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Heutzutage unglaubliche SzenenSelenskyj tanzt ins neue Jahr, Putins Propaganda-Chef feiert ihn

Wer diese Szenen heute sieht, fühlt sich wie auf einem völlig anderen Planeten: An Neujahr 2013 tanzte ein gewisser Wolodymyr Selenskyj ins neue Jahr, sang, machte Witze – im russischen Staatsfernsehen, gefeiert von Putins Chef-Propagandisten Wladimir Solowjow.

von Martin Gätke (mg)

Diese Szenen zeigen sehr eindrücklich, wie viel sich innerhalb der vergangenen zehn Jahre in Europa und Russland gewandelt hat: Russlands Präsident Wladimir Putin hat 2022 den Krieg zurück nach Europa gebracht, Hunderttausende Menschen starben seitdem oder sind vermisst, Millionen weiterer flohen, Städte und ganze Landstriche liegen in Schutt und Asche. 

Doch dass das nicht immer so war, zeigt ein alter Ausschnitt einer Neujahrsshow aus dem Jahr 2013. Auf der Bühne steht ein gewisser Wolodymyr Selenskyj, damals Komiker und Schauspieler, der vom russischen Publikum gefeiert wurde und zusammen mit den Chef-Propagandisten aus dem Kreml ins neue Jahr feiert. Er lacht, er tanzt, er macht Scherze. Heute ist Selenskyj Russlands Staatsfeind Nummer eins und ein Kriegsheld in seiner Heimat. Er führt die Ukraine durch die wohl schwerste Zeit der jüngeren Geschichte – lachend sieht man diesen Mann nicht mehr. 

Russland: Selenskyj singt und tanzt ins neue Jahr

Der deutsche Journalist Julian Hans, einst Moskau-Korrespondent für die „Süddeutsche Zeitung“, erinnerte auf Twitter an die Szenen im russischen Staatssender „Rossija 1“ im Jahr 2013, die am 1. Januar ausgestrahlt worden war. Ein junger Wolodymyr Selenskyj ist zu sehen, neben ihm Co-Moderator Maxim Galkin, beide führen durch das Programm der Neujahrsshow.

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Vor der Bühne saß damals jener Mann, der heute als Putins leidenschaftlichster und aggressivster Propagandist gilt und gegen die Ukraine und den Westen hetzt: Wladimir Solowjow. Er bejubelte den Komiker Selenskyj, lachte und beklatschte ihn. Damals war Selenskyj sehr beliebt beim Publikum in Russland.

„Zur Trennung kam es erst nach der Krim-Annexion 2014. Moskau warf Selenskyj vor, den Maidan und später die ukrainische Armee im Kampf gegen die vom Kreml gelenkten ‚Separatisten‘ finanziell unterstützt zu haben“, schreibt der Journalist Hans zu den Szenen. Zu Solowjow erklärte er weiter, er besäße eine Villa am Comer See, das hätten Recherchen von Alexej Nawalny 2017 ans Licht gebracht. „Seit 2022 steht er als Kriegstreiber auf den Sanktionslisten der EU, der USA und weiterer Staaten. Die Villa wurde konfisziert.“

Russland: Selenskyj und Solowjow, heute auf unterschiedlichen Seiten

Selenskyj und Solowjow – einst feierten sie zusammen ins neue Jahr, heute könnten sie nicht auf unterschiedlicheren Seiten stehen. An ihren Beispielen zeigt sich, wie viel sich in den vergangenen zehn Jahren gewandelt hat. Auch Maxim Galkin, der damals mit Selenskyj auf der Bühne stand, ist mittlerweile mit seiner Frau nach Israel ausgewandert. Beide hatten bereits früh Putins Krieg scharf verurteilt, wurden vom Kreml als „ausländische Agenten“ gebrandmarkt und auf eine schwarze Liste gesetzt.

Der Journalist gibt einen Einblick über mehrere Lebensgeschichten der Stars, Sängerinnen und Sänger, die damals aufgetreten waren: Einige positionierten sich klar gegen den Krieg, andere sind voll auf der Linie des Kremls.

Viele Nutzer bedankten sich bei Hans für die heute so skurril wirkenden Szenen, die Erklärung und Einordnung. Einige zeigten sich überrascht darüber, wie viel sich in nur zehn Jahren ändern kann und betonen, wie verrückt das alles aus heutiger Sicht sei: „Die Realität stellt leider jeden Plot in den Schatten“, schreibt ein Twitter-Nutzer.

2013 wurde gelacht und gefeiert, 2023 hat Russland an Tag 310 des Krieges mit Kampfdrohnen, Raketen und neuem schweren Artilleriebeschuss gegen die Ukraine blutig ins neue Jahr gestartet. Mehrere Menschen starben, Dutzende weitere wurden verletzt. Sowohl der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj als auch Kremlchef Wladimir Putin machten in ihren Neujahrsansprachen deutlich, dass ein Ende des Krieges nicht in Sicht ist.