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Humor in KrisenzeitenCarolin Kebekus: „Eine der schönsten Fernseherfahrungen, die ich je gemacht habe“

Neue Folgen von „Die Carolin Kebekus Show“ mit der gleichnamigen Moderatorin gibt es ab Donnerstag, 22. Oktober, wöchentlich, um 23.35 Uhr, im Ersten.  (Bild: WDR/Ben Knabe)

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Neue Folgen von „Die Carolin Kebekus Show“ mit der gleichnamigen Moderatorin gibt es ab Donnerstag, 22. Oktober, wöchentlich, um 23.35 Uhr, im Ersten. (Bild: WDR/Ben Knabe)

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„Die Carolin Kebekus Show“ ist zurück: Sieben neue Folgen der Comedyshow laufen ab 22. Oktober immer donnerstags im Ersten. Was das Publikum in der neuen Staffel erwartet und wie Humor in Krisenzeiten funktioniert, verrät die 46-Jährige im Interview.

Carolin Kebekus ist derzeit ohne Frage gut beschäftigt: Anfang Oktober wurde bekannt, dass die 46-Jährige die Leitung der achten Staffel der Amazon-Prime-Show „LOL: Last One Laughing“ von Michael „Bully“ Herbig übernimmt.

Los geht es an Ostern 2027. In der zwölften Staffel von „Wer stiehlt mir die Show?“ (ab Sonntag, 1. November, wöchentlich, um 20.15 Uhr, ProSieben) tritt die gebürtige Kölnerin zusammen mit Moritz Wagner und Knossi gegen Joko Winterscheidt an.

Carolin Kebekus über Krisenzeiten und Wechseljahrsbeschwerden

Und dann geht auch noch ihre eigene ARD-Comedysendung „Die Carolin Kebekus Show“ in eine neue Staffel: Sieben Folgen sind ab Donnerstag, 22. Oktober, wöchentlich, um 23.35 Uhr, im Ersten, sowie bereits um 19.30 Uhr in der ARD Mediathek zu sehen. Neben dem gewohnten Genre-Mix aus Stand-up, Musik und Sketchen sowie prominenten Gästen wie Motsi Mabuse, Hazel Brugger, Esther Sedlaczek und Mai Thi Nguyen-Kim erwartet das Publikum wieder eine bunte Themenvielfalt.

Im Interview spricht die Mutter eines Kindes über Humor in Krisenzeiten, traumatisierende Kinderbücher und die Frage, warum Wechseljahrsbeschwerden so lange als Tabuthema galten.

teleschau: Frau Kebekus, die Themenankündigung zu den neuen Folgen von „Die Carolin Kebekus Show“ ist wie immer bunt gemischt: Es soll unter anderem um den Hype um die 2000-er, Female Gaze und das schlechte Image der Wechseljahre. Worauf freuen Sie sich in dieser Saison am meisten?

Carolin Kebekus: Gestern hatten wir in der Redaktion ein sehr lustiges Brainstorming zu den Themenfeldern weibliche Lust und Sexualität. Das Thema finde ich super spannend: Wie empfinden Frauen Lust? Oder was bereitet Frauen Lust - auch im Vergleich zu den Männern? Lange Zeit dachten Frauen, sie müssten dasselbe gut finden wie ein Mann. Das hat sich inzwischen total geändert. Inzwischen hat man herausgefunden, dass Frauen mehr auf Audioreize reagieren. Ich wusste zum Beispiel gar nicht, dass es inzwischen erotische Hörspiele gibt. Auf der Buchmesse gab es einen extra Stand, an dem ein Mann mit sexy Stimme etwas vorgelesen hat. (lacht) Darüber hinaus finde ich natürlich das Thema Menopause spannend.

teleschau: Warum?

Kebekus: Ich bin jetzt 46. Es dauert also wahrscheinlich auch nicht mehr so lang, bis die Menopause bei mir beginnt. Tatsächlich merke ich die Vorboten manchmal schon. Ich erinnere mich noch daran, als meine Mutter in die Wechseljahre gekommen ist. Ihr lief teilweise aus dem Nichts plötzlich der Schweiß runter. Aber meine Omas sagten: „Das hab ich bei mir damals gar nicht gemerkt.“

Über den „sendungsübergreifenden Unterricht“ mit Mai Thi Nguyen-Kim

teleschau: Denken Sie aus heutiger Sicht, dass Ihre Großmutter wirklich nichts von den Wechseljahrsbeschwerden mitbekommen hat? Oder hat man zu der damaligen Zeit einfach nicht darüber gesprochen?

Kebekus: Ich glaube, dass Frauen ein anderes Verständnis davon haben, was sie aushalten müssen und was nicht. Für uns stellt sich die Frage: Ab welchem Schmerzgrad gehe ich denn überhaupt zum Arzt? Und wenn ich gehe, wird mir dann geglaubt oder heißt es am Ende: „Naja, keine Ahnung. Entspann dich mal und leg dich hin.“ Ähnlich war es wahrscheinlich auch bei meiner Oma: Sie hatte das Gefühl, dass sie nicht sagen darf, dass es ihr schlecht geht. Stattdessen wurde erwartet, dass sie durchzieht. Hinzukommt, dass eine Mutter, die sich um den Haushalt und die Kindererziehung kümmert, einfach nicht ausfallen durfte. Denn was sollten denn die Nachbarn denken, wenn bei mir plötzlich eine Putzhilfe kommt? Das ist ein super spannendes Thema, das jetzt natürlich ernster klingt, als wir es am Ende anpacken werden. In unserer Sendung zu dem Thema haben wir Mai Thi Nguyen-Kim zu Gast. Sie behandelt das Thema wiederum wissenschaftlich in ihrer ZDF-Sendung „MAITHINK X - Die Show“, die derzeit im ZDF-Streamingportal abrufbar ist, und in der wiederum ich zu Gast war. So geben wir beide im Grunde sendungsübergreifenden Unterricht zu dem Thema. Das finde ich ziemlich cool.

„Je heikler das Thema ist, desto besser muss dann natürlich auch der Witz sein“, erklärt die Komikerin Carolin Kebekus im Interview.  (Bild: 2021 Getty Images/Andreas Rentz)

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„Je heikler das Thema ist, desto besser muss dann natürlich auch der Witz sein“, erklärt die Komikerin Carolin Kebekus im Interview. (Bild: 2021 Getty Images/Andreas Rentz)

teleschau: Wer bestimmt eigentlich, welche Themen es in „Die Carolin Kebekus Show“ schaffen?

Kebekus: Das ist eine gemeinschaftliche Entscheidung von mir und der Redaktion. Wir haben lange im Voraus immer ein Treffen, bei dem wir die Themen, die uns interessieren, auf den Tisch bringen. Dabei merken wir dann recht schnell, was ein spannendes Thema ist und wo es uns schwerfällt, einen Zugang dazu zu finden. Meistens sind wir uns da auch sehr schnell einig, obwohl wir innerhalb der Redaktion ein sehr großes Altersspektrum haben. Wir haben sehr junge Kolleginnen und Kollegen, während unser Headwriter und ich die Ältesten sind.

teleschau: Welche prominente Person würden Sie gerne einmal in Ihrer Sendung begrüßen?

Kebekus: (überlegt) Es gibt Gäste, die ich wahnsinnig toll fand und die ich gerne nochmal in der Sendung hätte: Annette Frier zum Beispiel oder Anna Dushime. Teddy Teclebrhan war auch ein toller Gast.

„Je heikler das Thema ist, desto besser muss dann natürlich auch der Witz sein“

teleschau: Welche Rolle spielen Humor und Comedy gerade in den aktuellen Zeiten, die ja alles andere als lustig sind, für Sie?

Kebekus: Humor ist für mich ein Mechanismus, um die Absurdität von unserer Gesellschaft auf den Punkt zu bringen. Wenn wir in der Sendung ansprechen, wie absurd es war, als es die Pille danach nicht rezeptfrei gab, dann ist das natürlich erstmal ein ernstes Thema. Aber wenn dann alle über diese Absurdität lachen, dann kann hinterher auch keiner mehr sagen: „Ich verstehe deinen Punkt nicht.“ Genau das mag ich: Dass wir nicht so wahnsinnig viel über ein Thema diskutieren, sondern es auf eine oder mehrere gute Pointen herunterbrechen. Aber je heikler das Thema ist, desto besser muss dann natürlich auch der Witz sein.

Carolin Kebekus ist seit Jahren eine feste Größe in der deutschen Comedy-Landschaft: Seit 2013 ist sie unter anderem in dem ZDF-Satireformat „heute-show“ zu sehen.  (Bild: 2022 Getty Images/Andreas Rentz)

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Carolin Kebekus ist seit Jahren eine feste Größe in der deutschen Comedy-Landschaft: Seit 2013 ist sie unter anderem in dem ZDF-Satireformat „heute-show“ zu sehen. (Bild: 2022 Getty Images/Andreas Rentz)

teleschau: Wo verläuft Ihre Grenze von Humor, wenn es um schwierige Themen geht?

Kebekus: Es gibt kein Thema, an dem ich grundsätzlich dran vorbeigehen würde. Im Gegenteil: Wenn es ein Thema gibt, das ich kritisch betrachten will, weil ich es gesellschaftlich relevant finde, dann fällt mir dazu auch ein Witz ein. Natürlich muss ich mich dann zuerst ein bisschen in das Thema einlesen. Und ich muss mir die Frage stellen: Was will ich mit meinem Witz erreichen? Hinzukommt, dass nicht jedes Thema eines ist, das sich mit einer schnellen Pointe abhandeln lässt. In unserer Redaktion gibt es auch oft Situationen, in denen ich einen Boomer-Witz mache, woraufhin mich meine jüngeren Kolleginnen angucken und sagen: „Das sagt oder macht man aber nicht mehr.“

„Ich war hoch traumatisiert vom 'Suppenkaspar'“

teleschau: In der neuen Staffel von „Die Carolin Kebekus Show“ werden kurz auch Kinderbücher Thema sein. Was waren Ihre Lieblingstitel als Kind?

Kebekus: An die allerersten Bücher aus meiner Kindheit erinnere ich mich nicht. Bei meiner Oma war natürlich „Der Struwwelpeter“ noch ein ganz großes Thema. Ich war hoch traumatisiert vom „Suppenkaspar“ und der Tatsache, dass er gestorben ist, weil er nicht aufessen wollte. Deshalb habe ich mir die Suppe reingezwungen und mehrfach bei meiner Oma auf den Teppich gebrochen, weil ich einfach viel zu viel gegessen habe. Bis heute lass ich deshalb immer einen kleinen Rest auf dem Teller liegen. Ich erinnere mich auch noch an „Pippi Langstrumpf“, an Janosch und an Michael Ende, da war ich dann natürlich schon ein bisschen älter. Aber heutzutage gibt es so bescheuerte Kinderbücher, das kann man sich nicht vorstellen!

teleschau: Zum Beispiel?

Kebekus: Wir haben eins, das muss ich noch irgendwie verschwinden lassen, weil es eines der Lieblingsbücher meines Kindes ist: Darin geht es um einen schüchternen Dinosaurier. Der ist eigentlich happy: Also er ist glücklich, er beobachtet Vögel und Insekten. Kurz gesagt: Er ist gut so wie er ist. Seine Eltern veranstalten aber immer wieder Partys und laden die ganze Nachbarschaft ein. Der Baby-Dinosaurier sagt dann: „Das ist mir zu viel, ich will das nicht.“ Und die Moral von diesem Buch ist: „Wenn du auch so schüchtern bist, sei anders! Sei doch nicht schüchtern, geh doch auf die Party und singe einfach mit!“ Mein Kind ist zwar alles andere als schüchtern, aber ich finde diese Message ist einfach so blöd!

Im Interview erinnert sich Carolin Kebekus unter anderem an die Bücher ihrer Kindheit.  (Bild: 2022 Getty Images/Joshua Sammer)

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Im Interview erinnert sich Carolin Kebekus unter anderem an die Bücher ihrer Kindheit. (Bild: 2022 Getty Images/Joshua Sammer)

teleschau: Versuchen Sie dem Kind dann zu erklären, warum das Buch schwierig ist, oder ist es dafür noch zu klein?

Kebekus: So langsam schon, weil das Kind natürlich auch anfängt zu fragen: „Warum will der Dinosaurier nicht auf die Party gehen?“ Das beantworte ich ihm dann natürlich auch.

teleschau: Wie wichtig ist es Ihnen, Ihre Lieblingsbücher aus der Kindheit an Ihr Kind weiterzugeben?

Kebekus: Sehr wichtig! Wir sind eine große Familie, in der schon mehrere Leute Listen angelegt haben, welches Buch das Kind wann unbedingt lesen muss. Vor der letzten Geburtstagsfeier haben wir auch gesagt: „Ey, bevor wir jetzt wieder total viel Plastikspielzeug geschenkt bekommen, schenkt doch einfach euer Lieblingsbuch aus der Kindheit.“ Deswegen haben wir jetzt super viele richtig tolle Bücher.

„Eine der schönsten Fernseherfahrungen, die ich je gemacht habe“

teleschau: Zum Abschluss: Woran arbeiten Sie abgesehen von „Die Carolin Kebekus Show“ aktuell beruflich?

Kebekus: Anfang November bin ich bei „Wer stiehlt mir die Show?“ zu sehen. Darauf freue ich mich sehr! Ich habe ja schon viel im Fernsehen gemacht, viel erlebt und viel gesehen. Aber das ist eine Sendung, in die ich immer schon wollte. Das hat bislang aber nie funktioniert, weil sich unsere Sendezeiträume überschnitten haben. Umso glücklicher war ich, dass es jetzt geklappt hat, und ich wurde nicht enttäuscht. Es war wirklich eine der schönsten Fernseherfahrungen, die ich je gemacht habe. Das macht so einen Spaß! Ich hoffe, das überträgt sich auch aufs Publikum.

teleschau: Mit welcher Strategie wollen Sie Joko und die anderen Kandidaten schlagen?

Kebekus: Die Folgen sind bereits aufgezeichnet. Ich habe es mit Allgemeinwissen versucht. Aber diese „Leichten Fünf“ vom Anfang immer... Die sind ja überhaupt nicht leicht! Wenn ich zum Beispiel eine Flagge malen soll: Kommt bei Holland jetzt erst blau oder erst rot? Das ist die Hölle! Da gab es schon ein paar peinliche Momente.

teleschau: Sind Sie eine gute Verliererin?

Kebekus: Ja, schon ... Aber ich gewinne lieber! (lacht) (tsch)