„heute-show“ Deutliche Botschaft: „Putin, steck dir deine Rohstoffe sonst wohin!“

Oliver Welke und die "heute-show" (ZDF) halten wenig von Wladimir Putins unverhohlener Drohung, auch Atomwaffen einsetzen zu können.

Oliver Welke und die "heute-show" (ZDF) halten wenig von Wladimir Putins unverhohlener Drohung, auch Atomwaffen einsetzen zu können.

Das Spiel „Putin gegen den Rest der Welt“ geht - auf dem Rücken der Ukraine - weiter, konstatierte die „heute-show“, machte aber klar, warum sich „Jungdiktatoren“ trotzdem kein Vorbild am russischen Despoten nehmen sollten.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Auch wenn seit über einem Monat Krieg herrscht und zur Not mit symbolischem Messer zwischen den zynisch bleckenden Zähnen. Moderator Oliver Welke und das „heute-show“-Team fanden nach dem Motto „Augen auf und durch“ zurück zu altem Biss.

Ist ja auch wahr: Der Krieg ist scheiße, das Leid ist bitter, die Tatenlosigkeit noch bitterer, aber all das - inklusive der latenten Angst, dass da noch mehr kommen könnte - lässt sich nicht leugnen und ist allgegenwärtig. Also können wir auch derbe Späße reißen. Gut so.

„heute-show“: Russland bewirbt sich um die Austragung der Fußball-EM

Vor einem Bild Putins mit dem Text „Nuklearschloch“ handelte Welke ab, dass Putin ziemlich unverhohlen den potenziellen Einsatz von Atomwaffen in den Raum stellte. In diesem Zusammenhang klang es wie ein Hohn, dass sich Russland um die Austragung der Fußball-EM 2028 oder 2032 bewirbt. „Kein Witz“, meinte Welke, „ich wünschte es wäre einer.“ Er wollte es trotzdem nicht wahrhaben. „Eine EM in Russland? Verrückt. Warum nicht gleich eine WM in Katar. Nee, warte ...“

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„heute-show“: „Putin, steck dir deine Rohstoffe sonst wohin!“

Zur Forderung Putins, (unter anderem) Deutschland solle seine täglichen (!) Zahlungen für Öl und Gas in Höhe von 200 Millionen Euro künftig in Rubel leisten, meinte Welke: „Wir sollten sagen: Steck dir deine Rohstoffe sonst wohin!“ Deutschland solle beim Embargo voranschreiten. „Schließlich haben wir ihn mit Nordstream 2 auch geradezu dazu ermuntert, immer aggressiver zu werden.“

Da hält sich die Regierung aber immer noch zurück. Wie auch, so Welke, in der Flüchtlingsfrage. „Das freiwillige Engagement der Bürger klappt“, meinte er und berichtete, dass rund zwei Drittel der 230.000 in Deutschland angekommenen ukrainischen Flüchtlinge bei Privatleuten untergebracht werden konnten, aber: „Der Bund macht sich nen schlanken Fuß.“ Nach über einem Monat Krieg gebe es noch immer keinen nationalen Krisenstab.

Kein Wunder, dass mit Verteilung und Transport der Hilfesuchenden einiges schiefgehe. Welke: „Es ist das alte Spiel. Der Bund sieht die Länder in der Pflicht, die Länder ihre klammen Kommunen.“ Wer nun was zahlen solle, das solle nun eine Arbeitsgruppe klären. Welke zynisch: „Klar, es kommen 10.000 Flüchtlinge täglich alleine nach Berlin und wir gründen einen Stuhlkreis.“ Und das angesichts der größten Flüchtlingswelle seit dem Zweiten Weltkrieg.

Da schwankt Deutschland (wieder mal) am Rand des Armutszeugnisses. Auch dass immer noch deutsche Firmen in und mit Russland Geld verdienten, stieß den Satirikern auf und sie setzten es gallig um. Valerie Niehaus und Holger Stockhaus berichteten live von der „Friedensgala“ aus der „Gliss Hair Repair-Arena“ aus Düsseldorf. Hier wollte man deutsche Firmen, die trotz Krieg „den Gesprächs- und Geschäftsfäden nicht abreißen lassen, einfach mal feiern“. Das Motto der „Geschäftemacher für den Frieden“ wurde zur Melodie des John-Lennon-Friedensklassikers gesungen: „Scheiß auf's Embergo, give business a chance. Wir brauchen die Kohle, give business a chance.“

Dass „Wladimir, der Schreckliche“ trotz aller Brutalität nicht zum Vorbild taugt, legte Friedrich Küppersbusch in „Irgendwas mit Medien“ dar und warnte „junge Diktatoren, die sich gerade auf den Weg zur Weltherrschaft und ewiger Tyrannei“ machten. Wenn die sich fragten, „wie kann ich so ein Mega-Monster werden und trotzdem sympathischer Influencer bleiben“, sollten sie eher von der „despotischen Lüsterklemme“ aus Russland abrücken. Putins Selbstinszenierung sei „so vogue wie ein Selfie mit einem Pfund Hackfleisch“ und sein „Unisex-Style sieht aus wie eine geplatzte Blutwurst.“

In die Kriegs- und Coronawirren fällt das 100-tägige Jubiläum der Ampel-Regierung. Die habe, höhnte Welke, jetzt sogar schon mal eine Nacht durchmachen müssen, um ein „Entlastungspaket“ zu gebären und auch noch den Haushalt 2022 einzutüten. Obwohl letzterer „schon jetzt komplett für die Tonne“ sei, denn: „Um die Schuldenbremse 2022 einzuhalten, müsste man zaubern können.“

„heute-show“: Zieht die FDP ihre Koalitionspartner über den Tisch?

Das könne selbst Finanzminister Christian Lindner nicht, obwohl er im Erfinden neuer Wörter für Schulden ziemlich kreativ sei. Und damit genau das tue, was er im Wahlkampf noch dem damals „möglichen Finanzminister Habeck“ vorwarf. Auch habe die FDP dafür gesorgt, dass keine Rede mehr sei von Bürgergeld oder Kindergrundsicherung - Dinge, die noch im November im Koalitionsvertrag verankert wurden.

Über die Tatsache, dass ausgerechnet die kleinste Koalitionspartei ständig ihren Willen durchsetze und die beiden größeren Partner „über den Tisch ziehe“, solle es bald sogar eine Netflix-Serie mit dem Titel „Der Lindner Schwindler“ geben. Leitfrage: „Wird sich die kleine, naive Ampel je aus dem Würgegriff der FDP befreien?“

Da scheint auch Matthias Matschke als bekennender und derzeit schwer schluckender Grüner seine Zweifel zu haben. Er sah mit betrübten Augen, wie „der eigene Wirtschaftsminister wie ein Bittsteller bei den Scheichs hausieren geht wie eine Ein-Mann-Drückerkolonne“. Was man tun könne? „Als Grüner wünscht man sich, dass der Bund erstmal Bayern zwingt, endlich verfickte Windräder zu bauen.“

Erste Landtagswahl als CDU-Chef: Merz zittert im März

Derweil kehrt in Deutschland am Wochenende so was wie „Normalität“ ein - es steht eine Landtagswahl (im Saarland) an. Dort zittern nicht nur die Lokalpolitiker, sondern auch Friedrich Merz. Es ist die erste Wahl, die in seine Regentschaft als CDU-Chef fällt. Es werden 2022 noch weitere folgen. Welke: „In diesem Jahr kann die CDU vier Landtagswahlen - Saarland, Schleswig-Holstein, NRW und Niedersachsen - verkacken.“

Da zittert der Merz schon im März, auch weil er und seine Partei ihre Oppositionsrolle noch nicht gefunden haben. Welke: „In Kriegszeiten gegen die Regierung zu schießen, das mag der Wähler nicht. Zumal es die CDU unter Merkel war, die uns die Abhängigkeit von Russland einbrachte.“ (tsch)

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