Abo

„Dschungelcamp“ und Co.Medienpsychologe über unsere  Wollust am Trash-TV

Zwölf bunt gekleidete Personen stehen vor einer Dschungelkulisse und sind teils gut gelaunt.

Wollen alle auf den Thron vom Dschungelcamp 2026  (v.l.): Stephen Dürr, Patrick Romer, Gil Ofarim, Eva Benetatou, Mirja du Mont, Ariel, Hardy Krüger jr., Samira Yavuz, Simone Ballack, Nicole Belstler-Boettcher, Umut Tekin und Hubert Fella.

Aktualisiert

Dschungelcamp 2026: Die Lust am Trash-TV ist ungebrochen. Woher kommt die Faszination? EXPRESS.de hat den Medienpsychologen Professor Jo Groebel um eine Einordnung gebeten.  

Mal ehrlich, es ist doch ein uraltes Strickmuster: Prominente etwas schmalerer Güteklassen sitzen entweder auf engem Raum zusammengesperrt (wie bei „Promi Big Brother“). Eskalieren am thailändischen Traumstrand (bei „Kampf der Realitystars“). Oder führen sich Enddärme diverser Säugetiere zu Gemüte (ab 23. Januar 2026 in der inzwischen 19. Staffel des „Dschungelcamp“ zu betrachten).

Und während sich die Gernegroßen in öffentlichen Fehden ergehen, die man im normalen Leben niemals in Hörweite von Nachbarn austragen würde, streamen und schauen Millionen zu. Aber warum? Was ist dran am Phänomen Trash-TV? Warum hat es im Jahr 2021, genau 21 Jahre nach Ausstrahlung der allerersten Big Brother-Staffel (wir erinnern uns an Jürgen Milski (der hier seinen Favoriten fürs Dschungelcamp 2026 nennt), Zlatko, Alex Jolig) noch so eine Anziehung?

„Promi Big Brother“ und Co.: Wollust des Zusehens

„Weil es die Wollust am Zusehen bedient“, sagt Medienpsychologe Professor Jo Groebel im Gespräch mit EXPRESS.de. „Es mag erstaunlich anmuten, wie sich diese vom Muster her stets wiederholenden Sendungen über Jahre gehalten haben“, sagt Groebel, aber das grundlegende Konzept dahinter sei simpel und erfolgversprechend.

„Aus sozialpsychologischer Sicht ist hier alles drin: Drama und Komödie, Ärger, Wut und Freude. Und das alles mit offenem Ende, weil die Protagonisten sich zeigen, wie sie sind.“ Oder ihre Rolle unterm Brennglas der Öffentlichkeit mit Perfektion spielen.

Nicht zu unterschätzen sei laut des Medienexpertne auch der Faktor Schadenfreude. „Gerade durch den Promi-Aspekt wird das Bedürfnis des Zuschauers bedient, Menschen straucheln und fallen zu sehen.“ Das sei psychologisch betrachtet eine ganz leicht sadistische Komponente, die den allermeisten Menschen innewohne. Und die genau dann so viel Spaß mache, wenn der Lieblings-Antipath in der Show eins auf den Deckel bekommt. Das menschliche Repertoire sei eben „endlich“. 

Und wenn rhetorisch eher – nun ja - extrovertierte Zeitgenossen wie beispielsweise Danni Büchner und Rafi Rachek in der Sphäre von „Promi Big Brother“ gegeneinander keilen und am Schluss einer den Kürzeren zieht, freut’s den Zuschauer. So wie er beim RTL-Dschungelcamp alle Jahre wieder frohlockt, wenn der vermeintlich größte Depp im Busch die meisten Maden essen muss. „Hab' ich's nicht gesagt: der/die hat's verdient“, schallt es tausendfach vor den bundesdeutschen Endgeräten. Auch eine Art wohltuender Selbstbestätigung.

Nun sind viele der Protagonisten von einem liebenswerten Lausbuben mit Pottschnitt vergleichsweise so weit entfernt wie der „Promi Big Brother“-Kosmos vom realen Weltall, die Verlässlichkeit aber ist geblieben. Denn, so Groebel: „Die Wirklichkeit ist hier besser als jedes Drehbuch.“ Und in den sozialen Netzwerken fände sich die Verlängerung des Treibens im TV.

Ein weißhaariger Mann im Anzug steht mit verschränkten Armen da und schaut in die Kamera

Der Medienpsychologe Prof. Jo Groebel (hier bei den Wormser Nibelungenfestspielen im Juli 2025) hat Trash-TV und seine Fans unter die Lupe genommen.

Ebenfalls nicht zu unterschätzen seien zwei weitere Erfolgsfaktoren: Es wachsen neue Generationen von Zuschauern nach, die mit ihren Eltern schon diese Formate geschaut haben. So wie früher „Wetten, dass..?!“ Und im Gegensatz zur Anfangszeit der Trash-Shows, in der es laut Prof. Groebel oft um „Demütigung“ gegangen sei, werden heutzutage auch sehr emotionale, freundliche Töne angeschlagen. Nebenbei bemerkt: Klatsch und Tratsch – zu dem auch das Trash-TV-Gucken mit Fremdschamfaktor zählt – sind genetisch im Menschen verankert.

Der Evolutionsforscher Robin Dunbar fand heraus, dass das Kraulen von Affen in der Gruppe nichts anderes ist als die „Primaten-Vorstufe“ des Klatsches. Durch das Kraulen wird ein Gruppengefühl, eine soziales Gefüge, gleich einer Familie, erstellt. Nur, dass wir nicht lausen oder kraulen, sondern tratschen.

Und uns wohltuenderweise das Mäulchen über mehr oder weniger prominente Protagonisten zerreißen. Die dann – und so geht die Rechnung auch für die andere Seite auf – wiederum in aller Munde sind. Gold wert für so manches Starlett auf dem Weg nach oben. (smo)

Gil Ofarim sagt Moderatorin Katja Burkard, dass es ihm leid tue.

Gil Ofarim bei „Punkt 12“

Katja Burkard baff über seine Reaktion