Corona aktuell War es doch der 11.11.? Köln bei Inzidenz jetzt trauriger Spitzenreiter

„Jeder Tag kostet Menschenleben“ Kölner Klinik-Chef schlägt Alarm und stellt Forderung an Corona-Politik

Michael Hallek von der Uniklinik Köln (hier 2016) wandte sich gemeinsam mit führenden Medizinern an die Politik.

Michael Hallek von der Uniklinik Köln (hier 2016) wandte sich gemeinsam mit führenden Medizinern an die Politik.

Der Kölner Klinik-Chef Michael Hallek und 34 weitere führende Mediziner wandten sich in einem Brandbrief an die Politik. Die Corona-Lage ist alarmierend.

Köln. Die Corona-Zahlen steigen und steigen. Doch es dauert noch ein paar Tage, bis Kanzlerin und Ministerpräsidenten wieder beraten. Wissenschaftler fordern fast flehentlich ein Umsteuern.

Federführend bei dem dramatischen Appell an die Politik ist der Kölner Klinik-Chef Michael Hallek. Gemeinsam mit 34 weiteren führenden Medizinern und anderen Fachleuten aus ganz Deutschland hat der Kölner Internist die Regierungen von Bund und Ländern zu einem Umsteuern in der Corona-Politik aufgefordert.

Kölner Klinik-Chef Michael Hallek tief enttäuscht von Corona-Politik

Statt mit „passivem Abwarten“ die Verantwortung für ein Brechen der vierten Welle zunehmend „in den Ermessensspielraum jedes einzelnen Menschen zu verlagern“, müsse die Politik endlich „ihrer Verantwortung umfassend gerecht werden“, schreiben die Forscher und Forscherinnen in einem dreiseitigen Aufruf, den der „Kölner Stadt-Anzeiger“ und das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Samstagausgaben) veröffentlichten.

„Jeder Tag des Abwartens kostet Menschenleben“, heißt es in dem Text unter Federführung des Kölner Internisten Michael Hallek und der Braunschweiger Virologin Melanie Brinkmann. „Wir empfinden eine tiefe Enttäuschung über die Gefährdung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und über den wiederholt nachlässigen Umgang mit dem Wohlergehen der Menschen, die auf den Schutz des Staates angewiesen sind.“

Forscher fordern Einrichtung eines Corona-Krisenstabs

Die Forscher fordern die Einrichtung eines nationalen Krisenstabs mit Fachleuten aus Virologie, Medizin und Öffentlicher Gesundheit, aber auch Praktikern mit Leitungserfahrung, etwa aus Kliniken oder Unternehmen.

Die geschäftsführende Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schlägt selbst in die gleiche Kerbe: „Es hat uns immer geholfen, wenn Bund und Länder vorgehen und sich zu einheitlichen Regeln verpflichten“, sagte sie in ihrem am Samstag veröffentlichten Video-Podcast. Selbst aus den Reihen der Grünen gibt es inzwischen Kritik am Plan der Koalitionsverhandlungspartner SPD, Grüne und FDP, den Sonderstatus der epidemischen Lage nationaler Tragweite auslaufen zu lassen. Die Bundeswehr will 12 000 Soldaten zur Unterstützung von überlasteten Kliniken und Gesundheitsämtern mobilisieren.

Corona-Lage in Deutschland dramatisch

Die Lage ist derweil dramatisch. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Samstag gut 45.000 neue Infektionen - eine Inzidenz je 100.000 Einwohner und Woche von gut 277. Vor einer Woche waren es rund 34.000 Infizierte und eine Inzidenz von knapp 184, vor einem Monat noch 12.000 und gut 65. Berlin überschritt die Inzidenz von 300, Thüringen von 500 und Sachsen von 600. Unter Schulkindern, die vielfach nicht geimpft sind, teils weil es für sie noch keine Impfempfehlung gibt, ist sie oft um ein Vielfaches höher. Die Krankenhäuser sind am Limit, vor allem in Sachsen, Thüringen, Hessen und Bayern werden Intensivbetten knapp.

Dennoch wollen die koalitionsbildenden Parteien SPD, Grüne und FDP weiterhin den Sonderstatus der epidemischen Lage nationaler Tragweite zum 25. November auslaufen lassen und durch einen eingeschränkteren Maßnahmenkatalog im Infektionsschutzgesetz ersetzen. (jv/dpa)

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