Jüngste DSDS-Gewinnerin Marie Wegener: „Man weiß nie, wie lange es für einen gut geht“

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Marie Wegener, jüngste DSDS-Siegerin aller Zeiten, startet erfolgreich durch und machte nebenbei noch ihr Abi.

Köln – Das ist das Schicksal vieler „DSDS“-Sieger – kaum haben Millionen TV-Zuschauer an ihrem Aufstieg teilgenommen, fallen sie von ganz oben zurück ins Feld der Vergessenen.

Doch eine wehrt sich erfolgreich dagegen: Marie Wegener, 2018 mit 17 jüngste DSDS-Siegerin aller Zeiten, leuchtet weiter am Schlager-Himmel.

Die Duisburgerin ist mit ihrem Album „Countdown“ in allen Charts gelandet, mischt im TV und auf der Bühne mit – und hat jetzt auch noch ihr Abi (mit 2,0) in der Tasche. Viele Gründe für ein langes Interview.

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Marie Wegener und Reporter Horst Stellmacher.

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Vergangenes Jahr haben Sie „Deutschland sucht den Superstar“ gewonnen, in diesem Jahr Ihr Abi gemacht – was bedeutet Ihnen mehr?
Marie Wegener:
Beides bedeutet mir viel, aber das Abitur war trotzdem eine wichtige Grundlage – ich habe es mir hart erarbeitet. Ich bin lange zweigleisig gefahren, auf der einen Seite Abitur machen, auf der anderen von Auftritt zu Auftritt reisen, dann ins Studio, dann andere Termine. Aber es wäre blöd gewesen, nach elf Jahren kurz vorm Ziel abzubrechen. Außerdem wollte ich mir eine Sicherheit schaffen. Ich habe schon gelernt, dass die Musikbranche ein hartes Business ist, bei dem man nie weiß, wie lange es für einen gut geht.

Wie hat sich das viele Reisen auf die Note ausgewirkt?
Ich habe mich ganz gut gehalten. Ich hatte immer einen Schnitt von 1,7, 1,8, im Abi-Zeugnis ist es jetzt 2,0. Doch dafür, dass ich kaum da war, war es in Ordnung. Ich habe mit Englisch, Deutsch und Musik gepunktet, Probleme hatte ich mit Mathe. Das scheint in der Musikbranche üblich zu sein, ich kenne kaum jemanden, der von Mathe schwärmt oder sogar Mathe-As war. Bei den meisten ist Mathe der Feind.

Sie sind gerade mal 18 Jahre alt. Ist es nicht etwas ungewöhnlich, sich in Ihrem Alter dem Schlager zu verschreiben?
Ja, das stimmt. Aber meine Musik ist nicht der traditionelle Schlager wie bei Andrea Berg oder Beatrice Egli, sie hat einen noch frischeren Sound, es sind viele Pop-Elemente dabei. Ich hör gern Celine Dion, Whitney Houston, Taylor Swift und Nico Santos. Diese Farben kommen durch.

Mit 12 haben Sie bei der TV-Casting-Show „The Voice Kids“ teilgenommen, sie sind bis ins Halbfinale gekommen. Vier Jahre später waren Sie dann DSDS-Siegerin. Haben Sie an den Sieg geglaubt?
Nein. Die anderen Sieger waren ja immer bedeutend älter, ich dachte, sie hätten größere Chancen. Und dann hat es doch geklappt – unfassbar! Aber ich konnte mich auf dem frischen Ruhm nicht ausruhen. Es ging dann gleich Schlag auf Schlag: Ich hab mein Album „Königlich“ eingesungen, das Video dazu gedreht, hatte viele TV- und Radiotermine. Mir wurde erstmals klar, dass man nicht nur auf der Bühne arbeiten muss, um als Künstlerin anerkannt zu werden.

Andere in Ihrem Alter können nach der Schulzeit noch mal tief durchatmen. Keine Angst, dass Sie was verpassen?
Stimmt, ich habe ganz viele Freunde, die jetzt chillen, vielleicht eine Weltreise mit Freunden machen oder im Freiwilligen Sozialen Jahr sind. Das geht bei mir alles nicht. Dafür habe ich schon einen Beruf, der mir Spaß macht.

Was ist, wenn es nicht ewig mit der Karriere klappt?
Ich habe schon bemerkt, dass es auch sehr, sehr kurzfristige Karrieren gibt und versuche, einen Plan B aufzubauen. Ich interessiere mich für BWL und werde noch eine weitere musikalische Ausbildung im Jazz-Pop-Bereich machen. Ich hoffe aber, es geht so weiter wie bisher. Und ich hoffe einfach irgendwann mal einen Hit zu schreiben, der ganz Deutschland berührt.

Wie sind die Songs fürs neue Album entstanden?
Ich war in Songwriter-Camps in Köln, Berlin und Mannheim, habe mit tollen Autoren gearbeitet. Wir haben uns Thematiken rausgesucht, die interessant sein könnten und mir selbst sehr, sehr nahe gehen.

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Welcher Song von der Platte berührt Sie am meisten?
„Immer für dich da“ – ich habe ihn für meinen Zwillingsbruder Marvin geschrieben. Denn er war immer für mich da, auch wenn es mir mal nicht so gut ging.

Sie werden bei der großen Musical-Produktion „Die Schöne und das Biest“ die Prinzessin Bella spielen, sind damit am 31. Januar in Düsseldorf. Was reizt Sie an der Rolle?
Die wunderbaren Lieder, die ich singen werde. Und die Botschaft des Musicals: Die schöne Prinzessin zeigt uns, dass es nicht nur aufs Äußere ankommt, sondern dass Werte wie Freundschaft, Familie und Mitgefühl sehr wichtig sind. Bella ist sehr mutig, hört auf ihr Herz, lässt sich nicht von Oberflächlichkeit blenden und gibt Hass keine Chance.

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Marie Wegener bei der Verleihung des Bayerischen TV-Preises.

Sie leben im „Hotel Mama“ in Duisburg – schon mal dran gedacht auszuziehen?
Ich hatte noch keine Zeit, groß übers Ausziehen nachzudenken, weil ich doch die ganze Zeit unterwegs bin. Aber es gibt da längst kein „Hotel Mama“ mehr für mich. Wenn ich zuhause bin, koche ich vegan, meine Mama und meine Oma essen dann auch gerne mit. Und es gibt immer viel Organisatorisches zu erledigen. Ich bin sehr selbstständig geworden. Und wenn der Umzug mal kommen sollte, dann bitte nicht zu weit weg von der Familie und dahin, wo viel Grün ist. Ich brauche die Natur, ich bin kein Stadtmädel. Ich brauche auch Tiere um mich. Mein größter Wunsch war es immer, Tieren zu helfen.

Sie sind Veganerin. Wie kriegen Sie das auf Tournee geregelt?
Das ist manchmal ein Problem. Vegetarier haben es da schon einfacher, für sie wird vom Angebot schon echt gut gesorgt. Als Veganerin muss ich oft lange suchen, bis ich für mich was finde, ein warmes Essen, was schmeckt und satt macht – also nicht nur Salat, Reis, Nüsse, Gemüse oder Obst. Aber das Bewusstsein wird deutlich stärker und das finde ich toll.

Sie tragen ein gut sichtbares Kreuz am Hals? Schmuck oder Bekenntnis?
Ich bin gläubig. Ich bete jeden Abend. Und ich bete vor jedem Auftritt. Der Glaube gibt mir Halt im Leben.

Mit Gabalier auf Deutschlandtour

Marie Wegener (geb. am 6. Juli 2001 in Duisburg), 2013 Teilnahme an der ersten Staffel „The Voice Kids“, schied in der Battle Round aus gegen die spätere Siegerin Michèle Bircher.

Mai 2018: Siegerin „Deutschland sucht den Superstar“ mit „Königlich“ (geschrieben von Dieter Bohlen, 65), 64 % der Zuschauerstimmen. Juni 2018 und Januar 2019 „smago! Award“-Preise als jüngste DSDS-Gewinnerin aller Zeiten und für den Single-Hit 2018.

2019 Abi. Im Juni/Juli mit Andreas Gabalier auf Deutschlandtour. Wohnt mit Zwillingsbruder und Eltern in Duisburg.

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