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Geht Danger Dan hier zu weit? Das sind die Musik-Highlights der Woche

Danger Dan liefert mit „Keine Angst“ wieder einen großen Pop-Aufreger. Ein gleichnamiges Album soll im Oktober folgen. (Bild: Jaro Sanmann Suffner)

Copyright: Jaro Sanmann Suffner

Danger Dan liefert mit „Keine Angst“ wieder einen großen Pop-Aufreger. Ein gleichnamiges Album soll im Oktober folgen. (Bild: Jaro Sanmann Suffner)

Gracie Abrams, Queens of the Stone Age und Danger Dan, der fünf Jahre nach „Alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ einen neuen Pop-Aufreger produziert: Erfahren Sie hier, was neu, wichtig und hörenswert ist in der Welt der Musik.

Danger Dan hat mal wieder eine „Grauzone erreicht“ - oder vielleicht auch schon eine rote Linie überschritten. Sein neuer Song „Keine Angst“, der kurzfristig zur Ausladung aus der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ führte, beschäftigt momentan jedenfalls nicht nur die Rap-Szene. Neues und Hörenswertes gibt es außerdem von Gracie Abrams und Queens of the Stone Age.

Danger Dan - Keine Angst

Gracie Abrams bezeichnet sich auf ihrem neuen Album als „Daughter From Hell“, aber so schlimm ist sie gar nicht. (Bild: Universal Music)

Copyright: Universal Music

Gracie Abrams bezeichnet sich auf ihrem neuen Album als „Daughter From Hell“, aber so schlimm ist sie gar nicht. (Bild: Universal Music)

Auftritt von Danger Dan in der Kabarettsendung „Die Anstalt“ kurzfristig durch die ZDF-Intendanz verboten - da haben wir ihn wohl, den Pop-Aufreger des Sommers. Musik als Politikum, laute Reaktionen aus allen Richtungen, die Geschichte wiederholt sich, wieder einmal mit dem ebenso engagierten wie streitlustigen Liedermacher von der Antilopen Gang im Fokus. „Zeig mich an, und ich öffne einen Sekt, das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“, so ging das vor fünf Jahren in einem Lied, über das Deutschland wochenlang diskutierte. Ganz ähnlich könnte es nun auch mit „Keine Angst“ laufen.

„Die Geschichte hat uns schon mal gezeigt: Es wird noch schlimmer, wenn man gar nichts tut und schweigt“ - Steckt in Zeilen wie dieser ein Aufruf? Und wenn ja, ein Aufruf zu was genau? Darüber wird nun in verschiedenen Foren und Formaten hitzig debattiert. Eine „Ermächtigungshymne“ soll dieser neue Solo-Titel von Danger Dan sein. Der 43-Jährige, der nie ein Geheimnis aus seiner politischen Haltung machte, singt am Piano gegen Rechts. Er singt davon, geheime Gruppen zu gründen und klar zu zeigen, dass man „keinen Bock auf Faschos hat“. „Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras. Nie ohne Handschuh, nie 'nen Fingerabdruck hinterlassen.“

„Juristisch ist mal wieder die Grauzone geschrammt“, verweist Danger Dan am Ende des Sieben-Minuten-Songs auf seinen Hit von 2021. Für gewisse Entscheider beim ZDF bewegt er sich aber wohl schon jenseits der Grauzone. Der Rapper sollte „Keine Angst“ gemeinsam mit Pianist Igor Levit in der 100. Folge von „Die Anstalt“ spielen (Dienstag, 21. Juli, 22.15 Uhr, ZDF), kurz vor der Aufzeichnung sei jedoch das Veto von ganz oben gekommen, angeblich ohne Begründung. Die beiden Künstler finden den Eingriff „skandalös“. Aber bessere Werbung könnte es, wieder einmal, kaum geben: Dass da neue Musik von Danger Dan ist, als erster Vorgeschmack auf ein neues Album im Oktober, hat jetzt wohl jeder mitbekommen.

Gracie Abrams - Daughter From Hell

Josh Homme (Mitte) und seine Band Queens of the Stone Age melden sich drei Jahre nach „In Times New Roman“ mit einem völlig ungewohnten neuen Sound zurück. (Bild: Andreas Neumann)

Copyright: Andreas Neumann

Josh Homme (Mitte) und seine Band Queens of the Stone Age melden sich drei Jahre nach „In Times New Roman“ mit einem völlig ungewohnten neuen Sound zurück. (Bild: Andreas Neumann)

„Daughter From Hell“ nennt Gracie Abrams ihr neues Album, so als wäre sie die schlimmste Tochter der Welt. Das ist sie ganz gewiss nicht. Und ein „failure“, also ein Fehler oder eine Versagerin, wie sie sich selbst im Song „Imaginary Friend“ bezeichnet, ist sie auch nicht. Gracie Abrams bespielt inzwischen ja immerhin schon ziemlich große Hallen und war 2023 sogar für einen Grammy als „Best New Artist“ nominiert. Dieses dritte Album, da sind sich die meisten Experten einig, wird den endgültigen Durchbruch bringen. Die Musik vermittelt allerdings oft den Eindruck, dass die Sängerin eher mal eine herzliche Umarmung braucht.

Zur groben Einordnung: Gracie Abrams' Vorbilder reichen von Joni Mitchell und Kate Bush bis Taylor Swift, die sie als Support auf der legendären „Eras Tour“ begleiten durfte. In ihren verträumten Folk-Pop-Songs erzählt sie oft sehr persönliche Geschichten, so auch auf „Daughter From Hell“. Es geht um Selbstzweifel, kriselnde und gescheiterte Beziehungen, mentale Probleme. „Messer“ (“knife“) ist wohl die meistverwendete Vokabel auf der knapp einstündigen Platte.

Sehr intensiv und ergreifend, das alles, manchmal vielleicht etwas zu melodramatisch. Als vermeintliche „Daughter From Hell“ ist Gracie Abrams, übrigens die Tochter von Star-Filmemacher J. J. Abrams und Produzentin Katie McGrath, aber definitiv auf einem guten Weg. Der Titelsong des Albums etwa ist ein rührendes Dankeschön an ihre Mutter, die während Gracies Teenager-Jahren wohl einiges aushalten musste. „Ich will sagen, wie viel ich dir verdanke“, heißt es da, und: „Ich hoffe, dass ich dich stolz mache.“

Queens of the Stone Age - Easy Street

„Es ist in gewisser Weise ein komischer Song“, sagt Josh Homme. Das ist wohl richtig, vor allem wenn man bedenkt, wo er und seine Band Queens of the Stone Age eigentlich herkommen. Emporgestiegen aus dem Staub, den Hommes knochentrockene Stoner-Rock-Band Kyuss einst hinterließ, machten die Queens sich über drei Jahrzehnte einen eigenen Namen in der Rockszene. Harte Kerle mit noch härteren Riffs, Wüstenmusik für die große Bühne, tanzbar manchmal, aber in der Regel ebenfalls: knochentrocken. Wie angenehm anders und ja, komisch, erscheint da nun „Easy Street“!

Auf den typischen QOTSA-Gitarrensound wird hier komplett verzichtet, stattdessen ertönen luftige Akustikgitarren, Fingerschnippen, Clap-Rhythmus, ein paar leichte Synthesizer-Flächen im Hintergrund und die Stimme von Gastsängerin Nikki Lane. „Easy goin'“ in der „Easy Street“. Homme, hier noch mehr als sonst das Gesicht der Band, gibt sich verletzlich und locker wie nur ganz selten und wirkt - da gab es durchaus auch andere Zeiten - sympathisch wie nie.

„Easy Street“ wurde im Demo-Verfahren aufgenommen und soll die „Unvollkommenheit“ feiern, die das Leben erst interessant macht. Dazu gehören auch kleine klangliche Schlampereien und Fehler, die ganz bewusst in dem Lied belassen wurden. Begleitend zum neuen Song ist auch ein äußerst charmantes Musikvideo mit Nikki Lane und einem stark derangierten Josh Homme entstanden. Es fehlte dann jetzt nur noch die Ankündigung eines ganzen neuen Albums - die bislang letzte reguläre Studioplatte „In Times New Roman“ (2023) liegt inzwischen drei Jahre zurück. (tsch)

Peter Kraus (links) hat einen neuen Song mit seinem Sohn Mike veröffentlicht. (Bild: 2025 Getty Images/Hannes Magerstaedt)
Duett mit Sohn Mike
Peter Kraus rechnet sich keine Chancen bei Florian Silbereisen aus