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Seitenhieb gegen KremlchefUkraine greift Ziele tief in Russland an – Kyjiw hat sein Starlink zurück

Eine in Telegram-Kanälen kursierende Aufnahme soll einen Brand in einem Ozon-Logistikzentrum im russischen Omsk zeigen.

Copyright: Screenshot/Telegram/Exilenova+

Eine in Telegram-Kanälen kursierende Aufnahme soll einen Brand in einem Ozon-Logistikzentrum im russischen Omsk zeigen.

Drohnen und Raketen treffen Ziele in Russland. Selenskyj meldet stabiles Starlink – und stichelt gegen Putin.

Drohnen, Raketen, Einschläge – und zwar mitten in Russland. Gleich aus mehreren russischen Regionen kamen am Samstag (24. Oktober) Meldungen über Attacken aus der Luft. Dahinter stecken erneut die ukrainischen Streitkräfte.

Für Kyjiw gab es an diesem Tag noch eine zweite Nachricht, die aufatmen lässt: Mit Starlink bestehe wieder eine „stabile Verbindung“. Vorher hatte der amerikanische Satelliten-Internetdienst gedrosselt – was für ordentlich Verwerfungen mit Washington sorgte.

Angriffe auf mehrere Ziele in Russland

Getroffen wurde laut ukrainischem Generalstab unter anderem ein Rüstungsbetrieb im russischen Gebiet Orjol. Dort werden elektronische Bauteile für Raketen und Flugzeuge produziert.

Videos machten schnell die Runde: Sie zeigen einen Feuerball, der über der russischen Stadt aufsteigt. Doch damit nicht genug. Auch im Gebiet Samara soll es gekracht haben – Ziel war dort eine Fabrik, die Raketentreibstoff herstellt. Es habe eine Explosion gegeben, danach sei ein Brand ausgebrochen, heißt es in den Angaben.

Moskaus Behörden räumten den Treffer in Orjol ein. Aus den Trümmern eines Werkgebäudes zogen Helfer demnach die Leichen von mindestens drei Menschen. Acht weitere sollen verletzt worden sein. Mehr wollten die russischen Behörden nicht preisgeben – wie so oft.

Und auch aus Omsk kamen Berichte: Dort soll die Ukraine ein „Industriezentrum“ attackiert haben. Die Behörden vor Ort sprachen von einem Angriff mit Drohnen.

Großbrand in Omsk

Auf Telegram tauchten noch am Samstag Bilder auf, die ein riesiges Feuer in Omsk zeigen sollen. Getroffen worden sein soll ein Petrochemiewerk. Und die Aufnahmen deuten auf ein weiteres Ziel hin: ein Logistikzentrum des Online-Händlers Ozon. Ob die Bilder echt sind, lässt sich allerdings nicht unabhängig prüfen.

Bis zur ukrainischen Grenze sind es von der russischen Großstadt aus mehr als 2500 Kilometer. In Omsk steht außerdem Russlands größte Ölraffinerie. Ukrainische Drohnen hatten sie schon mehrfach im Visier.

Krim im Dunkeln: Stromausfall nach Attacke auf Umspannwerk

In der Nacht auf Samstag soll ein Angriff auf ein Umspannwerk einen massiven Stromausfall auf der ukrainischen Halbinsel Krim ausgelöst haben, die Russland illegal annektiert hat. In Telegram-Kanälen war zu lesen: „Die gesamte Halbinsel ist ohne Strom“. Dass es Ausfälle gab, bestätigten auch die russischen Behörden auf der Krim. Sewastopol etwa sei „vorübergehend ohne Strom“, und zwar „infolge eines feindlichen Angriffs“, teilten sie mit.

Woher der Blackout kommen könnte? Die ukrainische Zeitung „Kyiv Independent“ verweist auf Satellitenbilder der NASA. Diese deuten demnach auf einen Angriff auf ein Umspannwerk in der Region Krasnodar hin – von dort aus bekommt die Krim laut dem Bericht ihren Strom.

Starlink läuft wieder auf vollen Touren

In Kyjiw dagegen herrschte Erleichterung. Der Grund: Die „stabile Verbindung“ zum US-Internetdienst Starlink ist zurück. Staatschef Wolodymyr Selenskyj machte klar, wie wichtig das ist. „Starlink und Starshield funktionieren wieder mit der Geschwindigkeit, die vor all diesen Einschränkungen herrschte. Jetzt ist die Geschwindigkeit so, wie wir sie brauchen“, sagte er. Und weiter: „Das ist entscheidend für unsere Frontlogistik und für den Schutz der Ukraine vor Raketenangriffen.“

Tagelang hatte der ukrainische Präsident zuvor gegen das gedrosselte US-Satelliteninternet gewettert. In Washington war man sich derweil nicht einig, wer die Bremse überhaupt gezogen hatte – Starlink-Besitzer Elon Musk oder das Weiße Haus. Jetzt macht Selenskyj an anderer Stelle Druck: Er will endlich die Flugabwehrraketen, die seinem Land versprochen wurden.

In einer Videobotschaft wurde er deutlich. „Es gibt Lieferpakete, auf die wir noch immer warten“, so Selenskyj. „Dabei handelt es sich sowohl um Pakete aus den USA als auch von unseren europäischen Partnern. Lieferpakete, für die bereits politische Entscheidungen getroffen wurden.“

Selenskyj stichelt gegen Putin

Ganz private Töne schlug Selenskyj dann in einem Interview mit dem Sender ABC News an – und sorgte damit für Aufsehen. Ob es ihn verletze, wenn man ihm Undankbarkeit vorwirft, wollte man dort wissen. Erst wich er aus: Jeder dürfe über ihn denken, was er wolle. Doch als nachgehakt wurde, gab der Ukrainer zu, dass ihn das „natürlich“ kränke.

„Ich bin eine normale Person, ich bin nur ein Mensch“, sagte Selenskyj. Dann kam der Seitenhieb in Richtung Kremlchef Wladimir Putin. Mit einem Lächeln meinte der ukrainische Staatschef: „Vielleicht bin ich kein so großer Humanist wie Putin.“ Und schob nach: „Aber auf jeden Fall gebe ich wirklich mein Bestes.“

Dankbar ja – aber nicht im Sekundentakt

Mit dem Spruch zielte Selenskyj auf den US-Sondergesandten Steve Witkoff. Der hatte Putin bei einem Treffen vergangene Woche in den höchsten Tönen gelobt – und dafür viel Kritik einstecken müssen.

„Ich bin unseren Partnern und den Amerikanern absolut dankbar“, betonte Selenskyj. Nur könne er das eben nicht „in jeder Sekunde“ zeigen. Sein Fazit: „Wenn jemand mir immer wieder seinen Dank aussprechen möchte, halte ich das für merkwürdig.“

Dann legte er nach: „Es ist besser, Partner wie mich zu haben, die dankbar sind in den Momenten, in denen sie das wirklich spüren, als in jeder Sekunde dankbar zu sein und wie Putin zu werden.“ Zwar betone der Kremlchef immer wieder seine Dankbarkeit, so Selenskyj weiter: „Aber wenn du gehst, dann kommt das Messer in deinen Rücken.“ (red)