Ihr Rücktritt brachte die schwarz-rote Koalition einmal mehr ins Wanken: Nun hat Bärbel Bas (SPD) in ihrem ersten Interview zu den Hintergründen ihres Ausscheidens aus Regierung und Parteivorsitz Stellung genommen.
„Da wurde eine Kampagne gefahren“Bärbel Bas äußert sich in ARD-Doku erstmals zu ihrem Rücktritt

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Die ehemalige Arbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende Bärbel Bas hat ihr erstes Interview seit ihrem Ausscheiden aus der Bundesregierung gegeben. (Bild: 2026 Getty Images/Sean Gallup)
Als Bärbel Bas am Montag, 12. Oktober, ihren Rücktritt als Bundesarbeitsministerin sowie Co-Parteivorsitzende der SPD bekannt gab, glich das einem doppelten politischen Paukenschlag: Da war zu einem die Tatsache, dass die Ministerin eines für die Reformpläne der Bundesregierung zentralen Ministeriums scheinbar plötzlich hinschmiss. Und das nach Wochen eines nach außen getragenen regierungsinternen Konflikts, bei dem ihre Personalie im Mittelpunkt stand. Zudem nannte sie die Art, wie dieser Konflikt seitens des Koalitionspartners von der Union ausgetragen wurde, zusätzlich als einen der Beweggründe für ihren Rückzug.
Dass die politischen Attacken auch nach dem Tod ihrer Stieftochter nicht aufhörten, wurde zum Katalysator für das Ende ihrer Zeit als Teil des Kabinetts von Bundeskanzler Friedrich Merz. Dessen Union nahm Bas bei ihrer Rücktrittserklärung direkt mit in die Schuld: „Ich muss feststellen, dass die öffentlichen Angriffe auf mich, leider auch aus den Reihen des Koalitionspartners, in dieser für mich persönlich schwierigen Zeit weiter forciert wurden“, verkündete Bas - und ebnete einer erneuten Debatte um die Beziehung der Koalitionsparteien den Weg.
Bärbel Bas erhoffte sich Besserung des Umgangs innerhalb der Koalition

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Markus Feldenkirchen hat Bärbel Bas zu ihrem ersten Interview seit ihrem Rücktritt getroffen. (Bild: WDR/Denise Jacobs/beckground tv)
Das Ausmaß des Streits, der ihrem Ausscheiden aus der Regierung folgte, habe sie nicht geahnt, erklärt Bas nun in ihrem ersten Interview seit dem Rücktritt. Hätte sie das getan, so hätte sie in ihrer Rücktrittserklärung auf die Kritik am Koalitionspartner verzichtet, stellt sie in der WDR-Sendung „Konfrontation: Markus Feldenkirchen trifft Bärbel Bas“ fest. Dass sie Bezug auf die Vorwürfe nahm, begründet sie damit, dass sie wolle, „dass es besser wird. Ich möchte, dass diese Koalition, - ob mir das noch einer abnimmt oder nicht - ihre Arbeit macht und zusammenhält und dass die sich untereinander mehr vertrauen.“
Vorwürfe aus Reihen von CDU und CSU, Bas würde Arbeits- und Rentenreformen blockieren, reichten bis zu indirekten Forderungen ihres Rücktritts, etwa als der Bundestagsabgeordnete Christian von Stetten (CDU) sie als „nicht mehr tragbar“ bezeichnete. Dass man so „nicht als Koalitionspartner über eine eigene Ministerin“ spricht, betont Bas auch in dem Interview mit Markus Feldenkirchen.
Ihr Schluss lautet: „Da wurde eine Kampagne gefahren.“ Zwar habe in der Öffentlichkeit ihre Person im Mittelpunkt gestanden, so die 58-Jährige. Im größeren Bild habe jedoch der Eindruck geweckt werden sollen, dass die CDU aufgrund der vermeintlichen Blockadehaltung der SPD nicht vorankomme.
„Ich habe das schon mal mitgemacht“: Bärbel Bas erlebte schon eine persönliche Tragödie
Dass Bundespolitik „auch gnadenlos“ sei, wisse sie. Nach dem Tod ihrer Stieftochter habe ihr jedoch die Kraft dafür gefehlt. „Ich habe das schon mal mitgemacht“, führte die SPD-Politikerin ihre persönliche Situation weiter aus. Ihr Ehemann Siegfried Ambrosius ist bereits 2020 an den Folgen einer Infektion verstorben. Zwei Wochen vor Bas' Rücktritt starb Ambrosius' leibliche Tochter Daniela nach langer, schwerer Krankheit.
Dass ihr die Zeit, die sie brauche um den Verlust zu verarbeiten, „keiner geben“ würde, habe sie gewusst: „Das ist halt so, wenn man solche politischen herausragenden Ämter hat. Da kann man nicht drauf hoffen, dass einem die Zeit gegeben wird.“ Die Entscheidung für den Rücktritt sei „ein radikaler Schnitt“ gewesen. „Aber für mich war der notwendig.“
„Konfrontation: Markus Feldenkirchen trifft Bärbel Bas“ ist am Montag, 2. November, ab 17 Uhr über die ARD Mediathek abrufbar. Die lineare Ausstrahlung der um eine halbe Stunde gekürzten Fassung folgt um 21.45 Uhr im Ersten. Die komplette Fassung ist dann um 22.15 Uhr im WDR Fernsehen zu sehen. (tsch)
