Die glorreichen Zeiten sind vorbei. Während die USA Rekorde brechen, droht Russlands Raumfahrt den Anschluss komplett zu verlieren.
Stolze Nation gedemütigtIm Wettlauf zum Mond wird Russland von USA und China abgehängt

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Russland liegt mit seinem Mondprogramm hinter den USA und China. (Archivbild)
Während die „Artemis 2“-Besatzung der Nasa den Mond umrundet hat, weckt das in Russland wehmütige Erinnerungen an glorreiche Zeiten. Das Land, einst eine stolze Macht im All, gedenkt aktuell des ersten bemannten Weltraumflugs vor 65 Jahren. Damals gelang dem sowjetischen Kosmonauten Juri Gagarin am 12. April 1961 mit seinem Raumschiff „Wostok“ eine absolute Sensation.
Dass nun vier Astronauten einen neuen Rekord aufstellen und weiter als jeder Mensch zuvor ins Universum vorstoßen, passt genau auf den 12. April. An diesem Datum wird der Internationale Tag der bemannten Raumfahrt zelebriert. Gefeiert wird sogar auf der Internationalen Raumstation (ISS), auf der Russen und Amerikaner kooperieren. Obwohl die ISS schon mehr als 27 Jahre ihren Dienst tut, kündigte Moskau jedoch den Bau einer eigenen Station für die 2030er-Jahre an.
Moskaus Raumfahrt steckt tief in der Krise
Der Triumph von „Artemis 2“ der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa macht eines unmissverständlich klar: Das Rennen zum Mond ist in vollem Gange. Hierbei scheinen die Vereinigten Staaten und China Russland weit abgehängt zu haben. Der Experte für russische Raumfahrt, Georgi Trischkin, erklärt, Russland sei nicht mal fähig, die eigenen Pläne für Mondsonden umzusetzen, während die USA bereits 2028 eine Mondlandung anstreben. Seine Befürchtung ist, dass die Lücke nur noch größer wird.
Immer wieder muss die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos Missionen aufschieben. Ein wesentlicher Auslöser: Die erste unbemannte Mondmission seit dem Jahr 1976 endete in einem Desaster. Im August 2023 zerschellte die Sonde „Luna-25“ auf der Oberfläche des Mondes – ein kostspieliger Rückschlag, zumal kurz vorher sogar Indien eine erfolgreiche Sondenlandung dort verbuchen konnte.
Es ist offensichtlich, dass der Angriffskrieg gegen die Ukraine enorme finanzielle Mittel bindet, die woanders dringend gebraucht würden. Hinzu kommt der massive Druck durch westliche Sanktionen. Das hinderte Moskau im Kalten Krieg zu Sowjetzeiten jedoch nicht daran, eine führende Rolle einzunehmen. Bereits 1957 sorgte die Nation für den sogenannten „Sputnik“-Schock.
Die heutigen Schwierigkeiten Russlands sind laut Experte Trischkin fundamental. In einer Analyse für die Denkfabrik Carnegie, aus der die Deutsche Presse-Agentur (dpa) zitiert, schreibt er: „Die Branche befindet sich in einer Stagnationsphase, die mit einem Personalüberhang, untragbaren Schulden bei den wichtigsten Unternehmen und einer Unterfinanzierung in allen Bereichen einhergeht“.
Trotz allem: Moskau gibt den Mond nicht auf
Offiziell gibt Russland seine Mond-Ambitionen nicht auf. Der Chef von Roskosmos, Dmitri Bakanow, hat sogar Visionen von Kosmonauten, die vom Mond aus eine Reise zum Mars antreten. Trischkin ist aber der Ansicht, dass die Nation den Zug verpasst habe und höchstens noch technologische Beiträge für eine spätere Mondstation liefern könne – beispielsweise im Bereich der Kernenergienutzung.
Während der Moskauer „Woche der Raumfahrt“ verkündete der Nuklearkonzern Rosatom Pläne, kleine Kernreaktoren für einen Vorposten auf dem Mond zu konstruieren. Der Kosmonaut Alexej Subrizki kommentiert den Erfolg der vier Nasa-Astronauten als Motivation. Er meint vorsichtig: „Solche Errungenschaften unserer Partner in der Raumfahrt zwingen uns, uns selbst in diese Richtung zu bewegen und womöglich sogar die Schritte zu beschleunigen“.
Blick nach Osten: China als neuer Partner?
Für Russland scheint eine Kooperation mit China eine logische Konsequenz. Eine entsprechende Absichtserklärung für die Errichtung eines gemeinsamen Mondkraftwerks bis zum Jahr 2036 wurde 2025 von beiden Nationen unterzeichnet.
Peking verfolgt seine Pläne für eine bemannte Mission zum Mond bis 2030 mit Nachdruck. Einen historischen Erfolg schafften die Chinesen 2024, als mit der unbemannten Mission „Chang'e 6“ zum ersten Mal Gesteinsproben von der Mondrückseite zur Erde transportiert wurden.
Noch in diesem Jahr soll „Chang'e 7“ am Südpol des Erdtrabanten landen, wo die Suche nach Wassereis das Ziel ist. Diese Mission dient auch der Vorerkundung für eine Forschungsstation auf dem Mond, welche China im Rahmen der Nachfolgemission „Chang'e 8“ aufbauen möchte.
Ein exaktes Datum für die erste bemannte Mondlandung Chinas gibt es noch nicht, angepeilt wird jedoch der Zeitraum bis 2030. Entscheidende Tests hat die speziell dafür entwickelte Rakete des Typs „Langer Marsch 10“ bereits im Februar durchlaufen.
Peking im Überholmodus: Raketentechnik macht Riesen-Sprünge
Experten sehen den entscheidenden Vorteil Chinas in der zentralen Organisation des Raumfahrtprogramms. Dies ermöglicht Peking eine gezielte und schnelle Steuerung der Entwicklungen. Der Sektor macht gewaltige Fortschritte, denn inzwischen entwickeln diverse Firmen wiederverwendbare Raketen-Typen, die an die Modelle von SpaceX erinnern.
Darüber hinaus setzt Peking auf internationale Zusammenarbeit mit zahlreichen anderen Staaten. So soll ein pakistanischer Astronaut die Raumstation „Tiangong“ besuchen, und bei „Chang'e 6“ waren Messgeräte aus Frankreich mit dabei. Für sein Mondprogramm hat China außerdem Projekte aus verschiedenen Ländern ausgewählt, zu denen Italien, Russland, Thailand und die Türkei gehören. (red)
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