„Welch eine Entdeckung!“Putins skurriler Plan sorgt für Spott bis nach Amsterdam

Der russische Präsident Wladimir Putin besucht am 20. August die Erzengelkathedrale im Moskauer Kreml, wo er die Grabstätte des Großfürsten Dmitri Donskoi besichtigt.

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Der russische Präsident Wladimir Putin besucht am 20. August die Erzengelkathedrale im Moskauer Kreml, wo er die Grabstätte des Großfürsten Dmitri Donskoi besichtigt.

637 Jahre alte Knochen als Kampfmotivation für die russischen Soldaten? Putin lässt Reliquien eines „Kriegsheiligen“ ins Frontgebiet bringen. Der Plan sorgt für viel Spott.

Ein geöffneter Steinsarkophag, ein 637 Jahre altes Skelett, davor Wladimir Putin, der sich bekreuzigt. Die Bilder aus der Moskauer Erzengelkathedrale gingen am Donnerstag um die Welt. Am Sarg des mittelalterlichen Großfürsten Dmitri Donskoi ließ sich der Kremlchef die Gebeine zeigen, während vor der Kamera erklärt wurde, was die Wissenschaft an den Knochen ablesen kann.

Freigelegt worden waren die sterblichen Überreste des russischen Nationalhelden bei Restaurierungsarbeiten – der Sarkophag war baufällig, die Gebeine mussten exhumiert werden. Putin sprach laut der staatlichen Nachrichtenagentur „Tass“ von einer „wundersamen Entdeckung“ – obwohl die Begräbnisstätte seit jeher bekannt war. Seit dem Jahr 1508 liegen die Gebeine dort.

„Es handelt sich um einen Kriegsfürsten“

Andrei Batalow, stellvertretender Generaldirektor der Moskauer Kremlmuseen, erläuterte dem Präsidenten vor laufender Kamera den Befund. Das Skelett gehöre zu einem „kräftig gebauten Mann im Alter von 35 bis 40 Jahren“. Und weiter: „Am Stirnbein befinden sich Spuren eines Schlags. Es handelt sich um eine schwere, verheilte Verletzung, von der er sich erholt hat. Sie war nicht tödlich, aber eine Kampfverletzung. Es handelt sich um einen Kriegsfürsten, das ist nun anthropologisch belegt.“

Putin zündet eine Kerze in der Moskauer Erzengelkatedrale an. Der Präsident lässt Reliquien eines „Kriegsheiligen“ ins Frontgebiet bringen.

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Putin zündet eine Kerze in der Moskauer Erzengelkatedrale an. Der Präsident lässt Reliquien eines „Kriegsheiligen“ ins Frontgebiet bringen.

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Dmitri Donskoi, „der vom Don“, lebte von 1350 bis 1389 und gilt in Russland als Nationalheld. 1380 besiegte er in einer Schlacht die mongolischen Khane, denen das Gebiet um Moskau tributpflichtig war. Zwei Jahre später wurde Moskau von den Mongolen dennoch erneut verwüstet. 1988 wurde Donskoi heiliggesprochen.

Jetzt soll eine Reliquie des Fürsten „so schnell wie möglich“ ins Frontgebiet in der Ukraine gebracht werden, zur allgemeinen Verehrung und Anbetung. Der mittelalterliche Feldherr habe sich „bei der Verteidigung der Souveränität und Unabhängigkeit des russischen Staates ausgezeichnet“, erklärte ein Sprecher der russisch-orthodoxen Kirche. Den Soldaten müsse „so schnell wie möglich“ die Möglichkeit zur Verehrung gegeben werden. Putin gab seinen Segen.

In den russischen Staatsmedien und bei den Propagandisten löste das Begeisterung aus. Der Propagandist Sergei Markow schwärmte: „All diese spirituellen Bedeutungen sind sehr wichtig für das russische Volk, das zu den spirituellsten Nationen der modernen Geschichte zählt.“

Putin steht am Grab des russischen Nationalhelden Dmitri Donskoi.

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Putin steht am Grab des russischen Nationalhelden Dmitri Donskoi.

Ultrapatriotische Kanäle deuteten den Fund als „ein Zeichen göttlicher Macht und ein Vorbote des russischen Sieges über die Mächte der Finsternis“. Politikberater Pawel Danilin jubelte: „Ein Mann, der sich denen entgegenstellte, die noch nie jemand besiegt hatte, und der siegte. Das ist ein starkes Zeichen. Wir befinden uns nun in einer ähnlichen Lage.“

Putins Plan sorgt für Spott bis nach Amsterdam

Doch der Hohn ist laut „Sun“ mindestens ebenso laut. Ein russischer Beobachter kommentierte sarkastisch: „Trump hat uns enttäuscht, Xi Jinping hat uns im Stich gelassen, an wen sollen wir uns denn noch wenden, wenn nicht an die Toten? Und da stehen wir wieder da, wie Odysseus, der die Toten der Unterwelt beschwörte und sie nach dem Heimweg befragte.“

Auch Andrei Netschajew, der erste russische Wirtschaftsminister nach dem Ende der Sowjetunion, spottete: „Lenins Reliquien werden vermutlich bald in seinem Mausoleum ‚entdeckt‘ werden. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass sie an die Front gebracht werden.“ Der ukrainische Nachrichtenkanal „Pravda Gerashchenko“ meinte, dass „selbst die Reliquien in den Krieg ziehen, aber Putin nicht“.

Die Reliquien des Großfürsten Dmitri Donskoi in der Erzengelkathedrale in Moskau

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Die Reliquien des Großfürsten Dmitri Donskoi in der Erzengelkathedrale in Moskau.

Publizist Waleri Panjuschkin schrieb in einem Kommentar der in Amsterdam erscheinenden „Moscow Times“ über die nun gefundenen alten Knochen („Welch eine Entdeckung!“). Er erinnert daran, dass Patriarch Kyrill vor vier Jahren allen Priestern befohlen habe, für den russischen Sieg zu beten. „Doch es scheint, als ob der Herr sie bisher nicht erhört hat. Alle Hoffnung ruht jetzt darauf, dass der heilige Fürst Dmitri den Allmächtigen irgendwie darauf aufmerksam macht, dass der günstige Zeitpunkt für die Eroberung [der ukrainischen Städte] Slawjansk und Kramatorsk gekommen ist.“

Der geplante Transport hat zudem einen echten Haken. Erst im vergangenen Monat gingen die Reliquien eines anderen russischen Nationalheiligen verloren: Die Gebeine von Fürst Alexander Newski wurden per Konvoi zu einem Gebetsgottesdienst gebracht, als ukrainische Drohnen zuschlugen. Der Schrein wurde nach offiziellen Angaben „vollständig zerstört“, drei russische Soldaten kamen ums Leben. (mg)

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