„Wenn einer was weiß, dann musst du zu 'Bares für Rares' gehen“, glaubte der Verkäufer eines ganz besonderen Geigenkoffers - und er sollte Recht behalten.
„Bares für Rares“„Er oder ich!“: Händler entscheiden mit Münzwurf

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Ein Geigenkoffer hatte bei „Bares für Rares“ einen überraschenden Inhalt.
Aktualisiert28.08.2025, 16:30
Beim Anblick des Inhalts eines unscheinbaren Geigenkoffers war Gastgeber Horst Lichter in der Donnerstagsfolge von „Bares für Rares“ hocherfreut: „Und schon wird's wunderschön.“
Expertin Annika Raßbach sah es genauso. „Der Abend wird heute sehr gut“, glaubte sie. „Das finde ich wirklich außergewöhnlich, jeck, doll!“, schwärmte Lichter weiter.
Verkäufer Sam bekam den Geigenkasten samt Whisky zum 50. Geburtstag. Doch die Flasche hatte er in 30 Jahren nie geöffnet. Weil er online nichts zum Wert finden konnte, machte er den nächsten Schritt in die ZDF-Trödelshow: „Wenn einer was weiß, dann musst du zu 'Bares für Rares' gehen“, war sich der Esselbacher sicher.
Es handelte sich tatsächlich um einen Original-Geigenkoffer, erkannte die Expertin - „nichts, was gefaked wurde“. „Der hat ein Upgrade erfahren“, lachte sie. Wie bei solchen Koffern üblich, war er „aus Holz gefertigt, mit Kunstleder überzogen und von innen mit schönem blauem Velours“. Das „Victorian Special“ am Deckel trage zur Herrschaftlichkeit bei.
Mit dem Inhalt des Koffers wäre ein guter Drink schnell gemacht. „Wir haben den Whisky, wir haben passende Gläser und wir haben Sodawasser“, beschrieb die Expertin. Nicht einmal ein Flaschenöffner fehlte. „Dieses gesamte Konvolut ist dafür da, dass man ein Whisky-Soda sich machen kann“, erkannte Raßbach.
Lange sei das „das Hip-Getränk“ gewesen. Hinweise auf den Hersteller des Geigenkoffers konnte Raßbach nicht finden. Dafür ließ sich über den Whisky einiges erzählen. Die Firma White Horse gab das Geschenkset Mitte der 90er-Jahre in Auftrag. Gegründet wurde die Whiskyfirma 1890 in Edinburgh in Schottland. Die Jahreszahl auf dem Logo, 1742, war in diesem Fall irreführend.
Verkäufer jubelt über Händlerkarte bei „Bares für Rares“: „Das finde ich affengeil!“
Doch wieso die falsche Jahreszahl? Das Logo sei ursprünglich an einer Kneipe gehangen. Der White-Horse-Gründer habe es nur übernommen, erklärte Raßbach. Der „Scotch Whisky“ war deswegen kein schlechter. Denn „ein Whisky darf nur Scotch heißen, wenn er mindestens drei Jahre in Schottland in einem Eichenfass gereift ist“, wusste die Expertin. Es handelte sich bei dem 90er-Jahre-Koffer um eine „Limited Edition“, erkannte Lichter. Das Alter sah man dem Stück kaum an. Raßbach konnte nur außen leichte Abnutzungen feststellen. Sam wünschte sich 200 Euro - „wenn das nicht übertrieben ist“. Die Expertin versicherte: „Es ist nicht übertrieben. 200 bis 300 Euro.“
Sam war gespannt auf die Händler: „Das finde ich affengeil!“ Sein Koffer sorgte bei Jos van Katwijk gleich für Begeisterung, als er die Whiskyflasche darin fand. „Jetzt spiele ich Musik!“, verkündete der Händler. Da war er nicht der einzige, denn auch Jan Čížek hatte großes Interesse: „Da bin ich auch dabei!“ „Das ist ein richtig charmantes Teil“, stellte Julian Schmitz-Avila fest und bot um den Geigenkoffer mit. Das letzte Wort wollte Čížek haben: „Ich habe noch eine bessere Melodie für Sie: 240.“ Der Verkäufer wollte das Angebot dankend annehmen, doch van Katwijk hatte immer noch Interesse. „Da musst du mehr bieten“, sagte Čížek trocken.

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Bis zu 300 Euro seien für Verkäufer Sam möglich, schätze Expertin Annika Raßbach.
„Hast du eine Münze dabei?“, fragte Van Katwijk stattdessen. „Wir machen sowieso 250. Aber er oder ich!“, erklärte er dem Verkäufer. Seine Wahl auf Kopf war allerdings die falsche. So sicherte sich Čížek den Geigenkoffer. „Dann darf ich das kaufen?“, fragt er Van Katwijk süffisant. „Ja“, gab der lachend nach. Mit den 250 Euro „für den lustigen Koffer“, wie Čížek sagte, ist Sam „sehr zufrieden“.
Im Händlerraum wurde es derweil gesellig. „Wer wollte 'n Gläschen haben?“, fragte der neue Besitzer und verteilte die vier Gläser am Händlertisch. Die Whiskyflasche wollte er jedoch noch nicht öffnen.
Goldene Uhr bringt bei „Bares für Rares“ stolzen Preis ein
Isabel und ihr Stiefvater Harald brachten derweil einen originalverpackten Roboter von Markes & Co. KG mit in die Trödelshow. Laut Expertin Raßbach wurde er zwischen 1959 und 1964 hergestellt und aus Kunststoff gefertigt. Die Verkäufer hoffen auf 250 Euro, die Expertin verdoppelte sogar: 400 bis 500 Euro sei der Roboter wert. Den Zuschlag erhielt Jos van Katwijk für 350 Euro. Für eine gute Freundin wollte Lindy einen Ring verkaufen.
Expertin Wendela Horz staunte über das handgearbeitete Schmuckstück aus 585er-Gold mit drei Karat Diamanten aus den 1930er-Jahren. Den Schätzpreis von 1.500 bis 1.800 Euro toppte Elke Velten-Tönnies sogar noch und bezahlte 2.600 Euro.

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Jan Čížek hatte Glück und bekam den Koffer für 250 Euro. Verkäufer Sam war glücklich.
„Ich will es einfach weg haben, ich will es nicht mehr putzen“, sagte Sabine über ihre geerbte Prunkschale aus 800er-Silber. Das Objekt, auf dem Motive der römischen Bacchusfeste zu sehen waren, sei aus den 1930er- bis 1950er-Jahren, schätzte Colmar Schulte-Goltz.
Sabine hoffte auf 350 Euro, der Experte ging von 420 bis 480 Euro aus. Schmitz-Avila erhielt schnell für 400 Euro den Zuschlag. Eine prächtige Uhr mit Schweizer Uhrwerk und stolzem Goldwert bon 4.250 Euro wechselte ebenfalls den Besitzer.
Für 4.000 Euro ging sie an Julian Schmitz-Avila. Zudem sicherte er sich für 700 Euro eine Sonderausgabe des Benedikt Taschen Verlags über das Projekt „Wrapped Bundestag“ vom Künstlerehepaar Christo und Jeanne Claude. (tsch)