„Tag des Sieges“ Nach Putin-Rede: Russland sagt mehrere Flugshows plötzlich ab – Grund zur Sorge?

Mit Spannung wurde – nicht nur in Russland – die Rede von Wladimir Putin zum „Tag des Sieges“ erwartet. Der Kremlchef äußerte sich auch zum Krieg in der Ukraine – mit schockierenden Worten. Zudem wurden spontan mehrere geplante Flugshows abgesagt. Was steckt dahinter?

Zum Moskauer „Tag des Sieges“ am Montag, 9. Mai 2022, wurde mit Spannung die Rede von Kremlchef Wladimir Putin erwartet. Er äußerte sich auch zum Krieg in der Ukraine.

Die geplante Luftshow bei der Moskauer Militärparade hat die russische Führung jedoch abgesagt. „Der Luftteil findet wegen des Wetters nicht statt“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der staatlichen Nachrichtenagentur Tass am Montag. Ursprünglich sollten 77 Flugzeuge und Hubschrauber an der Militärparade teilnehmen. Medienberichten zufolge war geplant, dass die Kampfflugzeuge am Himmel ein „Z“ bilden, das Symbol für Russlands Militäreinsatz in der Ukraine.

„Tag des Sieges“: Geplante Flugshows in Russland offiziell wegen Wetter abgesagt

Während der Parade war der Himmel über dem Roten Platz heiter bis wolkig. Es gab keinen Regen. Am Vorabend der Parade hatte der Direktor des staatlichen Wetterdienstes Gidrometzentr, Roman Wilfand, die Durchführung der Flugschau noch als wahrscheinlich bezeichnet. Die Wetterbedingungen würden dies voraussichtlich zulassen, da die Wolkendecke höher als 300 Meter sei und die Wolken zudem mit Chemikalien auseinander getrieben werden könnten, sagte er.

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Offiziell ebenfalls witterungsbedingt ausgefallen sind die Flugshows als Teil der Militärparade in den russischen Millionenstädten St. Petersburg, Jekaterinburg, Nowosibirsk und Samara. Auch in Russlands Fernem Osten, in den Städten Chabarowsk und Komsomolsk-am-Amur, wurden zuvor geplante Flugeinlagen abgesagt. In der Millionenstadt Wolgograd, die zum Jubiläum des Weltkriegsendes für einen Tag wieder in Stalingrad umbenannt wurde, war die Luftwaffe bei der Parade hingegen zu sehen.

Leonid Wolkow, Vertrauter des Kremlkritikers Alexej Nawalny, nannte die plötzliche und gleichzeitige Absage von mehreren Flugshows in den größten russischen Städten einen Beweis „für eine politische Entscheidung“. Er könne sich gut vorstellen, dass der Geheimdienst FSB die Veranstaltungen wegen „operativer Informationen, dass etwas Unschönes vorbereitet“ werde, verboten habe, schrieb Wolkow auf seinem Telegram-Kanal. Er könne sich nun Säuberungen bei der russischen Luftwaffe vorstellen.

Moskau am 9. Mai 2022: Putin gibt Nato Schuld am Krieg in der Ukraine

Überschattet vom Krieg gegen die Ukraine hat Russland am 9. Mai 2022, 77 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, mit ersten Militärparaden im äußersten Osten des Landes den Sieg der Sowjetunion über Nazi-Deutschland gefeiert. Am diesjährigen 9. Mai ist kein ausländischer Staatschef bei der Parade zu Gast.

Die mit einem Großaufgebot an Uniformierten gesicherte Innenstadt von Moskau glich einer Festung. Gegen 9.15 Uhr deutscher Zeit trat Wladimir Putin dann vor das russische Volk.

Der 69-Jährige betonte, dass der Sieg im Zweiten Weltkrieg gemeinsam mit den westlichen Alliierten errungen wurde, beklagte aber zugleich die dort herrschende „Russophobie“ bei den politischen Eliten. „Uns ist bekannt, dass den amerikanischen Veteranen, die zur Moskauer Parade anreisen wollten, das faktisch verboten wurde“, behauptete Putin.

Der russische Präsident sprach auch über den Krieg in der Ukraine: „Russland hat sich immer dafür eingesetzt, um ein sicheres System aufrechtzuerhalten. Die Nato-Staaten wollten uns nicht hören. (...) Unmittelbar vor unseren Grenzen wurde eine Gefahr geplant. Wir haben gesehen, wie Waffen geliefert wurden.“

Putin verteidigt Krieg in der Ukraine: „Einzig richtige Entscheidung“

Der russische Präsident Wladimir Putin hat bei der großen Militärparade in Moskau den Einmarsch in die Ukraine also mit der Erweiterung der Nato begründet. „Russland hat präventiv die Aggression abgewehrt, das war die einzig richtige Entscheidung“, so Putin. Er will mit dem Krieg gegen die Ukraine die Souveränität Russlands wahren. Für ihn ist die Ukraine kein unabhängiger Staat, sondern Teil von Russland.

Moskau habe laut Putin immer wieder versucht, ein Abkommen für eine internationale Sicherheitslösung zu erzielen. Die Nato habe aber Russlands Argumente ignoriert und damit begonnen, das ukrainische Territorium militärisch zu erschließen.

Putin warf dem Westen auch einmal mehr vor, „Neonazis“ in der Ukraine bewaffnet zu haben.

„Tag des Sieges“: Wladimir Putin warnt vor neuem Weltkrieg

Wladimir Putin bezeichnet, wie erwartet, den Einsatz gegen die Ukraine nicht als Krieg, sondern als „militärische Spezial-Operation“. Russlands Präsident hat am 9. Mai zudem vor der Gefahr eines neuen Weltkriegs gewarnt. Es müsse alles getan werden, um zu verhindern, dass sich „der Schrecken eines globalen Krieges wiederholt“. Putin rechtfertigte den Militäreinsatz in der Ukraine, der dazu diene, Russland vor einer „inakzeptablen Gefahr“ zu verteidigen.

Die Ukraine habe sich aufgerüstet mit Waffen der Nato und so eine Gefahr dargestellt für das Land. Wie blanker Hohn gegenüber den Opfern im Krieg gegen die Ukraine wirkte auch die folgende Äußerung von Putin: „Russland wird immer alle Völker und Kulturen akzeptieren und respektieren.“

Menschen tragen zum „Tag des Sieges“ am 9. Mai 2022 in Ulan-Ude (Russland) ein Porträt des ehemaligen sowjetischen Führers Josef Stalin sowie Porträts von sowjetischen Führern und Verwandten, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben. Auch russische und sowjetische Flaggen werden getragen.

Menschen tragen zum „Tag des Sieges“ am 9. Mai 2022 in Ulan-Ude (Russland) ein Porträt des ehemaligen sowjetischen Führers Josef Stalin sowie Porträts von sowjetischen Führern und Verwandten, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft haben. Auch russische und sowjetische Flaggen werden getragen.

Der Kremlchef würdigte den Einsatz der russischen Streitkräfte in der Ukraine. Die Soldaten kämpften im Donbass in der Ostukraine für die Sicherheit Russlands, sagte Putin am Montag auf dem Roten Platz in Moskau.

Immerhin eine positive Überraschung in der Rede Putins: Es wurde keine General-Mobilmachung gegen die Ukraine angekündigt. Was im Umkehrschluss aber nicht bedeutet, dass er genau dieses Ziel nicht doch verfolgt.

„Tag des Sieges“ in Russland: 28 Paraden geplant

Auf der fernöstlichen Halbinsel Kamtschatka, auf der Insel Sachalin, in der Großstadt Wladiwostok am Pazifik und in weiteren Orten beteiligten sich Hunderte Soldaten an den Paraden zur Erinnerung an den Großen Vaterländischen Krieg.

Das Verteidigungsministerium in Moskau veröffentlichte am Montag zahlreiche Fotos – in Wladiwostok fuhren auch die Weltkriegspanzer vom T-34 in der Kolonne mit.

Im ganzen Land waren 28 Paraden geplant, die mit Abstand größte war in der Hauptstadt Moskau für 9 Uhr MESZ (10 Uhr Ortszeit) angesetzt. Mit Spannung erwartet wurde vor allem die Rede von Kremlchef Wladimir Putin, dem Oberbefehlshaber der russischen Streitkräfte, auf dem Roten Platz.

„Tag des Sieges“: Kampfflugzeuge sollten Buchstaben „Z“ formen

Über den Roten Platz und durch die Metropole rollen bei der Parade Panzer und andere Kampftechnik sowie mit Atomsprengköpfen bestückbare Raketen. Geplant war auch eine Flugshow. Acht Kampfflugzeuge sollten am Himmel den Buchstaben „Z“ formen, der das offizielle Symbol für Russlands Militäreinsatz in der Ukraine ist.

An dem Angriffskrieg beteiligte Soldaten gratulierten in einem vom Verteidigungsministerium am Morgen veröffentlichten Video zum „Tag des Sieges“.

Am 8. Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg in Europa mit der Kapitulation der deutschen Wehrmacht zu Ende gegangen. Russland begeht am 9. Mai mit dem „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland seinen wichtigsten Feiertag. (dpa, jba)

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