Der Iran-Konflikt lässt in den USA die Fetzen fliegen. Einige Medien spekulieren bereits darüber, ob sich die MAGA-Ära dem Ende naht.
Beben in den USAWar das die Woche, in der Trumps MAGA-Bewegung starb?

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Eine „MAGA“-Mütze auf einer „Super Tuesday“-Wahlparty in Mar-a-Lago im vergangenen Jahr.

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In Donald Trumps MAGA-Lager rumort es gewaltig, ausgelöst durch den Konflikt im Nahen Osten.
Eine steigende Zahl bekannter Förderer und treuer Begleiter kehrt ihm den Rücken. Dahinter steckt der zunehmende Frust etlicher Republikaner über den Krieg, die ehemals feste Einheit bröckelt. „Newsweek“ titelt gar: „War dies die Woche, in der MAGA starb?“
Kein Wunder: Für Trump startete die Woche vom 6. April übel, denn seine Popularität fiel in den 30-Prozent-Bereich. Nachdem der Iran die Straße von Hormus quasi dichtgemacht hatte, reagierte der Präsident mit düsteren Warnungen. Teherans Regierung bekam eine Frist bis Dienstag, um die Wasserstraße freizugeben, andernfalls würden sie „in der Hölle schmoren“.
Dieses Ultimatum ließ der Iran verstreichen, woraufhin Trump drohte, dass „eine ganze Zivilisation sterben wird“. Am Ende kam es zu einer zweiwöchigen Feuerpause, die Trump als einen „totalen und vollständigen Sieg“ bejubelte. Ganz anders sah das sein Vize JD Vance. Er erklärte nur einen Tag darauf den Reportern, dass es ein „legitimes Missverständnis“ bezüglich der Bedingungen des Waffenstillstands gegeben habe.
Abrechnung früherer Anhänger: „Unverantwortlich und ekelhaft“
Die Feuerpause hat den Unmut in Trumps Reihen aber keineswegs besänftigt. Viele rechte Meinungsmacher, die ihn damals an die Macht brachten, machen ihm jetzt den Vorwurf, sein Gelübde gebrochen zu haben, „keine neuen Kriege“ zu beginnen.
Prominente wie Tucker Carlson, Megyn Kelly und Candace Owens, die einst als seine treuesten Unterstützer galten, sind wegen der „Operation Epic Fury“ auf Abstand gegangen.

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Tucker Carlson (hier 2024 während der Republican National Convention) geht auf Abstand zu Trump.
Für Carlson ist Trumps Handeln ein „Einknicken“ vor den Interessen Israels. Seine Drohung, eine ganze Zivilisation auszulöschen, nannte Kelly „unverantwortlich und ekelhaft“.
Owens forderte sogar den Kongress auf, mittels des 25. Verfassungszusatzes den Präsidenten aus dem Amt zu entfernen. Der rechte Provokateur Alex Jones unterstützte diesen Aufruf ebenfalls. Und seine frühere Top-Verbündete im Kongress, Marjorie Taylor Greene, bezeichnete Trumps Drohgebärden in einer CNN-Sendung als „Wahnsinn“.
Doch anstatt zu deeskalieren, schlug Trump am Donnerstag zurück. Mit einer fast 500 Wörter umfassenden Tirade auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social titulierte er Carlson, Kelly, Owens und Jones als „SPINNER, UNRUHESTIFTER“.

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Auf Truth Social rechnet Trump mit seinen ehemaligen Unterstützern ab.
Er jammerte, sie seien von „Marjorie ‚Verräterin‘ Brown“ – sein Spitzname für Greene – beeinflusst worden. „Sie sind nicht ‚MAGA‘, sie sind Verlierer“, setzte der Post nach. Greene schoss auf X zurück: „Ich habe an der Seite von Tucker Carlson, Megyn Kelly, Candace Owens und Alex Jones gekämpft, um Trump zur Wahl zu verhelfen. Und jetzt rastet er in einem wirren Wutausbruch aus und greift uns alle in einem einzigen Post an.“
Fachleute: Spaltung der Bewegung zeichnete sich schon ab
Etliche dieser Zerwürfnisse sind weder neu noch haben sie ihre Wurzeln direkt im Krieg. Auch der Umgang des Justizministeriums mit den Jeffrey-Epstein-Akten wurde zu einem Dauerbrenner für die MAGA-Anhänger.
Trump hatte zunächst Transparenz im Missbrauchsfall versprochen, später wollte er davon nichts mehr wissen. „Ein Großteil der Risse geht auf Trumps Umgang mit der Epstein-Untersuchung zurück“, erklärt Mark Wheeler, Professor für politische Kommunikation an der London Metropolitan University.

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Die Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA ist brüchig. US-Präsident Donald Trump warnte vor einem Scheitern der Verhandlungen und drohte mit neuen Angriffen.
Laut Wheeler hat der Krieg aber „tief sitzende ideologische Spannungen“ im rechten Lager Amerikas noch weiter angeheizt, wie er „Newsweek“ weiter mitteilte. Und Mark Shanahan, Professor an der Surrey University, ergänzte: „Seine Unfähigkeit, große Teile der US-Öffentlichkeit von der Notwendigkeit dieses Krieges zu überzeugen, vergrößert die bestehenden Brüche.“
„Scheiß auf MAGA. Es ist tot. Es ist tot“
Die Kluft zwischen den MAGA-Meinungsmachern und Trump brachte manche dazu, ihr Aus zu verkünden. Der Rücktritt von Joe Kent, dem Anti-Terror-Chef, schlug Mitte März große Wellen. Er war der erste Beamte der Trump-Regierung, der aus Protest gegen den Krieg zurücktrat. „Scheiß auf MAGA. Es ist tot. Es ist tot“, schrieb der rechtsextreme Aktivist Nick Fuentes diese Woche. Trump habe keine „jungen Fans“ mehr.
Ähnlich äußerte sich Carrie Prejean Boller, eine ehemalige Beamtin der Trump-Regierung. Sie erklärte in der Sendung „Piers Morgan Uncensored“, dass sie den Präsidenten, den sie als „lieben Freund“ bezeichnete, nicht mehr erkenne. „Wir sehen jetzt, dass dieser Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika von einer ausländischen Regierung beeinflusst wird“, sagte sie. „Und MAGA, ich sage Ihnen, MAGA ist tot. Es ist endgültig tot, und die Amerikaner sind wütend. Wir erkennen Präsident Donald J. Trump nicht mehr an.“
Trotzdem: Auch wenn sich prominente Köpfe von Trump distanzieren, zeigen Umfragen, dass der Präsident seine Anhängerschaft nach wie vor kontrolliert.
Eine Erhebung von CNN belegt, dass zumindest die meisten republikanischen Wähler hinter dem Konflikt stehen. Eine Umfrage von Economist/YouGov zwischen dem 6. und 9. März offenbarte sogar, dass sich so viele Republikaner wie nie zuvor mit der MAGA-Bewegung identifizieren. Wie sehr der Krieg Trump und seiner MAGA-Bewegung schadet, wird sich spätestens in den Zwischenwahlen (Midterms) im Herbst zeigen. (mg)

