Elf Jahre Merkels Sprecher Sehen wir Steffen Seibert bald in einer beliebten TV-Sendung wieder?

Steffen Seibert, Regierungssprecher, hält beim Tag der offenen Tür der Bundesregierung in der Bundespressekonferenz den Zeigefinger vor den Mund.

Elf Jahre lang war Regierungssprecher Steffen Seibert (hier im August 2018 auf einer Bundespressekonferenz) die Stimme der Kanzlerin. Nun endet auch seine Amtszeit. Was wird er in Zukunft machen? Eine Rückkehr zum ZDF, wo er einst Nachrichtensprecher war, ist zumindest möglich.

Er war elf Jahre lang die Stimme der Kanzlerin, ist der am längsten amtierende Regierungssprecher der Bundesrepublik. Doch bevor er einer von Merkels engsten Vertrauten wurde, war er 21 Jahre lang beim ZDF, moderiert dort zuletzt die „heute“-Nachrichten. Ist eine Rückkehr denkbar? 

Wenn die Ära Merkel in diesem Jahr endet, wird auch seine Zeit als Regierungssprecher enden: Steffen Seibert war mehr als elf Jahre lang in einem der höchsten PR-Ämter Deutschlands tätig, war das Gesicht auf Pressekonferenzen und Terminen, hielt Angela Merkel den Rücken frei.

Wenn Olaf Scholz als neuer Kanzler das Zepter übernimmt, wird der 61-Jährige in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Doch die Karriere von Seibert ist noch längst nicht vorbei, denn – das zeigt die Vergangenheit – es könnten sich durchaus interessante berufliche Möglichkeiten für Seibert ergeben. Werden wir ihn bald wieder im ZDF als Moderator sehen? Kehrt der Ex-Anchorman zu den „heute“-Nachrichten zurück?

Die „SZ“ nannte ihn mal „Merkels Langstreckenläufer“, einer, der nach seiner ZDF-Fernsehkarriere etwas Neues ausprobieren wollte. Und den das Neue immer gereizt habe: So habe er bis heute in seinem Büro eine Weltkarte gehangen, die er immer wieder mit Nadeln bestückte – Ziele der Reisen mit der Kanzlerin.

Gut vorstellbar, dass seine Reise nicht zu Ende sein wird, wenn seine Zeit als Regierungssprecher vorbei ist.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) führt nach der Rückkehr aus ihrem Urlaub den neuen Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag (16.08.2010) im Bundespresseamt in Berlin in sein Amt ein. Der bisherige ZDF-Moderator löst Wilhelm ab, der als Intendant zum Bayerischen Rundfunk wechselt.

Sein erster Tag: 2010 führte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den damals neuen Regierungssprecher Steffen Seibert in sein Amt ein. 

Am 11. August 2010 trat Seibert seinen Dienst für Merkel an, nachdem er – so heißt es – eine Empfehlung von einem alten Klassenkameraden bekam: von Giovanni di Lorenzo, dem „Zeit“-Chefredakteur. Heute ist er der am längsten amtierende Sprecher der Bundesregierung.

Steffen Seibert: Kehrt er zurück zum ZDF?

Zuvor aber kannte man Seibert als Nachrichtensprecher beim ZDF, er hat seine gesamte journalistische Laufbahn bei dem Mainzer Sender absolviert. 1989 startete er dort als Volontär, arbeitete sich über verschiedene Formate und Funktionen hoch, „hallo deutschland“,  „heute“-Nachrichten, „heute-journal“. Er bekam für seine Moderation der Sondersendungen im ZDF zum Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 die Goldene Kamera. Zuletzt moderierte er am 4. Juli 2010 die „heute“-Hauptsendung.

Moderator Steffen Seibert und Moderatorin Petra Gerster stehen im Studio (undatiertes Handout).

Moderator Steffen Seibert und Moderatorin Petra Gerster im ZDF-„heute“-Studio (undatiert): Kehrt Seibert als Nachrichtensprecher zurück?

Kehrt er also vielleicht zurück zum Fernsehen? Gewissermaßen zurück zu seinen Wurzeln?

Steffen Seibert: Kehrt er zurück? Das Beispiel Ulrich Wilhelm

Einige Medienexperten jedenfalls spekulieren längst über diese Möglichkeit. Und Vorbilder für diese Rückkehr zum Journalismus gibt es: etwa Ulrich Wilhelm – der Vorgänger Seiberts. Er war von 2005 bis 2010 unter Merkel im Amt und erwarb sich dort schnell hohes Ansehen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt in Begleitung ihres Regierungssprechers Steffen Seibert 2012 in die Bundespressekonferenz.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) kommt in Begleitung ihres Regierungssprechers Steffen Seibert 2012 in die Bundespressekonferenz.

Nach Ablauf seiner Dienstzeit hat sich Wilhelm dann ein halbes Jahr später zum Intendanten des Bayerischen Rundfunks wählen lassen und die Funktion zehn Jahre lang inne. Damals wurde der Wechsel in den Medien heftig kritisiert und diskutiert. Auch wenn Wilhelm in seiner Funktion keine redaktionelle Verantwortung wahrnahm.

Steffen Seibert: Er hat ein Rückkehrrecht vereinbart

Und Seibert? Hören wir ihn bald wieder sagen: „Meine Damen und Herren, guten Abend, hier sind unsere Themen“?

Denn er genießt laut Medienberichten ein Privileg: Statt seinen Arbeitsvertrag beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu kündigen, als er in die Bundesregierung wechselte, habe Seibert diesen nach „Spiegel“-Informationen lediglich ruhen lassen - und ein Rückkehrrecht vereinbart. Das Verfahren, es sei „geübte Praxis“, hieß es von Seibert.

Tatsächlich ist er da nicht der einzige: Auch die einstige Journalistin Christiane Wirtz, bis 2016 Seiberts Stellvertreterin und danach Staatssekretärin im Justizministerium, habe ihren Vertrag bei Deutschlandradio nicht gekündigt, sondern eine Rückkehroption vereinbart. Rückkehrer würden im Falle eines Interessenkonflikts gegebenenfalls in einem „programmfernen Bereich“ eingesetzt, hieß es damals von der Rundfunkanstalt.

Steffen Seibert: Geht er doch in die freie Wirtschaft?

Ob Seibert diese Option nutzt, ist noch völlig unklar. Die meisten Regierungssprecher zog es nach ihrem Ausscheiden in die freie Wirtschaft. Und auch finanziell dürfte eine Rückkehr wenig interessant sein: Scheidet ein beamteter Staatssekretär nach einem Regierungswechsel aus, wird er in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Dann ist er weiterhin gut versorgt. In den ersten drei Monaten erhalten politische Beamte das volle Gehalt weiter, danach beziehen sie ein gutes „Ruhegehalt“.

Klar ist aber: Sollte er zurück zum ZDF gehen, würde dies sicherlich auch für einige Debatten sorgen, ähnlich wie bei Seiberts Vorgänger Ulrich Wilhelm – sollen Medien doch möglichst objektiv über das politische Geschehen berichten. (mg)

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