Didi Hallervorden sorgt mit einem Auftritt bei der CDU für einen Eklat. Seine Attacken auf Merz spalten die Partei.
„Extrem verstörend“Zoff um Hallervorden bei der CDU – Kritik auch aus Köln

Copyright: IMAGO/Future Image
Dieter Hallervorden beim Auftakt der Gesprächsreihe „Kunst braucht Freiheit“. (Archivbild)
Didi Hallervorden nutzt eine CDU-Bühne für heftige Attacken auf Kanzler Merz – und löst damit einen gewaltigen Streit aus.
Innerhalb der CDU ist ein Konflikt um einen Wahlkampfauftritt von Dieter „Didi“ Hallervorden an der Seite von Sven Schulze (CDU), dem Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, entbrannt. Der Komiker nutzte eine Veranstaltung im Rahmen einer Gesprächsreihe diese Woche für Angriffe auf Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD).
Dass Hallervorden ausgerechnet ein CDU-Event für seine Kanzler-Schelte wählte, sorgt nun für scharfe Töne und Auseinandersetzungen bei den Christdemokraten. In einem Liedbeitrag attackierte Hallervorden Merz scharf und titulierte Pistorius als „Kriegsminister“. Der Bundesregierung warf er eine falsche Außenpolitik vor. Zusätzlich wurden im Hintergrund Bilder eingeblendet, welche die Behauptung eines „Völkermordes in Gaza“ aufgriffen.
Didi Hallervorden auf Wahlkampftour mit CDU-Politiker Sven Schulze
Die Performance von Hallervorden gemeinsam mit Schulze war ursprünglich zur Mobilisierung gegen die AfD gedacht – doch Hallervorden blieb am Ende nicht bei landespolitischen Inhalten. Der Schauspieler, Komiker und Sänger erblickte in Dessau das Licht der Welt. Einen Tag vor der Landtagswahl am 6. September wird er 91 Jahre alt.

Copyright: IMAGO/Matthias Wehnert
Dieter Hallervorden und Sven Schulze bei ihrem Auftritt in Halle.
Die AfD, in Sachsen-Anhalt vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextrem bewertet, liegt dort laut Erhebungen momentan deutlich vor der regierenden CDU und allen anderen Parteien. Zusammen mit weiteren Kulturschaffenden, wie „Tatort“-Darsteller Axel Prahl und Komiker Oliver Kalkofe, hat Hallervorden aus diesem Grund eine Kampagne initiiert. Sie rät Wählerinnen und Wählern, ihre Stimme der CDU, SPD, FDP, den Grünen oder den Linken zu geben.
Didi Hallervorden: „Hallo, Herr Kriegsminister“
Zudem ist Hallervorden gemeinsam mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Schulze im Bundesland unterwegs. Im Zuge dieser Tournee kam es nun zu den Vorwürfen gegen Kanzler Merz und Verteidigungsminister Pistorius.
„Hallo, Herr Kriegsminister, Sie haben meinen Sohn gebeten, im Krieg für Sie zu töten. Marschieren Sie eigentlich selber mit?“, sang Hallervorden in Halle an der Saale über Pistorius.
„Herr Merz, wenn ihr glaubt, dass Krieg sich lohnt, kämpft doch da, wo keiner wohnt. Kämpft gefälligst auf dem Mond“, wandte sich der Komiker unterdessen an Merz.
Kritik aus Köln: „Es ist nur ein Ausschnitt – ein extrem verstörender“
Für diese Zeilen bekommt Hallervorden nun heftige Kritik aus den Reihen der Christdemokraten – und auch aus Köln. „Es ist nur ein Ausschnitt – ein extrem verstörender“, kommentierte etwa die Vorsitzende der Kölner CDU, Serap Güler, auf der Plattform X ein Video von Hallervordens Darbietung.
„Als ‚Wessi‘ will ich keine Ratschläge geben, wie man im Osten Wahlkampf in einer extrem schwierigen Lage macht. Als Christdemokratin bin ich allerdings der Überzeugung, dass diese Art in jeder Himmelsrichtung die falsche ist“, ergänzte Güler.
CDU-Generalsekretärin reagiert auf Auftritt von Didi Hallervorden
Am Samstag äußerte sich dann auch die neue Generalsekretärin der CDU, Franziska Hoppermann, mit klaren Worten zu Hallervorden, aber auch zur Wahlkampftaktik von Parteifreund Schulze in Sachsen-Anhalt. „Für die CDU Deutschlands ganz klar: Es gibt keinen Völkermord in Gaza, wir stehen an der Seite Israels und der Ukraine im Kampf gegen den Terror und Aggression“, teilte Hoppermann bei X mit.
„Wir stehen für Freiheit und wollen uns verteidigen können, damit wir es nicht müssen. Daran wird sich nichts ändern“, machte Hoppermann außerdem deutlich. Die CDU bekenne sich zur Meinungs- und Kunstfreiheit, „doch auch hier gibt es Grenzen – mindestens aber muss die Kunst mit deutlichem Widerspruch leben“, fügte die Generalsekretärin an.
Sven Schulze: „Natürlich sind wir nicht bei jedem Thema einer Meinung“
Die Berliner Parteiführung geht damit ebenfalls auf Distanz zur Kampagne von Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Schulze. Der Landespolitiker hatte Hallervordens Äußerungen mit einem Hinweis auf die Kunstfreiheit hingenommen. „Natürlich sind wir nicht bei jedem Thema einer Meinung“, äußerte Schulze gegenüber „Focus Online“. Hallervorden habe ihm mitgeteilt, er lasse sich nicht vorschreiben, was er präsentiere – und er habe dem Komiker zugesichert, „nicht reinzureden“, so der CDU-Politiker.
Von Hoppermann kam unterdessen eine klare Distanzierung – vielleicht auch, weil Hallervordens Auftritt in den sozialen Medien große Wellen verursacht hatte. Dass die CDU in Sachsen-Anhalt im Wahlkampf nicht auf Kanzler Merz bauen könne, „kann man nachvollziehen“, schrieb zum Beispiel der Politikwissenschaftler Carlo Masala auf der Plattform X. Wahlkampf gegen Merz zu führen, sei allerdings „crazy“, urteilte Masala.
Hallervorden sprach unterdessen in dieser Woche auch eine Warnung vor der AfD aus. „Wenn SPD, Grüne und FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, kann die AfD bereits mit 40 Prozent die absolute Mehrheit erreichen. Das möchte ich unbedingt verhindern“, erläuterte der Komiker seine Kampagne und seine Wahlkampfauftritte mit dem CDU-Politiker Schulze. (red)

