Bei TV-Talk „Hart aber fair“ Virologen sauer: „Wir sind nicht in Corona-Ferien“

hartaberfair

Hart aber fair ohne Publikum. Das Thema der Sondersendung war der Coronavirus und die Auswirkungen.

Köln – Wo stehen wir, was kommt noch? Diese Frage versucht Frank Plasberg am Montagabend (16. März) in einem Corona-Special von „Hart aber fair“ zu klären.

„Wir stehen am Anfang“, sagt Professor Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe am Institut für Tropenmedizin der Uni Hamburg und Leiter der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin. Der Mediziner ist überzeugt, dass wir uns in den nächsten Monaten noch einschränken müssen.

Hier lesen Sie mehr: Alles aktuellen Infos zum Coronavirus

Die Gäste bei „Hart aber fair“ am Montag, 16. März 2020:

  • Professor Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe am Institut für Tropenmedizin der Uni Hamburg und Leiter der Virusdiagnostik am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
  • Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU)
  • ARD-Börsenexpertin Anja Kohl
  • Diplom-Psychologin Ulrike Scheuermann
  • ARD-Rechtsexperte Frank Bräutigam
  • Bernd Niemeier, Präsident der DEHOGA Nordrhein-Westfalen

Hier lesen Sie mehr: TV-Sender weiten ihre Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus aus

Wirklich neue Erkenntnisse gibt es in der Sendung nicht. Es ist ein Satz, der das Dilemma zumindest auf den Punkt bringt: „Wir haben das am Anfang vielleicht unterschätzt“, sagt Peter Altmaier (CDU). Doch der Politiker will keine Angst schüren.

ard_virologe

Prof. Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe am Institut für Tropenmedizin der Uni Hamburg

Im Gegenteil: Er sieht Deutschland jetzt auf dem richtigen Weg. Am Beispiel von Japan und Südkorea könne man sehen, dass es mit rigorosen Maßnahmen möglich sei, die Ausbreitung in den Griff zu bekommen, erläutert der Politiker.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier: „Es gibt Hoffnung“

Der Minister stellt das Positive in den Mittelpunkt: Die Zahl der Todesfälle sei in Deutschland in Bezug auf die Infizierten am niedrigsten. Altmaier stellt klar, dass die Situation zwar in einigen Monaten wieder besser sein könne, es aber verantwortungslos sei, zu sagen, „in 14 Tagen, in vier Wochen ist der ganze Spuk vorbei“.

Bevor es in die Diskussion geht, wird ein halbstündiger Beitrag gezeigt. Firmen-Mitarbeiter aus dem besonders betroffenen Bereich Heinsberg kommen zu Wort. Eine Familie aus Lüdenscheid wird gezeigt, die keine andere Möglichkeit hat, als auf die Hilfe der Großmutter zurückzugreifen. Eigentlich genau das, was vermieden werden soll.

Hart aber fair: Einblicke in den vom Coronavirus bestimmten Alltag

Ärzte und Pflegekräfte geben Einblicke in ihren vom Coronavirus bestimmten Alltag. Darunter auch Dr. Carola Holzner: „Jeder von uns ist ein Teil des Ganzen und kann seinen Beitrag leisten“, sagt die Medizinerin aus Essen. Sie hat Verständnis für die harten Einschnitte, findet sie richtig.

Verständnis hat auch Angelo Di Fini aus Köln. Doch der Betreiber eines kleinen Cafes hat auch Existenzängste. Denn er muss seinen Laden schließen. Seine Kosten laufen weiter.

Hart aber fair: „Reden über mehrere Monate Corona-Quarantäne“

„Bilder und Eindrücke, die wir uns nicht haben träumen lassen“, sagt Frank Plasberg und zeigt ein Bild des proppevollen Münchner Viktualienmarktes vom Wochenende. Das treibt dem Virologen die Zornesröte ins Gesicht und er stellt klar: „Das ist unverantwortlich. Wir sind hier nicht in zweiwöchigen Coronaferien, in denen wir mal schön auf den Markt gehen und Bierchen trinken können.“

Aus Sicht des Virologen steht fest: Uns stehen mehrere Monate Corona-Quarantäne bevor.

Die Maßnahmen, die nun getroffen wurden, sind aus seiner Sicht sehr drastisch, aber notwendig. Wie sie in den nächsten Tagen und Monaten wirken, das bleibe abzuwarten.

Haben also einige des Schuss nicht gehört, wie es Plasberg formuliert? Diplom-Psychologin Ulrike Scheuermann sagt dazu: „Wir sehen den Virus nicht, hören ihn nicht, riechen ihn nicht. Wir können ihn nur über den Verstand akzeptieren.“

Hart aber fair: Viele Worte, keine neuen Erkenntnisse

„Es wird noch schlimmer, bevor es besser wird“, sagt Börsenexpertin Anja Kohl. Das gelte nicht nur für die Wirtschaft. Das gelte auch in allen anderen Bereichen.

„Man kann lernen, flexibler zu werden“, meint Diplom-Psychologin Scheuermann. „Es sind für uns alle völlig neue Situationen, das hatten wir noch nie.“

Tenor der Runde: Man kann Lösungen finden. Panikmache ist fehl am Platze. Aber sensibilisieren für das Thema, das die Welt beherrscht, bleibe extrem wichtig. „Wir brauchen jetzt keine Besserwisser“, sagt Anja Kohl.

Klar ist aber auch: Jeder muss selbst das Beste aus der Situation machen. Familien rücken näher zusammen –  auch wenn sie räumlich getrennt sind. Nachbarschaftshilfe lebe neu auf. Miteinander reden, ist die Devise der Stunde. „Jeglicher Austausch ist wichtig“, so die Psychologin.

Struktur wird sich ändern müssen

Die Struktur der Wirtschaft wird sich ändern müssen. „Wir haben immer gesagt, Selbstständige müssen nicht in der Arbeitslosenversicherung sein. Alle diese Fragen werden wir beantworten“, sagt Altmaier, der den Mensch in den Mittelpunkt dieser Fragen stellen will.

Die Hotel und Restaurantbranche ist besonders hart getroffen. Doch Altmaier verspricht: „Wir werden über den Härtefonds besonders zeitnah entscheiden. Das heißt aber auch, dass wir alle paar Tage, alle paar Wochen entscheiden muss.“ (susa)

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.