Der Kabarettist Dieter Nuhr ist nach seinen Femizid-Zitaten Vorwürfen ausgesetzt.
Nach Femizid-AussageHella von Sinnen: „Gespannt, ob Herr Nuhr Job bei ARD behält“

Copyright: Sebastian Christoph Gollnow/dpa
Dieter Nuhr, hier im Juni 2026 bei der Veranstaltung „The Power List Germany’s Top 50“. Der Kabarettist ist Vorwürfen ausgesetzt.
Aktualisiert:
Hella von Sinnen stellt nach Dieter Nuhrs Femizid-Zitaten dessen Verbleib im öffentlich-rechtlichen Rundfunk infrage.
„Jedes Jahr werden an die 350 Frauen von ihren Männern ermordet - und er sagt das? Was ist das für eine unfassbare Unverschämtheit von Nuhr? Was ist das für eine unfassbare Verniedlichung von Femiziden und Verleugnung dieses Frauenhasses? Ich finde das wirklich unglaublich. Ich bin gespannt, ob Herr Nuhr seinen Job bei der ARD behält“, sagte die Entertainerin der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (noz).
Hella von Sinnen: „Thomas Gottschalk wollte nur spielen“
In der Diskussion um Thomas Gottschalks Umgang mit Frauen fand die 67-Jährige abwägende Worte: „Thomas Gottschalk wollte nur spielen. Der wusste, dass er ein gutaussehender charming Boy ist, und er hatte kein Regulativ. Beim ZDF hat ihm niemand gesagt: ‚Mensch, Tommy, lass mal.‘“
Dass der allgegenwärtige Sexismus im Fernsehen der 1980er- und 1990er-Jahre immer wieder an „Wetten, dass ...?“ festgemacht wird, erklärte von Sinnen mit Gottschalks enormer Popularität: „Thomas Gottschalk war der Beliebteste. Und wir alle haben es ihm nachgesehen. Alle fanden das irgendwie normal. Ich unterstelle ihm noch nicht mal Frauenfeindlichkeit oder Sexismus. Er war all die Jahre mit seiner superstarken Thea zusammen.“
Dieter Nuhr hatte mit einem Satz über Männer und Frauenmorde Kritik ausgelöst. Beim RBB gingen Beschwerden ein, im Rundfunkrat wurde das kontrovers diskutiert. „Es gehört zur Demokratie, das auszuhalten“, sagte RBB-Intendantin Ulrike Demmer in der Rundfunkratssitzung am Donnerstag (15. Juli), wie die RBB-„Abendschau“ und der „Tagesspiegel“ berichteten. Zugleich verwies sie „für alle, denen dieses Aushalten im konkreten Fall schwerfällt“, auf nach ihrer Aussage rund 300 journalistische Beiträge des RBB, die mit Ernsthaftigkeit und Sorgfalt das Thema Morde an Frauen untersuchten.
RBB prüft derzeit 325 Beschwerden zu dem Thema der Sendung „Nuhr XXL“
Der RBB prüfe derzeit 325 Beschwerden zu dem Thema der Sendung „Nuhr XXL“ vom 18. Juni, die als förmliche Programmbeschwerden eingestuft würden, sagte Demmer in der Sitzung. Bereits in der vergangenen Woche hatte der RBB mitgeteilt, in Satireformaten gelte es auch, die künstlerische Freiheit zu achten: „Dieter Nuhr darf grundsätzlich als Künstler vor dem Hintergrund der Kunstfreiheit auch provozierend und zugespitzt formulieren. (...) Es ist das Kerngeschäft von Satire, Dinge bewusst ins Gegenteil zu verkehren.“
In der Rundfunkratssitzung gab es aber auch kritische Stimmen, wie in der RBB-„Abendschau“ zu sehen war. So warfen zwei Mitglieder Nuhr vor, er sei zu weit gegangen, er betreibe „Täter-Opfer-Umkehr“ und der Witz sei eine „Grenzüberschreitung“.
Äußerungen über Frauenmorde lösten Kritik aus
Nuhr hatte in der Sendung vor allem in überspitzter Form Pauschalurteile über Männer und Frauen thematisiert, die aus seiner Sicht durch wissenschaftliche Fachbegriffe wie „strukturell“ aufgewertet würden. Es ging um den Vorwurf, Männer übten strukturell Gewalt aus.
Er sagte: „Es gibt etwa 300 bis 350 Frauenmorde jedes Jahr und bitte, natürlich sind das 300 bis 350 zu viel, das ist doch keine Frage. Aber es gibt in Deutschland zig Millionen Männer. Die Wahrscheinlichkeit, in einer Beziehung auf einen Frauenmörder zu treffen, ist praktisch null.“ Dann folgte der Satz, der die Debatte auslöste: „Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erst mal kennenlernt.“
Vorwürfe, er habe sich in einer Sendung über Frauenmorde lustig gemacht, wies Nuhr später zurück. „Kein Witz über Femizide, nirgends. Habe ich noch nie gemacht. Werde ich nicht tun“, schrieb er in einem Facebook-Beitrag. „Der Vorwurf ist lächerlich. Interneterregung wird zur Volksmeinung umgedeutet. So ist es üblich in diesen Tagen.“
Von Sinnen forderte Männer auf, Verantwortung zu übernehmen: „Es gibt sie, die guten Männer, und ich freue mich darüber. Aber im Moment wird der Faschismus wieder beliebter und da fragen sich Männer eben wieder: Wie kann ich endlich wieder ‚männlich‘ sein? Wie kann ich meine Frau an den Herd zurückbringen? Möchte man bei sowas dazugehören? Diese Fragen müsst ihr Jungs euch stellen, und dann bitte selbst den Arsch hochkriegen. Das müssen wir nicht auch noch tun.“ (dpa/ots)
