Ein von Trump geschasster Kommunikationschef, ein Comedian als Politologe und ein CDU-Mann, der Trump „engagiert halten“ will: Bei „Maybrit Illner“ prallen die Ansichten über Europas Umgang mit dem US-Präsidenten und dessen Ukraine-Politik aufeinander.
Arbeitet Checkliste von Putin abEx-Sprecher Scaramucci rechnet bei Illner mit „kompromittiertem“ Trump ab

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Anthony Scaramucci war 2017 zehn Tage lang Kommunikationsdirektor von Donald Trump. Bei Illner rechnete er mit dem US-Präsidenten ab. (Bild: ZDF/Svea Pietschmann )
Hatte Anthony Scaramucci auf „Worte des Mitgefühls“ gehofft, wurde er von Maybrit Illner am Donnerstagabend rasch enttäuscht. „Das hätte ich besser anmoderieren müssen“, räumte sie in der Talkshow zum Thema „Trumps Kampf um die Macht - wie gefährlich ist das für die Welt?“ reumütig ein. Der aus New York zugeschaltete US-Unternehmer spielte auf seinen 2017 aufgestellten Kurzzeitrekord als Kommunikationsdirektor von Donald Trump an, den Katie Zacharia jüngst gebrochen hat. „Das ging schnell“, meinte Scaramucci, der in Trumps erster Amtszeit nur rund 10 Tage im Amt war. „Sie ist ein Vollblutrennpferd, das mich überholt und aus dem 'Guinness-Buch der Rekorde' geworfen hat.“
Überrascht hat ihn die Aktion seines früheren Arbeitgebers offenbar wenig. Trump habe sich nicht verändert. Der Unterschied zwischen seiner ersten und dieser Amtszeit seien lediglich die Menschen um ihn herum, erklärte Scaramucci: „Sie lassen ihn all das machen, was er machen möchte.“
Scaramucci selbst dagegen „reflektiver“ geworden. Vor zehn Jahren habe er sich kaum vorstellen können, dass Trump das Land in diese Richtung lenken würde, räumte er seinen Irrtum ein. Schnell sei ihm aber klar geworden, dass der Republikaner die Lage der arbeitenden Bevölkerung nicht verbessern werde. Dabei sei er genau deshalb gewählt worden. Clinton, Bush und Obama „waren alles gute Menschen mit guten Absichten, amerikanische Patrioten, die versucht haben, das Richtige zu tun“, erklärte Scaramucci. Doch Handelspolitik, Kriege im Nahen Osten und Inflation hätten den Lebensstandard vieler Menschen getroffen. Die Unzufriedenheit habe erst Tea Party und Occupy Wall Street hervorgebracht und schließlich die Maga-Bewegung und Trump.
„Ich denke, er ist kompromittiert worden von Wladimir Putin“

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„Wenn sie den Rest der Welt aufteilen, wäre es schlecht. Aber egal, ob wir es gut oder schlecht finden, sie werden es ohnehin machen“, sagte CDU-Außenpolitiker Armin Laschet mit Blick auf den möglichen Dreier-Gipfel von Trump, Putin und Xi. (Bild: ZDF/Svea Pietschmann )
Seine „harsche Ansicht“ teilten vielleicht nicht alle Amerikaner, doch Scaramucci gab sich optimistisch: „Mehr und mehr entfernen sich von ihm.“ Er verwies auf Umfragen, wonach nur noch 27 Prozent mit Trumps Wirtschaftspolitik zufrieden seien. Die allgemeinen Beliebtheitswerte lägen mit 31 bis 35 Prozent auf dem niedrigsten Stand seiner Amtszeit. Auch Trumps Ukraine-Politik stoße auf Unmut: 70 Prozent der Amerikaner stünden auf der Seite Selenskyjs und seines Volkes, so Scaramucci. „Doch dem Präsidenten ist das mehr oder weniger egal“, sagt der Podcaster und Buchautor. Seine Erklärung: „Ich denke, er ist kompromittiert worden von Wladimir Putin.“ Von der Distanz zur Nato über den Handelsstreit mit Kanada bis zur Grönland-Debatte: „Man kann wirklich eine Checkliste runterlesen dessen, was sich Wladimir Putin gewünscht hat zwischen 2017 und heute. Da gibt es 25 bis 30 Punkte auf dieser Liste.“ Und Trump arbeite diese Liste offenbar ab.
Damit sich Entwicklungen wie in den USA in Europa nicht wiederholen, müsse man „von unten nach oben“ vorgehen, riet Scaramucci. Zentral sei die wirtschaftliche Freiheit: „Man muss den Menschen die Hoffnung zurückgeben, dass sie in ihrem Leben etwas erreichen können.“ Dann seien sie zufrieden mit dem Gesellschaftssystem und griffen weniger zu dem, was radikale Parteien anbieten.
Die Wirtschaftswissenschaftlerin Stormy-Annika Mildner nannte im Kölner Studio eine weitere „Stellschraube“: Kommunikation. Neben Wirtschaft und politischer Polarisierung brauche es „eine starke politische Mitte und einen starken Willen, um das, was unter Trump passiert, wieder zurückzudrehen.“
Michael Mittermeier als Politologe

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Der Comedian Michael Mittermeier versuchte sich als Politologe und Stimme der Vernunft. (Bild: ZDF/Svea Pietschmann )
Ob das auch für Deutschland gelte, fragte Illner in die Runde. „Ich glaube ja“, antwortete der aus München zugeschaltete Comedian Michael Mittermeier, der sich diesmal eher als studierter Amerikanist und Politologe einbrachte. Seine Hoffnung sei, dass die Politik wieder inhaltlich agiere: „Die Sprüche haben wir alle gehört, jetzt müssen Dinge gemacht werden!“ Wie schon CNN-Korrespondent Frederik Pleitgen sah er weniger ein Kommunikations- als ein Umsetzungsproblem. Die Regierung von Kanzler Merz müsse Reformen auf den Weg bringen, „die etwas bringen“. Demonstrationen von links oder rechts provozierten nur neue extreme Reaktionen.
„Die Mitte zu stärken, ist die große Aufgabe“, betonte auch Armin Laschet (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses und Dauergast bei „Maybrit Illner“. Gelingen könne das aber nur, „wenn wir wirtschaftlich erfolgreich sind. Solange wir in der heutigen Lage sind, verfangen wir uns in dieser Dynamik.“ In der Mitte lasse sich mit Argumenten „in aller Ruhe ein paar Dinge lösen - es ist machbar“, fügte er hinzu.
Für den Ukraine-Krieg, der ebenfalls im Fokus der Sendung stand müsse endlich eine einheitliche europäische Strategie und insbesondere ein europäischer Verhandlungsführer gefunden werden. Das zeige den Menschen, „auch wir haben Interesse am Ende dieses Kriegs“.
Armin Laschet: „Es ist unser tagtägliches Geschäft, Trump in Europa engagiert zu halten.“
Mittermeier fand es krass, dass die AfD „die Ukraine komplett aufgeben möchte und es tituliert: „Wir wollen Frieden“. Mit Putin gebe es keinen Frieden, das wisse man doch. Er hoffe auf ein gemeinsames, gestärktes Europa. Die USA bei der Stange halten zu wollen, sei allerdings aktuell vergebene Liebesmüh: „Wie lange machen wir das? Wie lange sind wir denn hinter Trump hergelaufen? Vielmehr müssen wir „ein Gegengewicht anbieten und zeigen, dass wir auch stark sind“, so der Comedian.
Laschet widersprach. „Es ist unser tagtägliches Geschäft, Trump in Europa engagiert zu halten“, sagte er und kritisierte, Selenskyj habe Trump im US-Fernsehen mit Bemerkungen provoziert. Auf Trump zu schimpfen oder „fünfmal am Tag zu sagen, es ist falsch“, ändere nichts. Man müsse anerkennen, dass er in den Verhandlungen eine prägende Figur bleibe. „Mit dieser Realität muss man umgehen und alles dafür tun, um die europäische Position einzubringen.“
Einig waren sich alle, dass Trump seine Politik nicht ändern wird. „In jedem Fall bleibt er sehr gefährlich in den nächsten zwei Jahren“, brachte es Mittereier auf den Punkt. „Wir können nur hoffen, dass in zwei Jahren Mr. Orange weg ist ... auf welchem Golfplatz er sich auch begraben lässt.“ Den ernsteren Schlusspunkt setzte Laschet mit Blick auf den möglichen Dreiergipfel von Trump, Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping. Gut wäre es, wenn sie dabei auch über nukleare Abrüstung reden würden. Nicht so gut wäre es, „wenn sie die Welt untereinander aufteilen, wenn sie über die Ukraine über die Köpfe der Ukrainer hinweg Entscheidungen fällen“, sagt Laschet: „Aber egal, ob wir es gut oder schlecht finden, sie werden es eh machen.“ Deshalb müsse Europa stärker werden. (tsch)
