Seit der Krönung Gil Ofarims zum Dschungelkönig steht die Produktion der RTL-Show in der Kritik. Jetzt räumte Comedy-Autor Micky Beisenherz handwerkliche Fehler ein. Einer Unterstellung aber trat er in seinem Podcast „Apokalypse & Filterkaffee“ entschieden entgegen.
Dschungel-Autor Beisenherz räumt Fehler im Umgang mit Gil Ofarim ein„Tatsächlich unglücklich“

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Micky Beisenherz hat sich Kritik zu seinem Umgang als Dschungelcamp-Autor mit Gil Ofarim gestellt. (Bild: RTL / Markus Hertrich (Collage))
Knapp eine Woche ist das Dschungelcamp-Finale 2026 alt, und noch immer gibt diese in vielerlei Hinsicht besondere Staffel Rätsel auf. So fragen sich viele enttäuschte Fans der RTL-Show, warum das notorisch bissige Moderations-Duo Sonja Zietlow und Jan Köppen ausgerechnet den späteren Sieger Gil Ofarim so wenig kritisch angefasst hatte.
Ofarim war wegen des sogenannten „Davidstern-Skandals“ schon vor dem Einzug ins Camp hochumstritten gewesen. Während seiner Teilnahme sorgte er mit Andeutungen für Empörung, bei der Beweisaufnahme im Zuge seines Verleumdungsprozesses vor dem Leipziger Landgericht sei es zu Fragwürdigkeiten gekommen. Dennoch wählte ihn das RTL-Publikum am Ende zum Sieger.
Erklärungen in eigener Sache reichte nun Micky Beisenherz nach. Der Comedy-Autor schreibt seit Jahren die Moderationstexte für „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“. In seinem Podcast „Apokalypse & Filterkaffee“ sprach er mit Anne Hähnig über die geballte öffentliche Kritik an seiner Arbeit. Hähnig ist jene Journalistin, die Ofarims Prozess für die „Zeit“ begleitet hat und Ofarims Opfer, den Hotelmitarbeiter Markus W., kurz vor Ende des Dschungelcamps interviewte.
„Er hat diesen Raum aufgemacht, in dem der Zweifel entsteht“
Beisenherz räumt im Rückblick ein, dass Ofarims Raunen ihn „für eine kurze Phase des Camps“ selbst ins Grübeln gebracht habe, ob beim Prozess alles mit rechten Dingen zugegangen sei. „Er hat diesen Raum aufgemacht, in dem der Zweifel entsteht, dass man sagt: Ja, möglicherweise war da doch irgendetwas“, sagt Beisenherz im Podcast. Im Nachhinein könne man aber „felsenfest sagen: Es stimmt halt einfach nicht.“

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Eine Kür mit Nachwehen: Jan Köppen (links) und Sonja Zietlow krönten Gil Ofarim zum Dschungelkönig 2026. (Bild: RTL)
Das bestätigt seine Gesprächpartnerin entschieden. Der Fall Gil Ofarims sei vonseiten der Ermittler aufwendig wie ein Mordprozess recherchiert worden. Hähnig spricht im Podcast ausführlich über das 28-sekündige Gespräch zwischen Ofarim und dem Leipziger Hotel-Mitarbeiter, über die Videoüberwachung, Zeugen und die Davidstern-Kette. Die Faktenlage sei „total eindeutig“, es gebe „keinen Beleg für irgendeine Manipulation“.
Dass Ofarims Mitcamper dessen Darstellungen im australischen Urwald nicht stichhaltig widerlegen konnten, könne man ihnen kaum vorwerfen, findet die Journalistin: „Die Verantwortung hätte hier schon bei einem großen Medienunternehmen wie RTL gelegen.“ Dem Sender wirft sie vor, die nötigen Einordnungen nicht geleistet zu haben: „Was ist die Faktenlage? Was sagt womöglich dieses Opfer von Gil Ofarim? Und stimmt das mit der 'Verschwiegenheitsverpflichtung' überhaupt?“
Micky Beisenherz hat mit „Desaster“ für Gil Ofarim gerechnet
Eine scharfe Kritik, die Micky Beisenherz nachvollziehen kann: „War tatsächlich unglücklich. Das hätte besser laufen können“, räumt er ein. Er habe für seine Arbeit beim Dschungelcamp in den letzten Jahren viel Lob bekommen. Jetzt sei er „Teil einer Produktion, die dann halt die Schläge einsteckt, das ist dann auch okay, das nehme ich hin“.
Falsch sei jedoch die Unterstellung, Gil Ofarim sei gezielt bevorzugt behandelt worden: „Es hätte immer ein paar mehr Sprüche geben können aufkosten von Gil, was sicherlich dem Mischungsverhältnis gutgetan hätte. Aber den großen Plan, den zum Dschungelkönig zu schreiben, den gab es nie“, beteuert er. Weder hätte er als Autor den Moderatoren die Haltung vorgegeben, noch habe der Sender ihn als Autor beeinflusst. Der Sieg des umstrittenen Musikers habe vielmehr „sehr, sehr viele Menschen vor Ort überrascht“. Er selbst habe anfangs mit einem „Desaster“ für Gil Ofarim gerechnet. „Ich habe wirklich gedacht, der macht eine Dschungelprüfung nach der nächsten, und dann fliegt der da raus.“
Dann aber sei im Dschungelcamp „das Machtgefälle gekippt“, wie Beisenherz beobachtet hat: „Im Camp selber kam er plötzlich wie das Opfer rüber, weil er immer vier, fünf Leute gegen ihn hatte, die ihn immer ins Achtung gestellt haben“. So sei der Eindruck entstanden, er werde unfair behandelt.
Darum hat Micky Beisenherz eine Podcast-Folge gelöscht
Beisenherz verglich die Situation mit einer Talkshow, in der sich ein AfD-Politker einer Mehrheit an Gegenstimmen ausgesetzt sieht: „Da sitzen drei, vier, die in der Sache vielleicht richtig liegen, aber alleine aufgrund der zahlenmäßigen Überlegenheit entsteht plötzlich Mitleid, und über das Mitleid entsteht Sympathie für einen Kandidaten, und dann ist das Ding in der Bob-Bahn, und dann hast du's auch nur noch bedingt unter Kontrolle.“
Beisenherz räumt ein, es wäre gleichwohl richtig gewesen, „die Falschaussagen einzuordnen, weil sie natürlich das Bild von ihm ein bisschen korrigiert hätten“. Allerdings hätte die Sendung bei so einer Vorgehensweise wohl „phasenweise geklungen“ wie das Politmagazin „Monitor“. Aus diesen Gründen müsse man sich die Frage stellen, ob es richtig war, einen Kandidaten mit einer solchen Prozess-Vergangenheit überhaupt einzuladen.
Zuletzt sprach Beisenherz auch über seinen zweiten Podcast, den er zusammen mit dem jüdischen Komiker Oliver Polak moderiert. In „Beisenherz und Polak - Friendly Fire“ hatte der Autor und Moderator auch schon über Gil Ofarim und das Dschungelcamp räsoniert, die Folge dann aber nach kurzer Zeit gelöscht. In diesem Podcast „auch noch mal darüber zu spekulieren, ob da in der Lobby noch irgendwas anderes vorgefallen ist, das hätte man sich auch schenken können“, zeigte sich Beisenherz selbstkritisch. Diese Überlegung sei der Grund gewesen, die Sendung offline zu nehmen. (tsch)

