„Heldt“ Kai Schumann „Das Rheinland bietet mit das schönste Lebensgefühl“

Neuer Inhalt (3)

Super sympathischer Typ: Kai Schumann wird von den Fans heiß und innig geliebt. Vom Aus seiner aktuellen Serie erfuhr nach den Dreharbeiten. Er schaut trotzdem optimistisch in die Zukunft.

Köln – Einer, nach dem sich Frauen (aber nicht nur die) gern umdrehen. Das Interview auf der Bank vor seinem Lieblingsort in der Kölner Südstadt, der „Kaltpresse“, wird immer wieder von Fans unterbrochen: Kein Zweifel, Kai Schumann (44) ist ein TV-Liebling. Das liegt sicher an „Doctor’s Diary“ – und an „Heldt“ (mittwochs, 19.25 Uhr, ZDF). Diese Serie ist gerade wieder gestartet – wird aber nach Ende der Staffel überraschenderweise nicht fortgesetzt... Grund genug für ein langes Interview.

Neuer Inhalt (2)

Kai Schumann und EXPRESS-Reporter Horst Stellmacher. 

„Heldt“ verabschiedet sich vom Bildschirm. Wussten Sie beim Dreh, dass es vorbei sein wird?
Kai Schumann:
Nein, wir wussten, dass das ZDF sein Programm neu gestalten will, aber es war uns nicht klar, was mit „Heldt“ passiert. Die Mitteilung vom endgültigen Aus erhielten wir drei Tage nach unserem Staffel-Abschiedsfest. Das fühlte sich ein bisschen an, als wenn deine Freundin mit dir per SMS Schluss macht.

Fällt der Abschied schwer?
Ich freue mich nicht darüber, aber ich leide auch nicht richtig. Es ist auch eine Art Befreiung. „Heldt“ hat mich sehr lange fest im Griff gehabt, ich hatte schon das Gefühl, dass es bald Zeit sei, ihn gehen zu lassen, sich auf Neues zu konzentrieren. Deshalb genieße ich den neuen Freiraum.

Wie nutzen sie den?
Ich habe im Juni eine Episode „Betty’s Diagnose“ gedreht, dann eine schöne Episodenrolle bei „Sankt Maik“. Hat mich sehr gefreut, weil Daniel Donskoy, der die Hauptrolle spielt, seine allererste deutsche Rolle bei „Heldt“ hatte, danach kometenhaft aufstieg. Und ich freue mich, dass ich bei „Tonis Welt“ dabei bin, ein Spin-Off vom „Club der roten Bänder“.

Neuer Inhalt (1)

Seit 2013 spielt Kai Schumann spielt den eigenwilligen Kommissar „Heldt“ im ZDF, hier in einer Szene mit Walther Rotbucher (gespielt von Andre Eisermann).

Wir haben sie oft in Romantic-Comedys gesehen, also Filmen, in denen es leicht und locker um Liebe geht. Angst, dass Sie so festgelegt werden?
Das sehe ich nicht so dramatisch. Ich liebe die Komödie und habe gelernt, dass es wichtig ist, sein Rollenfach zu akzeptieren. Ich habe als „jugendlicher Liebhaber“ angefangen. Jetzt müssen wir „jugendlicher“ wegnehmen, das glaubt mir ja sowieso keiner mehr. Aber „Liebhaber“ ist geblieben. Das ist okay.

Sie kommen vom Theater – jetzt hätten Sie Zeit…
Die nutze ich auch. Am 31. Oktober spiele ich mit dem Straßenkünstler This Maag im Kölner Comedia-Theater unser Programm „Ohne dich wäre ich nur halb“. Ein komödiantischer Live-Podcast, bei dem es um unsere Freundschaft geht. Ich habe schon Muffensausen, mein letzter Bühnen-Auftritt liegt ja einige Zeit zurück.

Wie haben Sie die erste Corona-Welle überstanden?
Ich hatte ja vorher genug Drehtage, bin relativ gut über die arbeitsfreie Zeit gekommen. Ich habe viel Zeit mit der Familie verbracht, oft mit meinen Kindern Hausaufgaben gemacht.

Haben Sie da was gelernt?
Jetzt weiß ich, wie Gleichungen gelöst werden. An dem Punkt bin ich als Schüler ausgestiegen. Wichtiger ist: Ich habe Meditieren gelernt, hat mein Leben verändert.

Was bedeutet das?
Ich habe das Gefühl, ich werde bewusster, achtsamer im Privatleben wie im Beruf. Ich versuche mein Umfeld zu verstehen, das Leben so anzunehmen, wie es kommt. Ich habe aufgehört, mir zu überlegen, was andere wohl von mir halten. Und ich versuche keine Angst zu haben, denn Angst ist kein guter Ratgeber fürs Leben.

Sie sind in Sachsen aufgewachsen, leben jetzt im Rheinland. Zufrieden mit der Ortswahl?
Und wie! Ich bin glücklich, dass ich hier gelandet bin. Ich habe hier das schönste Lebensgefühl, das ich je hatte. Die rheinische Frohnatur bekommt mir gut, ich genieße es, dass die Menschen hier fröhlich, freundlich, offenherzig sind. Ich kann mir nicht vorstellen, noch mal in Berlin oder Hamburg zu leben.

Neuer Inhalt

Mit seiner Freundin Marva Schreiber und seiner Patchwork-Familie lebt Kai Schumann gern in Köln. Hier sieht man die beiden bei der Premiere des Films "Spielmacher" in die Lichtburg im April 2018 in Essen.

Gibt es Ähnlichkeiten mit den Rheinländern?
Ja klar. Die Leute reden hier viel, ich auch, ich höre mich sehr gern reden. Schauspielerkrankheit (lacht). Im Park, im Café, in der Kneipe – kaum sitze ich, setzt sich jemand zu mir. Gefällt mir. Und natürlich das gemeinsame Singen an Karneval z. B. im Kölner Haus Scholzen, das diesmal ja leider ausfällt. Ganz leise summt und singt der Saal – und ich stehe da, höre zu, und mir laufen die Tränen über die Wangen.

Sie haben gerade einen „Erzgebirgskrimi“ abgedreht, in dem Sie im Dialekt ihrer Heimat sprechen konnten…
Ja! Zum ersten Mal so richtig! Bin gespannt, ob mich einer versteht. Ich liebe Dialekte. Schade, dass die meisten im TV verschwunden sind.

Bei der deutschen Wiedervereinigung waren Sie 14. Denken Sie gesamtdeutsch?
Ich bin dankbar, dass es kein geteiltes Deutschland mehr gibt, lebe schon viele Jahre in den alten Bundesländern. Und doch fühl’ ich mich ganz klar als „Ossi“. Das führt zwischen meiner Freundin und mir manchmal zu Streit. Denn wenn ich Sachen sage wie: „Das kannst du nicht verstehen, du bist nicht aus dem Osten!“, findet sie das diskriminierend. Zu Recht. Weil wir unbedingt versuchen müssen, uns gegenseitig zu verstehen, und dazu gehört auch, die Unterschiede in den beiden deutschen Biografien zu sehen.

Einer der Sätze war: „Da wächst zusammen, was zusammen gehört“. Stimmt der?
Einerseits ja, da hat sich ganz viel ganz großartig entwickelt. Das Zusammenwachsen ist ein stetiger Prozess, das hört nicht auf. Und bei diesem Prozess sind leider viele Menschen und Regionen auf der Strecke geblieben. Diese Leerplätze werden jetzt oft von rückwärtsgewandten Menschen besetzt, deren Ziel es ist, ein sehr brutales und unmenschliches Lebensmodell wieder zu etablieren. Davor sollten wir unsere Demokratie beschützen! Unbedingt!

Kai Schumann: Guter Schauspiel-Jahrgang

Kai Schumann (geboren am 28. Juli 1976 in Dresden), Sohn einer DDR-Bürgerin und eines Syrers. Mit 15 erste (Schul-)-Theaterrolle als Dorfrichter Adam in „Der zerbrochene Krug“. Ab 1995 besuchte er die Schauspielschule Ernst Busch in Berlin. Zum Jahrgang gehörten Nina Hoss, Fritzi Haberlandt, Devid Striesow und Mark Waschke.

Danach war Schumann an vielen großen deutschen Theatern. Erste Filmrolle 1999 in „Der Einstein des Sex“ (von Rosa von Praunheim). Von 2008 bis 2011 in der RTL-Serie „Doctor’s Diary“ dabei. Von 2009 bis 2013 als Rechtsmediziner im „Tatort Leipzig“ zu sehen und seit 2013 in der ZDF-Serie „Heldt“ (100. Folge läuft am 11.11.). Er lebt mit Marva Schreiber, Ärztin für ästhetische Medizin, in Köln.

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.