank Riesbeck leidet am diabetischen Fußsyndrom, also an verschlossenen Gefäßen und zerstörten Nerven im Fuß. Ursache dafür: ein zu hoher Zuckerkonsum - und das über Jahrzehnte. Seine behandelnde Ärztin Andrea Bärwald schnauft, es sei „maßlos frustrierend“, bei vielen Patienten nur noch „bestmöglich begleiten zu können“.
Dabei sei „ganz viel von diesem Leid verhinderbar“, schließt sich Eckart von Hirschhausen an. Die Liste an negativen Auswirkungen von zu viel Zucker auf den Körper ist lang. Der Diabetologe Jan Theil berichtet in dem TV-Format: „Alle Strukturen im Körper verzuckern und machen Probleme, die wir nur sehr schwer behandeln können.“ Schon bei Kindern können schlechte Angewohnheiten früh die Grundlage für langfristige Schäden legen.
Softdrinks sind „einer der Haupttreiber für Übergewicht“

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Anastasia Zampounidis war während ihrer Zeit als MTV-Moderatorin zuckersüchtig, aber lebt inzwischen seid 20 Jahren zuckerfrei. Sie fühlt sich fitter denn je. (Bild: WDR / Bilderfest)
Dabei spielt auch ein Irrglauben eine zentrale Rolle: die vermeintlich gesünderen Light- und Zero-Alternativen bei Softdrinks. Dabei sind die Erfrischungsgetränke „einer der Haupttreiber für Übergewicht“, wie von Hirschhausen warnt. Und der 58-Jährige wird noch deutlicher: „Die Statistik ist eindeutig: Das ist Gift.“
Ein Experiment an der Universität Tübingen zeigt: Süßstoffe machen hungrig - und führen damit indirekt zu Übergewicht und einem möglichen Konsum von zuckerhaltigen Lebensmitteln. „Ich würde am liebsten einen Beipackzettel schreiben“, meint Eckart von Hirschhausen deswegen. „Süßstoff verändert ihr Gehirn und trickst Ihre Wahrnehmung aus.“

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Laut Ernährungsmediziner Andreas Michalsen sei es manchmal hilfreich, „den Körper auf Werkseinstellungen zurückzusetzen“ - etwa mittels Fasten. (Bild: WDR / Bilderfest)
Ernährungsexperte Anderas Michalsen rät deswegen: „Man muss den Körper gelegentlich wieder zur Werkseinstellung zurückbringen.“ Das gehe zum Beispiel mit Fasten, weil schon innerhalb weniger Wochen die Geschmacksrezeptoren deutlich gesunden würden. „Das Verrückte ist, dann braucht es ein neues Bewusstsein dafür, dass wir uns mit vielen Dingen, die wir als Belohnung verstehen, nicht belohnen, sondern bestrafen“, bilanziert von Hirschhausen.
AOK-Vetreter bedauert politisches Unvermögen
Diese Erkenntnis ereilte auch Anastasia Zampounidis. „Ich habe mich vor einer Live-Sendung immer mit Schokolade und Zucker gepusht“, erinnert sich die einstige MTV-Moderatorin. Doch schon kurz nach der Sendung habe sie sich „leer“ und „müde“ gefühlt. „Mit Mitte, Ende 30 konnte das mein Körper nicht mehr wegstecken“, erläutert sie ihren Entschluss, zuckerfrei zu leben. Das sei ein „befreiendes Gefühl“.
Die Gefahren, die von Zucker ausgehen, sind längst auch in der Politik angekommen. Mehr als 50 Länder führten eine Zuckersteuer ein, anderswo setzt man auf eine Mehrwertsteuersenkung für Obst und Gemüse. In Deutschland seien derartige Vorstöße laut Oliver Huizinga vom AOK Bundesverband Berlin allerdings bisher „versackt“: „Es fehlt daran, die gesellschaftlichen Mehrheiten in parteipolitische Mehrheiten zu überführen.“ Eine Rolle spiele auch die Lobby des „Zuckererzeugerlands“ Deutschland.
„Hirschhausen und der Zucker“ ist am Montag, 23. Februar, 20.15 Uhr, im Ersten zu sehen und schon jetzt in der ARD-Mediathek. (tsch)

