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Gefährlichste Krisenherde der WeltBricht hier bald der nächste Krieg aus?

Am 25. Dezember fand eine riesige Demonstration auf dem zentralen Platz in Stepanakert statt, tausende Protestantinnen und Protestanten demonstrierten gegen die Blockade der einzigen Landverbindung zu Armenien durch Aserbaidschan. Die armenische Regierung warf Baku vor, eine humanitäre Krise in der Enklave herbeizuführen.

Am 25. Dezember fand eine riesige Demonstration auf dem zentralen Platz in Stepanakert statt, tausende protestierten gegen die Blockade der einzigen Landverbindung zu Armenien durch Aserbaidschan. Die armenische Regierung warf Baku vor, eine humanitäre Krise in der Enklave herbeizuführen. 

Putins Krieg in der Ukraine hat die Welt im vergangenen Jahr geschockt, seine Auswirkungen werden wohl noch lange zu spüren sein. Doch nicht nur im Osten Europas wird gekämpft, in der Zwischenzeit zeichnen sich weitere Konflikte ab. Ein Überblick über einige der wichtigsten Krisenherde für das Jahr 2023. Droht bald der nächste Krieg?

von Martin Gätke (mg)

Mehr als ein Jahr lang widersetzt sich die Ukraine tapfer dem Angriff Russlands, doch noch immer ist kein Ende des Krieges in Sicht. Aktuell sind weder der Kreml noch Kyjiw zu Friedensgesprächen bereit, im Gegenteil: In seiner Neujahrsansprache hat Präsident Wladimir Putin Russland auf einen langen Krieg eingeschworen. 

Nach der russischen Invasion am 24. Februar 2022 dauert der Krieg mit zunehmender Härte und Zerstörung an, die genauen Opferzahlen sind schwer zu ermitteln: 13,7 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer haben nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen UNHCR ihr Land seitdem verlassen, knapp über 6 Millionen sind wieder zurückgekehrt.  

Die gefährlichsten Krisenherde der Welt

Doch neben dem Krieg in der Ukraine brodeln weitere Konfliktherde auf der Welt, die nach Angaben von Expertinnen und Experten 2023 auch zu Kriegen werden könnten. Eine Übersicht über einige der wichtigsten Krisenregionen der Erde.

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Sehen Sie hier auch eine Karte mit den Krisenherden:

Der Krieg in der Ukraine hat sich auch auf den Südkaukasus ausgewirkt, wo Armenien und Aserbaidschan auf eine Konfrontation zusteuern könnten. Besonders im Fokus: das Grenzgebiet Berg-Karabach. Seit Jahrzehnten streiten beide Länder um die Region, in der hauptsächlich Armenier wohnen. 

Armenien und Aserbaidschan: Droht ein Krieg im Südkaukasus?

Zuletzt kam es dort im September 2022 zu bewaffneten Auseinandersetzungen mit über 150 Todesopfern auf beiden Seiten. Zwar wurde eine wackelige Waffenruhe vereinbart, dennoch drohen weiterhin brutale Zusammenstöße.

Das Kräfteverhältnis begünstigt derzeit ganz klar das besser ausgerüstete Aserbaidschan, während Armeniens traditionellem Lieferanten Russland zunehmend die Waffen ausgehen. Eine Schwäche, die Aserbaidschan ausnutzt: Seit Dezember lässt Baku den einzigen Versorgungsweg in die Region blockieren. Bewohnerinnen und Bewohner von Berg-Karabach sind von Angehörigen getrennt, die nach Armenien gereist waren. Niemand kann ein- oder ausreisen. Die Europäische Kommission, das US-Außenministerium und andere forderten Baku dazu auf, die Blockade aufzuheben.

Bislang sind Verhandlungen zwischen den Ländern gescheitert, das könnte durchaus zu einem erneuten Krieg führen. Langjährige Beobachter wie Olesja Wartanjan vom Thinktank International „Crisis Group“ befürchten, dass die Krise über kurz oder lang zu einem neuen Gewaltausbruch zwischen Baku und Eriwan führen könnte. Die Aussichten auf Frieden würden demnach immer schlechter. 

Iran: Ein Land wird immer mehr zum Pulverfass

Der Tod von Mahsa Amini hat die Menschen im ganzen Iran empört und eine gewaltige Protestwelle ausgelöst – nicht nur im Land selbst, sondern weltweit. Das Regime reagierte mit äußerster Brutalität darauf, Hunderte von Menschen wurden bereits getötet, landeten in Gefängnissen und erhielten die Todesstrafe. Die Sicherheitskräfte reagieren mit Misshandlungen und Festnahmen, der Zugang zum Internet wird beschränkt. Die Behörden schüchtern die Menschen mit eiserner Faust ein und versuchen, das Volk zum Schweigen zu bringen. 

Weil das Regime Reformen jahrelang verhindert hat, verwandelt sich das Land zunehmend in ein Pulverfass. Das harte Durchgreifen könnte laut Analysen der „Crisis Group“ einen Bürgerkrieg zur Folge haben.

In der Zwischenzeit braut sich eine Krise um das iranische Atomprogramm zusammen, denn die Gespräche zur Wiederbelebung des Atomabkommens von 2015 sind eingefroren. 

Jemen: Acht Jahre Krieg und wenig Hoffnung

Seit 2015 tobt ein Mehrfrontenkrieg im Jemen, in den Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate interveniert haben. Ein Krieg, der ein armes Land in eine humanitäre Katastrophe verwandelt hat. Die Lage hier hat sich seitdem drastisch verschlechtert. Mittlerweile hat der Krieg bereits über 230.000 Todesopfer gefordert.

Hunger und Kämpfe könnten zu einer großen Hungersnot und Flüchtlingswellen führen, weniger als die Hälfte der Jemeniten hat noch Zugang zu sauberem Wasser.

Die wichtigsten Konfliktparteien sind die Huthi-Rebellen auf der einen und die international anerkannte Exil-Regierung von Übergangspräsident Hadi auf der anderen Seite, die seit März 2015 von einer von Saudi-Arabien angeführten Koalition unterstützt wird. Beide Seiten scheinen in einem fatalen Kreislauf eskalierender Gewalt gefangen zu sein.

Aktuell befindet sich der Krieg zwar in einer unangenehmen Schwebe, nachdem ein Waffenstillstand zwischen den Huthi und der Regierung im Oktober 2022 ausgelaufen war. Noch ruhen die Kämpfe, aber da die von den Vereinten Nationen vermittelten Verhandlungen ins Stocken geraten sind und sich beide Seiten auf einen neuen Krieg vorbereiten, könnte diese Ruhe jederzeit enden.

Äthiopien: Ein wackeliger Frieden

Das zweitbevölkerungsreichste Land Afrikas befindet sich inmitten einer zunehmend schwierigen politischen Übergangsphase, die 2018 mit dem Amtsantritt von Premierminister Abiy Ahmed begann. Zunächst schien der Wandel vielversprechend, doch die Risse in der Bevölkerung und zwischen den zahlreichen ethnischen Gruppen des Landes werden immer tiefer. 

2020 brach im Norden des Landes aus zwischen der äthiopischen Zentralregierung und dem Verbündeten Eritrea sowie der abgesetzten Regionalregierung von Tigray. Der Konflikt wird mit brutaler Härte geführt, Menschenrechtsorganisationen beklagen, dass es auf beiden Seiten zu schwerwiegenden Kriegsverbrechen und ethnischen Säuberungen gekommen sei.

Zwei kürzlich geschlossene Abkommen haben den Krieg, der bereits Hunderttausende von Menschenleben gefordert hat, vorerst zwar beendet. Doch da die wichtigsten Fragen ungelöst sind, kann noch immer viel schiefgehen. 

Taiwan: Einer der gefährlichsten Krisenherde der Welt

In den vergangenen Jahren hat China seinen Einfluss im Indopazifik immer weiter ausgebaut und wurde immer mächtiger. Die Militärpräsenz wurde für die Anrainerstaaten immer bedrohlicher – und dass die Spannungen steigen, war auch 2022 im Taiwan-Konflikt zu spüren. 

Für China gehört Taiwan zum eigenen Staatsgebiet, schon lange droht die Volksrepublik damit, die Insel zu erobern. Doch auch die USA ringen mit China um Einfluss in der Region, das Land hat sich lange der Verteidigung Taiwans verschrieben und liefert Waffen. US-Präsident Joe Biden hat zuletzt noch einmal sehr deutlich gemacht – deutlicher als seine Vorgänger – dass es eine „Verpflichtung“ sei, Taiwan zu verteidigen. Ob mit Waffenlieferungen oder mit eigenen Truppen - das ließ er damals offen.

Der wohl größte Konfliktherd zwischen den Großmächten könnte zunehmend instabil werden, wenn Washington versucht, die Vormachtstellung in der Region aufrechtzuerhalten. Aktuell ist ein Krieg dort zwar in nächster Zeit eher unwahrscheinlich – doch sollte es zu einem solchen kommen, wäre es auch ein Krieg zwischen den Atommächten USA und China. Das könnte massive Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben.

Sahel-Zone: Komplizierteste Krisenregion der Erde

Der Landstrich der Sahelzone zieht sich über 6000 Kilometer von Mauretanien im Westen bis nach Eritrea im Osten und gehört zu den kompliziertesten Konfliktzonen der Welt.

Zum einen ist die Region voll mit Bodenschätzen wie Gold und Uran, zum anderen ist sie Aufmarschgebiet islamistischer Extremisten und gleichzeitig wichtig für die europäische Migrationspolitik. 

Die Regierungen in Burkina Faso, Mali und Niger kämpfen mit der Eindämmung der islamistischen Aufstände, gleichzeitig hat die Unzufriedenheit in der Armee dort zu zahlreichen Putschen geführt. Und die Gewalt hält die Region fest im Griff: Allein in der ersten Hälfte des Jahres 2022 gab es 2200 Tote. 

Die Mischung aus blutigen Konflikten, miserabler Regierungsführung, extremistischen Umtrieben, ausländischer Einflussnahme und die Folgen der Klimaerwärmung hätten sich zu einem „perfekten Sturm“ zusammengeballt, sagen Experten laut dem „Tagesspiegel“.

Sahel: Die Lage ist unübersichtlich

Seit Beginn der Krise 2012 im Norden Malis haben auch europäische Regierungen, der Gewalt mit militärischen Mitteln Einhalt zu gebieten. Doch die Lage ist unübersichtlich, westliche Streitkräfte ziehen sich zurück, Frankreich und Deutschland ziehen die Truppen aus Mali ab. 

Gleichzeitig führt Russland zahlreiche Einsätze in der Region, seit Beginn dieses Jahres ist die russische Söldnergruppe „Wagner“ mit etwa 1000 Kämpfern in Mali stationiert. Putin versucht, in mehreren Ländern der Region Fuß zu fassen, hat Niger bereits Waffen und Gerät angeboten. 

Dass westliche Streitkräfte abziehen, könnte sich nun zusätzlich negativ auf die Sicherheitslage auswirken, da sind sich Expertinnen und Experten sicher. Terroristen könnten sich freier bewegen. Immerhin: Die Bundeswehr wird sich an einer neuen EU-Militärmission in Niger beteiligen, um dem Land im Kampf gegen den Terrorismus beizustehen.