Willy Fritsch war Stummfilm-Star, Tonfilm-Pionier und Publikumsliebling - und ist heute zu Unrecht viel weniger bekannt als andere deutsche Filmlegenden.
125. GeburtstagDiese Filmlegende sprach den ersten Satz im deutschen Tonfilm

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Von den 20er- bis in die 60er-Jahre war Willy Fritsch einer der größten deutschen Filmstars. (Bild: IMAGO / Allstar)

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Mit seiner Rolle in „Ein Walzertraum“ (Bild, mit Mathilde Dussin) machte Willy Fritsch auch international auf sich aufmerksam. (Bild: General Photographic Agency/Getty Images)
Über ein halbes Jahrhundert gehörte er zu den prägenden Gesichtern des deutschen Kinos - und ist doch heute weniger präsent als viele seiner Zeitgenossen: „Jeder kennt heutzutage Hans Albers oder Heinz Rühmann, Marlene Dietrich sowieso, aber an Willy Fritsch erinnert man sich nicht so wirklich mehr“, sagte seine Biografin Heike Goldbach in einem Interview mit dem „NDR“. Dabei markiert seine Karriere gleich mehrere historische Schnittstellen: vom gefeierten Stummfilmstar über den Mann, der den ersten Satz im deutschen Tonfilm sprach über den zuverlässig eingesetzten Publikumsliebling der Ufa bis zum Star von Heimatfilmen der 50er-Jahre. Am 27. Januar jährt sich sein Geburtstag zum 125. Mal.
Dass Fritsch Filmgeschichte schrieb, lässt sich an einem scheinbar beiläufigen Moment festmachen. 1929 sprach er in „Melodie des Herzens“ den ersten Satz des deutschen Tonfilms: „Ich spare nämlich auf ein Pferd.“ Ein nüchterner Satz - und doch ein Symbol für den medialen Umbruch, den das Kino gerade erlebte. Fritsch, der zu diesem Zeitpunkt bereits ein etablierter Star war, wurde so untrennbar mit dem Übergang vom Stumm- zum Tonfilm verbunden.
Ausbildung: Max Reinhardt statt Siemens

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Eine seiner populärsten Rollen: In „Die drei von der Tankstelle“ (1930) spielte Willy Fritsch (Mitte) an der Seiter von Heinz Rühmann (rechts) und Oskar Karlweis. (Bild: ARD / Degeto)
Sein Weg auf die Leinwand war keineswegs vorgezeichnet. Geboren als Wilhelm Egon Fritz Fritsch in Kattowitz, kam er nach der Pleite seines Vaters, der eine Maschinenfabrik geleitet hatte, 1912 nach Berlin. Eine Ingenieurslaufbahn schien zunächst realistischer als eine Bühnenkarriere: Fritsch begann eine Lehre bei Siemens, brach sie jedoch ab. Heimlich zog es ihn zum Theater. 1919 nahm er privaten Schauspielunterricht an der Max-Reinhardt-Schule und erhielt kleinere Rollen am Deutschen Theater, wo er unter anderem gemeinsam mit Marlene Dietrich in der zweiten Besetzung spielte. Kurz darauf begann er, Filme zu drehen.

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Das Ufa-Traumpaar der 30er-Jahre: Lilian Harvey und Willy Fritsch in der Komödie „Glückskinder“ (1936). (Bild: Concorde)
Im Kino fand Fritsch rasch seine Rolle - und sein Publikum. Spätestens mit „Seine Frau, die Unbekannte“ (1923) gelang ihm der Durchbruch. Produzent Erich Pommer erkannte sein Potenzial und band ihn fest an die Ufa. Fritsch wurde zum idealen Darsteller des eleganten, jungen Charmeurs, häufig besetzt in Komödien an der Seite von Kolleginnen wie Olga Tschechowa, Ossi Oswalda oder Lil Dagover. International bekannt machte ihn 1925 „Ein Walzertraum“. Ein Angebot von United Artists lehnte er mangels Englischkenntnissen ab - ein früher Hinweis darauf, dass Fritsch seine Karriere bewusst im deutschen Kino verortete.
Gleichzeitig war er mehr als nur der „Liebhaber-Typ“. Die Zusammenarbeit mit Kultregisseur Fritz Lang in „Spione“ (1926) und „Frau im Mond“ (1929) öffnete ihm das ernsthafte Rollenfach und trug entscheidend zu seinem Ruf als vielseitiger Filmschauspieler bei. Dennoch blieb sein Image eng mit Leichtigkeit und Eleganz verbunden - Qualitäten, die im Tonfilm noch stärker zur Geltung kamen.
Willy Fritsch in den 30er-Jahren: Ein bequemer Publikumsliebling

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Nach dem Krieg war Willy Fritsch vor allem in Heimatfilmen zu sehen, etwa in „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ (1953), gemeinsam mit der jungen Romy Schneider. (Bild: Kinowelt)
Nach dem Erfolg von „Liebeswalzer“ (1930) bildete Fritsch mit Lilian Harvey das sogenannte „Traumpaar des deutschen Films“. Zwölf gemeinsame Filme machten sie zu Fixpunkten der populären Ufa-Unterhaltung. Parallel ließ sich Fritsch gesanglich ausbilden: Lieder wie „Ein Freund, ein guter Freund“ oder „Ich wollt' ich wär' ein Huhn“ wurden zu Schlagern. Seine Popularität erreichte ein Ausmaß, das sich auch jenseits der Leinwand zeigte - etwa im Kaffeehausschlager „Ich bin in Willy Fritsch verliebt“ (1931).

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Thomas (rechts) und Willy Fritsch: 1964 standen beide Schauspieler gemeinsam für „Das hab ich von Papa gelernt“ vor der Kamera. (Bild: teleschau / Archiv)
Problematisch bleibt Fritschs Rolle in der NS-Zeit. 1933 trat er in die NSDAP ein. Seine Biografin, Heike Goldbach, interpretiert den Schritt als Folge einer „Bequemlichkeit“, zudem habe er möglicherweise „auch Angst gehabt, dass seine Karriere vorbei ist, wenn er sich da nicht absichert.“ Fritsch sei „de facto unpolitisch“ gewesen, das habe ihr auch sein Sohn Thomas Fritsch bestätigt.
Nach dem Krieg musste er sich einem Entnazifizierungsverfahren stellen, konnte aber darin schnell glaubhaft machen, dass er sich nichts zuschulden hatte kommen lassen. „Er hatte bis 1937, also vier Jahre länger als erlaubt, noch einen jüdischen Manager gehabt, hat dem dann auch geholfen, über die dunkle Zeit hinweg. Und der hat sich dann erkenntlich gezeigt und hat Willy Fritsch entlastet nach dem Krieg“, sagt Goldbach.
Als Heimatfilmstar feierte Fritsch nach dem Krieg große Erfolge
Nach dem Krieg fand Fritsch schnell wieder Anschluss: Bereits im April 1947 stand er wieder auf der Bühne - im Zirkus Hagenbeck in Hamburg in der Operette „Der Liebesexpress“. Auch im Film war er wieder zu sehen, er sei dabei ins „Heimatfach gerutscht, möglicherweise auch mit Absicht so besetzt worden“, vermutet Goldbach. Mit „Grün ist die Heide“ (1951)“, „Ferien vom Ich“ (1952) und „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ (1953) ist er in zahlreichen Kassenschlagern der Zeit zu sehen.
Seine letzte Rolle spielte er in der Verwechslungskomödie „Das hab ich von Papa gelernt“ (1964), in der er an der Seite seines Sohnes Thomas zu sehen war und der ebenfalls als Schauspieler (“Drei sind einer zuviel“, „Rivalen der Rennbahn“) Karriere machte. Einen tiefen Einschnitt bedeutete der Tod seiner Frau Dina Grace 1963, der ihn in eine tiefe Depression stürzte. Zehn Jahre später starb Willy Fritsch am 13. Juli 1973 in Hamburg im Alter von 72 Jahren an einem Herzinfarkt. (tsch)
