Bei Maischberger Wolfgang Schäuble wettert gegen Schröder: „Sein Verhalten ist eine Schande“

Wolfgang Schäuble mit ernster Miene in der ARD-Sendung „Maischberger“ am 18. Mai 2022.

Wolfgang Schäuble hat sich in der ARD-Sendung „Maischberger“ am 18. Mai 2022 extrem kritisch zu Gerhard Schröder geäußert.

Ein CDU-Urgestein im ARD-Talk: Am Mittwochabend (18. Mai 2022) stellte sich Wolfgang Schäuble den Fragen von Sandra Maischberger – und kam dabei unter anderem auch auf Altkanzler Gerhard Schröder zu sprechen. Für den Gas-Lobbyisten und Putin-Freund habe er „fast nur noch Mitleid“ übrig.

Wolfgang Schäuble, daran erinnerte Sandra Maischberger am Mittwochabend in ihrer Sendung, habe Deutschland durch zahlreiche „tiefe Krisen“ begleitet, darunter den „Kalten Krieg, den 11. September, die Finanzkrise und die Corona-Krise“.

Umso besorgniserregender schien die Antwort des langjährigen CDU-Bundesministers auf die Frage der Moderatorin, ob er Angst vor einem Atomkrieg habe. „Ja“, sagte Schäuble. „Ich habe zum ersten Mal keine richtige Vorstellung davon, wie wir aus dieser schrecklichen Gefahr herauskommen sollen, ohne, dass es noch schlimmer wird.“

Maischberger: Wolfgang Schäuble über Russland und den Krieg in der Ukraine

Es gebe „schreckliche Parallelen zu der Entwicklung zwischen den beiden Weltkriegen“, mahnte der 78-Jährige im ARD-Talk. Niemand habe Putin ausreichend ernst genommen, als er den Zerfall der Sowjetunion als „die größte Katastrophe des vergangenen Jahrhunderts“ bezeichnet hatte, kritisierte Schäuble. Nun gebe es einen russischen Präsidenten, „der offenbar noch mehr unumschränkte Macht hat, als die Führer der Sowjetunion vorher hatten“.

Alles zum Thema Sandra Maischberger

Die derzeitige Entwicklung habe er nicht kommen sehen, gestand der ehemalige Bundestags-Präsident ein – auch Russland keinen realen Grund habe, sich militärisch bedroht zu fühlen. „Die Ukraine bedroht Putin nicht. Was der russische Präsident Putin als Bedrohung empfindet, ist, dass in seiner Nachbarschaft rechtsstaatliche freiheitliche Demokratien offenbar attraktiver sind.“ Gleichwohl wich Schäuble der Frage aus, ob es die richtige Entscheidung sei, die Ukraine in die Europäische Union aufzunehmen.

„Die EU muss in bestimmten Bereichen sehr viel effizienter und sehr viel handlungsfähiger werden“, stellte er stattdessen fest. Zudem sei die enge Kooperation mit anderen Nationen außerhalb Europas vonnöten – etwa mit den Vereinigten Staaten: „Ohne den Schutz der Amerikaner nimmt uns Putin doch nicht ernst. Ohne Amerika sind wir auf absehbare Zeit nicht in der Lage, Frieden und Freiheit in Europa zuverlässig zu schützen.“

Schäuble sprach der Bundesregierung jedoch auch ein Lob aus. Die von Bundeskanzler Scholz angekündigte „Zeitenwende“ sei „eine große Leistung“ gewesen, bekräftigte der einstige Finanzminister. Für Altkanzler Gerhard Schröder hingegen fand er keine warmen Worte. Ganz im Gegenteil: Zwar betonte er, die Debatte um den SPD-Mann, Putin-Freund und Lobbyisten für russisches Gas „öde“ ihn an. Im nächsten Satz jedoch wetterte er selbst gegen Schröder.

Maischberger: Wolfgang Schäuble mit harten Worten gegen Altkanzler Gerhard Schröder

Es sei „schäbig“ gewesen, sich in die Dienste einer ausländischen Gesellschaft zu begeben. „Das macht man nicht, wenn man Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland war“, ärgerte sich Schäuble. „Eigentlich habe ich fast nur noch Mitleid mit diesem Mann. Sein Verhalten ist eine Schande für sich und kein Ruhmesblatt für Deutschland.“

Auch seine eigene Haltung gegenüber Russland betrachtete Schäuble in der Retrospektive kritisch. „Ich lag falsch, wir alle lagen falsch.“ Der Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 sei „ein Fehler“ gewesen, räumte er ein. Maischbergers erneute Nachfrage, weshalb die Gasbeziehung zu Russland weiter ausgebaut wurde, quittierte er jedoch mit der Antwort, derartige Debatten seien „rückwärtsgewandt“.

Er könne „diese nachträgliche Besserwisserei nicht mehr leiden“, klagte Schäuble. „Die hilft uns jetzt auch nicht. Wir haben alle gehofft, dass so etwas nicht passieren wird - viele sogar noch bis zum Einmarsch am 24. Februar.“ (tsch)

Sie verwenden einen veralteten Browser. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser, um Ihren Besuch bei uns zu verbessern.