Armin Laschet Kanzlerkandidat lehnt Benachteiligung von Ungeimpften ab

Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Bundesvorsitzender und Kanzlerkandidat der CDU, besucht im Rahmen einer Reise in die Hochwassergebiete die Pappenfabrik Nierfeld.

Armin Laschet Anfang August 2021, äußert sich vor dem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel zur Impf-Strategie.

Mit welcher Corona-Strategie geht die Politik in den Herbst? Wenige Tage vor dem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel macht CDU-Politiker Armin Laschet klar: Er will an der 3-G-Regel festhalten.

Berlin. Schlägt sich Armin Laschet jetzt auf die Seite der (noch) Ungeimpften? Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Regierungschefs der Länder wollen am Dienstag, 10. August 2021, über das weitere Vorgehen in Bezug auf die Impfstrategie und die anhaltende Corona-Krise beraten. Das Bundesgesundheitsministerium hat dazu Vorschläge gemacht. Vor allem mögliche Beschränkungen für Ungeimpfte sorgen für Debatten.

Vor Kanzlerinnen-Gespräch: Armin Laschet verfolgt weiterhin 3-G-Regel

Das Ministerium schlug auch ein Ende der kostenlosen Schnelltests für Mitte Oktober vor – seit mehr als einem Monat steigt die Zahl der täglichen Neuinfektionen wieder an. Davor warnte auch Gesundheitsexperte Karl Lauterbach bei ZDF-Moderator Markus Lanz in dessen gleichnamiger Talk-Show. Lauterbach gab eine düstere Prognose für den Herbst an.

Jetzt sagte CDU/CSU-Kanzlerkandidat Armin Laschet im Gespräch mit der „Bild am Sonntag“: „Wer geimpft, genesen oder getestet ist, den darf der Staat nicht von der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausnehmen.“ Die so genannte 3-G-Regel sei „sinnvoll, maßvoll und umsetzbar“.

Lockdown soll verhindert werden – Städtetag fordert einheitliche Regeln

Der Städtetag fordert eine Impfstrategie für Herbst und Winter, um für eine vierte Corona-Welle besser gewappnet zu sein. Hauptgeschäftsführer Helmut Dedy sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wir haben eine ganze Reihe neuer Impfaufgaben vor der Brust: Auffrischungsimpfungen für Ältere und Pflegebedürftige, mehr Impfungen für Kinder ab 12 Jahren und noch viel mehr direkte Impfangebote.“ Die Städte bräuchten Klarheit über den September hinaus, wenn die meisten großen Impfzentren schließen.

Bislang empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die Corona-Impfung für Kinder nur eingeschränkt- Während sich Karl Lauterbach bereits gegen diese Meinung äußerte, verteidigte ein Experte jetzt die Einschätzung.

Währenddessen verlangte der Städte- und Gemeindebund von Bund und Ländern jetzt ein einheitliches Vorgehen. „Wir dürfen nicht damit beginnen, neue Flickenteppiche zu weben“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der Funke-Mediengruppe. Die bestehenden Regeln zu Abstand, Masken und Hygiene sollten überall weiter gelten - unabhängig von Impfungen. FDP-Fraktionsvize Michael Theurer forderte einen „verbindlichen Plan zur Verhinderung des nächsten Lockdowns“.

Lockdown: Wirtschaftsrat fürchtet Aus für Gastronomie und Einzelhandel

Entsprechende Forderungen kommen auch aus der Wirtschaft. „Ein erneuter, für den deutschen Mittelstand katastrophaler Lockdown muss jetzt verbindlich ausgeschlossen werden“, heißt es in einem Brief des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft an Laschet. Das Schreiben liegt der Deutschen Presse-Agentur vor.

Der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger warnte beim Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND): „Ein weiterer Lockdown wäre für viele kleine und mittelständische Unternehmen in der Gastronomie, der Hotellerie oder im Einzelhandel der endgültige Genickbruch.“

Corona-Krise: Zahl der Intensiv-Fälle steigt wieder

Viel Zustimmung gibt es zu Forderungen, die Sieben-Tage-Inzidenz nicht mehr zum alleinigen Maßstab für die Corona-Maßnahmen zu machen. Ausschlaggebend müsse auch die Belegung von Krankenhausbetten und Intensivstationen sein, sagte Laschet. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt befand in der „Bild am Sonntag“: „Die Inzidenz als alleiniges Maß aller Dinge hat ausgedient.“ Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) warb für eine „Corona-Ampel“.

Ebenso wie die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt nun auch die Zahl der Patienten in intensivmedizinischer Behandlung. Nach Notfallmedizin (DIVI) von Samstag wurden 417 intensivmedizinisch behandelt. Vor einer Woche waren es noch 359. (dpa)

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