Polizei-Irrtum: Beamte fesseln sterbendes Mordopfer
Er flehte um sein LebenPolizei fesselt sterbenden 18-Jährigen – Bodycam filmt alles

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Der britischen Innenministerin Shabana Mahmood zufolge soll das Polizeiverhalten im Fall des erstochenen 18-Jährigen in Southampton innerhalb von drei Monaten untersucht werden. (Archivfoto)
Ein fataler Polizei-Irrtum in Großbritannien hat eine hitzige Diskussion über sogenannten umgekehrten Rassismus sowie rechte Hetze entfacht.
Der Auslöser ist der Schuldspruch gegen einen 23-Jährigen in Southampton, der wegen Mordes eine lebenslange Freiheitsstrafe erhielt. Im Dezember 2025 hatte der Verurteilte, der zur Gemeinschaft der Sikhs gehört, einen 18 Jahre alten weißen Studenten erstochen. Anschließend gab er sich bei den Beamten als das eigentliche Opfer einer rassistischen Attacke aus.
Schreckliche Aufnahmen einer Körperkamera dokumentieren, wie Polizisten dem im Sterben liegenden jungen Mann Fesseln anlegen. Er wiederholt mehrfach, dass man auf ihn eingestochen habe und er keine Luft bekomme. Doch die Einsatzkräfte schenken seinen Worten keine Beachtung. Er verliert noch vor Ort sein Leben.
Berechtige Kritik oder Stimmungsmache?
Rechte sowie konservative Politiker machten schnell die Anstrengungen im Kampf gegen Rassismus als Grund für das krasse Versäumnis aus. Im Gegensatz dazu vermuteten liberale und linke politische Kräfte eine gezielte Kampagne von rechts.
Nigel Farage, Anführer der rechtspopulistischen Partei Reform UK, die aktuell in britischen Umfragen vorne liegt, sprach von einem umgekehrten George-Floyd-Moment. Der Tod des schwarzen Mannes in Minneapolis durch Polizeigewalt gilt als zentraler Augenblick für die Black-Lives-Matter-Bewegung. Farage kritisierte in einem Video auf der Plattform X scharf eine vermeintliche Zweiklassengesellschaft, „in der die Rechte und Privilegien weißer Menschen weniger zählen als die ethnischer Minderheiten“.
Daraufhin beschuldigte der liberaldemokratische Parlamentarier Max Wilkinson Farage, die Tragödie zu missbrauchen, um die Gesellschaft in Großbritannien zu spalten. Ein solches Vorgehen sei, so Wilkinson, spalterisch, riskant und zutiefst unbritisch.
Sorge vor neuem Krawallsommer
Premierminister Keir Starmer nannte den Vorfall entsetzlich und schockierend und hieß die angekündigte Ermittlung durch die Polizeiaufsichtsbehörde IOPC willkommen. Innenministerin Shabana Mahmood erklärte während einer Debatte im Unterhaus, dass die Prüfung binnen drei Monaten beendet sein solle. Sie äußerte aber die Befürchtung, „dass dieser Mord dazu führt, dass Gemeinschaften aufeinander losgehen.“ Auch der Vater des Getöteten äußerte sich laut der britischen Nachrichtenagentur PA vor Gericht mit einem Appell: „Wir wollen nicht, dass sein Tod dazu benutzt wird, noch mehr Spaltung, Hass oder Spannung zu schaffen.“
Der Rechtsextremist Tommy Robinson forderte dagegen in einem zornigen Videoaufruf zu einer Demonstration vor der Polizeizentrale in Southampton auf. Dies schürte die Sorge vor einem weiteren Sommer voller Krawalle. Robinson war bereits im Sommer 2024 maßgeblich an der Eskalation rassistischer Unruhen beteiligt. Seinerzeit erschütterten wochenlange, brutale Krawalle England sowie Nordirland.
Die aufgeheizte Stimmung hat bereits reale Konsequenzen: Laut Mahmood musste ein Polizist mit seiner Familie umziehen. Er hatte Morddrohungen bekommen, weil man ihn fälschlicherweise mit dem Fall in Verbindung brachte. (dpa/red)
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