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Agatha Christie trifft „Downton Abbey“Starbesetztes und ausgezeichnetes Meisterwerk läuft heute im Free-TV

Die hochnäsige Lady Sylvia McCordle (Kristin Scott Thomas) ist in einer unglücklichen Ehe mit dem deutlich älteren Sir William gefangen.
 (Bild: © Zestwick Ltd./Film Council/Sandcastle 5 Productions Inc)

Die hochnäsige Lady Sylvia McCordle (Kristin Scott Thomas) ist in einer unglücklichen Ehe mit dem deutlich älteren Sir William gefangen. (Bild: © Zestwick Ltd./Film Council/Sandcastle 5 Productions Inc)

Robert Altman verlangt dem Zuschauer mit seiner bunten Collage, in der zwei scheinbar weit voneinander entfernte Realitäten aufeinanderprallen, einiges ab. Aber er entlohnt ihn auch dafür.

In Robert Altmans „Gosford Park“ - hier eine Szene mit Kelly McDonald (rechts, als Mary) und Maggie Smith (als Lady Constance) - treffen zwei unterschiedliche Welten aufeinander: die der Belle Etage und die des Dienstpersonals.  (Bild: © Zestwick Ltd./Film Council/Sandcastle 5 Productions Inc)

In Robert Altmans „Gosford Park“ - hier eine Szene mit Kelly McDonald (rechts, als Mary) und Maggie Smith (als Lady Constance) - treffen zwei unterschiedliche Welten aufeinander: die der Belle Etage und die des Dienstpersonals. (Bild: © Zestwick Ltd./Film Council/Sandcastle 5 Productions Inc)

Der Hausherr Sir William McCordle, seine Frau Lady Sylvia, ihre Tochter Isobel, Tante Constance, Sylvias Schwester Louisa, ihr Mann Lord Raymond Stockbridge, der Ex-Offizier Lieutnant Anthony Meredith, Sylvias Schwester Lady Lavinia Meredith, Freddie Nesbitt, seine Frau Mabel, Lord Rupert Standish, der Filmproduzent Morris Weissman. Außerdem das Dienstpersonal Jennings, Mrs. Wilson, Elsie, George, Arthur, Probert, Dorothy, Lewis, Bertha, Ellen, Janet, May, Mary, Henry Denton, Robert Parks, Barnes, Renee, Sarah und Merriman. Abgesehen von einem Inspektor war's das. Es ist schon eine fast unmenschliche Gedächtnisleistung, die Star-Regisseur Robert Altman (“Short Cuts“, „The Player“) und Drehbuchautor Julian Fellowes (“Downton Abbey“) mit „Gosford Park“ (2001) den Kinobesuchern abverlangten. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass der Film an den Kassen scheiterte. Doch wer sich auf das Figurengeflecht in „Gosford Park“ (Sonntag, 8. Februar, 20.15 Uhr, ARTE) einlässt, wird dafür belohnt.

Sir William (Michael Gambon) und seine Schwägerin Louisa Stockbridge (Geraldine Somerville) trinken einen Whisky zusammen. (Bild: © Zestwick Ltd./Film Council/Sandcastle 5 Productions Inc)

Sir William (Michael Gambon) und seine Schwägerin Louisa Stockbridge (Geraldine Somerville) trinken einen Whisky zusammen. (Bild: © Zestwick Ltd./Film Council/Sandcastle 5 Productions Inc)

Und Aufmerksamkeit ist gefragt: Denn es genügt bei diesem Ensemblestück nicht, alle Gesichter allen Namen zuordnen zu können. Schließlich geht es auch um die Beziehungen der Menschen untereinander, die nicht nur auf verwandtschaftlichen Ebenen stattfinden, sondern - und das ist mindestens ebenso wichtig - auch in den Arbeitsverhältnissen. Denn jeder Angehörige der High Society, der an diesem Tag des Jahres 1932 zu Gast bei Familie McCordle (Kristin Scott Thomas und Michael Gambon) in Gosford Park ist, bringt sein Dienstpersonal mit. Zu wem also gehört Lakai 1, wer ist die persönliche Zofe Lady Sylvias? Und wer dient dem Lieutnant?

Ausgezeichnetes Drehbuch, hervorragende Darsteller

Louisa Stockbridge (Geraldine Somerville) und ihre Schwester Sylvia hatten ausgelost, welche von beiden den reichen Sir William heiraten würde.
 (Bild: © Zestwick Ltd./Film Council/Sandcastle 5 Productions Inc)

Louisa Stockbridge (Geraldine Somerville) und ihre Schwester Sylvia hatten ausgelost, welche von beiden den reichen Sir William heiraten würde. (Bild: © Zestwick Ltd./Film Council/Sandcastle 5 Productions Inc)

Es ist tröstlich und gleichsam wichtig zu wissen, dass diese Art des Memory-Spiels nicht zwingend notwendig ist, um sich bei Altmans bunter Collage zu amüsieren. Nicht alle Charaktere sind gleich wichtig, nicht allen kommt im Verlauf der Ereignisse eine besondere Bedeutung zu. Dennoch: Der minütlichen Herausforderung wird sich kaum jemand entziehen können.

Elsie (Emily Watson) informiert die neue Kammerzofe Mary über die Hausregeln. (Bild: © Zestwick Ltd./Film Council/Sandcastle 5 Productions Inc)

Elsie (Emily Watson) informiert die neue Kammerzofe Mary über die Hausregeln. (Bild: © Zestwick Ltd./Film Council/Sandcastle 5 Productions Inc)

Kernidee des Films ist eine Art Spiegelung zweier nur scheinbar weit voneinander entfernter Realitäten. Es gibt die Welt der Belle Etage. Ihr Gegenüber steht das Dienstpersonal. Viele Verhaltensmuster bilden sich eins zu eins ab. Schonungslos offenbart wird zudem die Welt der Upper Class, die untereinander kaum ein ehrliches Wort ausspricht. Für das oscarprämierte Drehbuch zeichnete Juliam Fellowes verantwortlich, der einig Jahre später mit seiner Serie „Downton Abbey“ ein ähnliches Panorama aufzeigte.

„Gosford Park“ erzählt von Intrigen und Vorurteilen, von Liebschaften und Sympathien, von Ängsten und Hoffnungen. Doch die Realitäten kommen nur zögernd an die Oberfläche, die Standesunterschiede erhalten eine Hand voll Regularien, die auch dann nicht gebrochen werden, als nach langer Spielzeit des Films endlich wirklich etwas passiert. Ein Mord nämlich, dessen Aufklärung zunehmend an Bedeutung gewinnt, der aber an sich nur symbolisch für die Dramatik steht, die sich mitunter hinter den menschlichen Masken verbirgt.

Atlmans Sittengemälde hat daher seine Stärken vor allem in den interessanten Dialogen und in den exzellenten Einzelleistungen der Darsteller, die sich in den Dienst des großen Ganzen stellen. Neben Kristin Scott Thomas und Michael Gambon sind unter anderem Maggie Smith, Charles Dance, Helen Mirren, Emily Watson, Kelly Macdonald, Ryan Phillippe und Clive Owen zu sehen. Zudem gefällt die Optik des Films: Kamera, Kostüme, Licht. Die Stimmung, die Altman und seine Crew entfachen, wirkt jederzeit authentisch. (tsch)

Etliche Publikumslieblinge sind am Sonntag (8. Februar) im ZDF nicht zu sehen.

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