Europride in Belgrad Deutscher Queer-Beauftragter von Hooligans angegriffen

Teilnehmer der europäischen LGBTQ-Parade in Belgrad am 17. September 2022.

Teilnehmer der europäischen LGBTQ-Parade in Belgrad am 17. September 2022. 

Am Ende konnte sie doch stattfinden, aber nur unter massivem Polizeischutz: die Europride-Parade in Belgrad. Auch der Queer-Beauftragte der Bundesregierung war dort und berichtet von erschreckenden Szenen.

Eigentlich war die Parade bereits abgesagt. Mit der Begründung, man könne die Sicherheit der Teilnehmenden nicht gewährleisten, hatte die serbische Regierung in Sachen Europride am Dienstag (13. September) das Verbot ausgesprochen. Doch die Aktivistinnen und Aktivisten haben nicht locker gelassen, kündigten an, trotzdem zu demonstrieren. Auch auf Druck aus dem Ausland hin wurde die Europride-Parade deshalb in letzter Minute doch wieder zugelassen.

Sven Lehmann, der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, war vor Ort und hat nun in einem Interview die erschreckenden Szenen geschildert, die er in Belgrad miterlebt hat. 

Sven Lehmann wurde in Belgrad von Hooligans angegriffen

Die etwa 1000 Demonstrierenden der Europride wurden von einem massiven Polizeiaufgebot geschützt. Und das war auch nötig, denn die Parade wurde durch Nationalisten, Hooligans und religiöse Fanatiker massiv bedroht. 

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Auch der Queer-Beauftragte Sven Lehmann wurde, zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen angegriffen und musste von der Polizei geschützt werden. Im Interview mit dem Tagesspiegel schildert er die beängstigenden Szenen als gewaltbereite Hooligans versuchten, die Polizeiabsperrung zu durchbrechen und die Diplomatinnen und Diplomaten anzugreifen, zu denen Lehmann gehörte.

Sven Lehmann hatte Glück, doch der Grünen-Politiker berichtet auch von Demonstrierenden, die von Gegnerinnen und Gegnern der Demo angegriffen und teils schwer verletzt worden sind. Zwei Albaner mussten wegen ihrer Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden und auch eine Reporterin des Tagesspiegels wurde verprügelt.

In Serbien ist es noch ein weiter Weg für die LGBTQI+- Community

Gewalt und Drohungen haben die Teilnehmenden jedoch nicht von ihrem Weg abgebracht. Die Atmosphäre auf der Europride, die sonst eher ausgelassen ist, war diesmal von Anspannung und Entschlossenheit geprägt. Während die Parade in den meisten anderen europäischen Ländern eine regelrechte Attraktion ist und auch viele nicht-queere Menschen anlockt, wurde nun klar, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist. 

Sven Lehmann lobte deshalb auch den Mut der Demonstrierenden und der serbischen LGBTQI+-Aktivistinnen und Aktivisten. Diese setzen sich auch abseits von Großereignissen wie der Europride für die Sache der Community ein. Sie legen zum Beispiel Gesetzesinitiativen vor und setzen sich so auf demokratische Weise für ihre Sache ein. 

Für die Eskalation am Samstag (17. September 2022) macht Lehmann die serbische Regierung mitverantwortlich. Diese habe durch ihren zögerlichen Kurs die Gegner der Europride ermutigt. Insgesamt habe die serbische Regierung kein gutes Bild abgegeben. Sie müsse jetzt zügig die dokumentierten Queer-feindlichen Straftaten aufklären.

Eine Kürzung der EU-Mittel für Serbien, wie sie jetzt für Ungarn beschlossen wurde, hält Sven Lehmann jedoch für den falschen Weg. Diese würde vor allem die Zivilbevölkerung treffen. Serbien hat als EU-Beitrittskandidat bereits mehrere Milliarden Euro Aufbauhilfe bezogen. (bcr)

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