Kurz vor dem Krieg Unfassbares Putin-Telefonat mit Macron: „Ich spreche gerade von der Sporthalle aus“

Der französische Präsident Emmanuel Macron (hier am 27. Juni beim G7-Gipfel) telefonierte vier Tage vor Kriegsbeginn mit Putin – und versuchte verzweifelt, ihn von seinem Vorhaben abzubringen.

Der französische Präsident Emmanuel Macron (hier am 27. Juni beim G7-Gipfel) telefonierte vier Tage vor Kriegsbeginn mit Putin – und versuchte verzweifelt, ihn von seinem Vorhaben abzubringen.

Vier Tage vor dem russischen Einmarsch in die Ukraine sprach der französische Präsident mit Putin. Am Telefon versuchte Emmanuel Macron den Kremlchef irgendwie zu besänftigen. In einer neuen Doku ist das Gespräch nun zu hören. Es zeigt einen unfassbaren Moment, in dem Putin erklärte, er habe Besseres zu tun. 

Am 24. Februar starten russische Truppen ihren Angriff auf die Ukraine, zahlreiche Städte überall im Land werden bombardiert, ein riesiger Konvoi rückt auf Kyjiw vor. Putins brutale Invasion dauert nun schon vier Monate lang an, sein Angriff schockiert die gesamte Welt. 

Doch er war nicht unvorhersehbar. Das zeigt auch ein Telefonat zwischen Putin und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf, das nun vom Élysée-Palast veröffentlicht worden ist. Es fand vier Tage vor Putins Einmarsch statt – und wurde damals für eine Dokumentation über Macron gefilmt.

Das Gespräch zeigt, wie verzweifelt Macron versuchte, Putin von einem Angriff abzubringen. Und wie Putin diese Bemühungen an sich abprallen ließ. Es ist voller Anspannung, schließlich geht es um die Zukunft Europas – und voller bizarrer Momente. 

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Das Gespräch zwischen Macron und Putin fand am Morgen des 20. Februar statt, vier Tage, bevor die ersten Bomben in der Ukraine fielen und die ersten Panzer ins Land rollten.

Der französische Dokumentarfilmer Guy Lagache hielt im Élysée-Palast die Kamera auf den französischen Präsidenten, als dieser mit Moskau telefonierte – im Rahmen seiner Dokumentation „Un président, l’Europe et la guerre“ (Ein Präsident, Europa und der Krieg), die am 30. Juni vom französischen Fernsehsender France 2 ausgestrahlt werden soll. Die Zeitung „20 minutes“ zitierte aus dem Gespräch.

Putin telefoniert mit Macron kurz vor dem Krieg: „Vielen Dank, Emmanuel“

„Vielen Dank, Emmanuel“, sagte Putin demnach in dem Telefonat, „es ist immer eine große Freude, mich mit dir auszutauschen, denn wir haben ein Vertrauensverhältnis“. Macron äußerte ganz unverblümt seine Bitte: „Ich möchte, dass du mir zuerst deine Einschätzung der Situation mitteilst und mir vielleicht ganz direkt, wie es unsere Gewohnheit ist, sagst, was deine Absichten sind.“

Putin entgegnete: „Was kann ich sagen? Du selbst siehst, was passiert.“ Er begann, seine Sicht auf Wolodymyr Selenskyj zu verbreiten. Er schimpfte über den ukrainischen Präsidenten, beschuldigte die Ukraine, das Minsker Abkommen gebrochen zu haben. „Tatsächlich unternimmt unser lieber Kollege Selenskyj nichts, um es einzuhalten.“ Putin erklärte, Kyjiw strebe angeblich nach Atomwaffen. „Er lügt dich an“, sagte er über Selenskyj. 

Putin telefoniert mit Macron, der wird sauer – „Vorschläge interessieren uns nicht“

Macron wiederum wies diese Behauptungen wütend zurück. „Ich weiß nicht, wo dein Rechtsberater Jura studiert hat!“ Putin kam dann auf die Separatisten in der Ostukraine zu sprechen, lobte die jüngsten Vorschläge aus den selbsternannten Volksrepubliken. Macron schnauzte zurück: „Aber die Vorschläge der Separatisten interessieren uns nicht. Was du mir sagst, lässt Zweifel an deiner Verhandlungsbereitschaft aufkommen.“

Er versuchte dennoch, die Rolle des Vermittlers zu spielen, erklärte, er wolle auch Selenskyj dazu bringen, „alle zu beruhigen“, nicht nur in den Streitkräften, sondern auch in den sozialen Medien. „Gib in den kommenden Stunden und Tagen keinen Provokationen jeglicher Art nach“, forderte er von Putin. Dann schlug er einen Gipfel mit US-Präsident Joe Biden vor. Putin erhob keine Einwände, zeigte sich aber auch nicht sonderlich interessiert an einem Termin. 

Putin zu Macron: „Ich spreche gerade schon von der Sporthalle aus“

„Danke auf jeden Fall, Wladimir. Wir bleiben in Echtzeit in Kontakt. Wenn es etwas gibt, ruf mich an“, sagte Macron dann. „Ich danke dir, Herr Präsident“, sagte Putin und wechselte dann ins Französische. „Um ehrlich zu sein, wollte ich gerade Eishockey spielen gehen. Ich spreche gerade schon von der Sporthalle aus.“

Zum Zeitpunkt des Telefonats hielten Russland und Belarus bereits Militärübungen an der Grenze zur Ukraine ab. Auf diese angesprochen, wiegelte Putin sofort ab. Es schien, als wolle er das Gespräch schnell beenden wollen, als wolle er klarmachen, er habe jetzt Besseres zu tun. Ein bizarrer Moment.

Vier Tage nach diesem Telefonat beginnt Putin seine Invasion in der Ukraine. Ein Krieg, der bis heute unerbittlich tobt. Auch danach führte Macron noch Gespräche mit Putin, versuchte ihn von einem Ende seines Vorhabens zu überzeugen – mittlerweile ist der Dialog versiegt. „Wir haben ihn nicht überzeugen können und er ist in die Ukraine einmarschiert“, sagte Macron den Filmemachern. „Und ich dachte, dass wir durch Vertrauen und intellektuelle Diskussionen einen Weg mit Putin finden könnten“

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