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Bärbel Bas bricht ihr Schweigen„Manchmal schwer, morgens überhaupt aufzustehen“

Bärbel Bas hat ihre Stieftochter im Hospiz begleitet.

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Bärbel Bas hat ihre Stieftochter im Hospiz begleitet.

Nach dem Tod ihrer Stieftochter hat SPD-Chefin Bas alle politischen Spitzenämter aufgegeben. In einem ersten Interview spricht sie über die Zeit der Sterbebegleitung – und ihren Ärger über die Union.

„Es ist schon manchmal schwer, morgens überhaupt aufzustehen, wenn man sich fragt: wofür?“  Bärbel Bas (58), frühere SPD-Chefin und Bundesarbeitsministerin, hat in einem ersten Interview nach ihrem Rücktritt ausführlich über ihre Beweggründe gesprochen.

Der Tod ihrer krebskranken Stieftochter Ende September habe sie hart getroffen. „Wir waren sehr eng zusammen über viele Jahre“, sagte Bas. Während der Sterbebegleitung im Hospiz habe sie gemerkt, „dass mir die Kraft ausgeht“, erzählte sie in dem Interview für die ARD-Sendung „Konfrontation: Markus Feldenkirchen trifft Bärbel Bas“.

Bas kritisiert „Schweigekultur“ über Phasen der Schwäche

Um aus dieser Situation wieder herauszukommen, brauche sie Zeit. Doch die gebe es in politisch herausragenden Ämtern nicht. „Ich hatte den Kopf nicht frei für Dienstliches, für Politisches. Und ich wusste, ich brauche länger, ich kann nicht sofort wieder zurück.“ Deshalb habe sie die Entscheidung getroffen, von ihren politischen Spitzenämtern zurückzutreten.

Am 12. Oktober hatte Bas ihre Entscheidung öffentlich gemacht. Die 58-Jährige sitzt aber weiterhin als Abgeordnete für den Wahlkreis Duisburg I im Bundestag.

In der Politik gebe es eine große Härte. „Oft gibt es kaum Menschlichkeit in diesem politischen Betrieb. Selbst wenn Menschen länger krank sind, wird da kaum drüber gesprochen. Es gibt so eine Art Schweigekultur, weil keiner will sich schwach zeigen in diesem harten politischen Geschäft“, sagte Bas.

In ihrer Rücktrittserklärung hatte sich die 58-Jährige auch massiv darüber beklagt, dass in dieser für sie persönlich schwierigen Zeit die Angriffe aus den Reihen des Koalitionspartners CDU/CSU auf sie weitergegangen seien. Rückblickend hätte sie diese Kritik wohl nicht so formuliert, sagte Bas nun. Wenn sie geahnt hätte, welches Ausmaß der dadurch ausgelöste Koalitionsstreit annehmen würde, hätte sie auf ihre Kritik an der Union verzichtet.

Bas hat Merz nicht persönlich über Rücktritt informiert

Zugleich äußerte sie sich in dem ARD-Interview kritisch über die Rolle von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Sie habe Merz über ihre private Lage informiert und sich auch über die Angriffe aus dessen Partei beschwert. Aus der CDU sei eine regelrechte Kampagne gegen sie und die SPD gefahren worden. „Er hat mir auch versichert, er kümmert sich. Es hat aber keinen Anklang gefunden“, sagte Bas über Merz. Über ihren Rücktritt habe sie mit Merz nie gesprochen – der Kanzler sei von ihrem Co-Parteivorsitzenden Lars Klingbeil (SPD) darüber informiert worden.

Aber auch aus ihrer eigenen Partei habe sie Rückendeckung vermisst. An die Regierungspartner appellierte sie: „Ihr müsst besser miteinander umgehen. Sonst wird das nix.“ (dpa/red)