Aktuelle UmfrageAfD weiter auf dem Vormarsch – in NRW jetzt auf Platz 1

ARCHIV - 24.02.2024, Nordrhein-Westfalen, Marl: Aufsteller mit dem Schriftzug «Alternative für Deutschland» und dem Logo der AfD.  (zu dpa: «Hallenprojekt der NRW-AfD vorerst gestoppt») Foto: Christoph Reichwein/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

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Aufsteller mit Schriftzug und Logo der AfD

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Politischer Erdrutsch in NRW! Eine neue Forsa-Umfrage sieht die AfD bei der Bundestagswahl erstmals auf Platz 1.

Das ist ein politischer Erdrutsch! Bei der Frage nach der Bundestagswahl gibt es in NRW einen neuen Spitzenreiter. Auch die Werte für eine Landtagswahl haben es in sich.

Die politische Großwetterlage in Deutschland sorgt für ein Beben in der Parteienlandschaft von Nordrhein-Westfalen. Wäre am kommenden Sonntag Bundestagswahl, würde die AfD im bevölkerungsreichsten Bundesland zum ersten Mal die stärkste Kraft werden. Das geht aus einer repräsentativen Forsa-Erhebung hervor, die für den „Kölner Stadt-Anzeiger“ erstellt wurde.

Aktuelle Umfrage sieht AfD in NRW auf Platz 1

Mit einem Stimmenanteil von 24 Prozent würde die AfD ihr NRW-Resultat der Bundestagswahl 2025 klar überbieten und die CDU (22 Prozent) um 2 Punkte distanzieren. Die Christdemokraten kamen 2025 als bisher stärkste Partei in NRW noch auf 30,1 Prozent.

Forsa-Gründer Manfred Güllner teilte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ mit, was in den bundesweiten Erhebungen seit Monaten zu beobachten sei, „das manifestiert sich jetzt unausweichlich auch in Nordrhein-Westfalen“. Vor nur einem halben Jahr hatte die AfD im „NRW-Check“, der Umfragereihe des „Kölner Stadt-Anzeiger“ und weiterer Zeitungen aus NRW, bei der Wahlabsicht für den Bundestag mit 22 Prozent noch klar hinter der CDU mit damals 26 Prozent gelegen. Die Grünen erreichten zu dieser Zeit 18 Prozent, die SPD 13 und die Linkspartei 9 Prozent. In den neuen Zahlen schlägt sich laut Güllners Analyse die fortschreitende Auflösung des BSW nieder, wovon neben der Linkspartei auch die AfD profitiert.

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Bei der Sonntagsfrage für eine Wahl zum Landtag kann die Landes-CDU mit ihrem Chef, Ministerpräsident Hendrik Wüst, zwar den Spitzenplatz halten, fällt jedoch mit 29 Prozent unter die 30-Prozent-Schwelle und verfehlt ihr Resultat der Landtagswahl 2022 von 35,7 Prozent erheblich. Die AfD erzielt der Umfrage zufolge 22 Prozent – das ist ein fast identischer Wert wie bei einer Bundestagswahl, aber eine Vervierfachung ihres Landtagswahl-Ergebnisses von vor vier Jahren (5,4 Prozent).

Mit großem Abstand folgen in der jetzigen Umfrage die Grünen (18 Prozent) und die SPD (14 Prozent). Beide Parteien kommen mit Blick auf die Landtagswahl auf dieselben Werte wie bei einer Wahl für einen neuen Bundestag, wenn diese am nächsten Sonntag wäre. Die Linkspartei würde in der Umfrage zur Landtagswahl mit 8 Prozent die Fünf-Prozent-Hürde deutlich nehmen und könnte damit nach dreimaligem Scheitern in den Landtag zurückkehren. Noch besser (12 Prozent) sähe es für sie bei einer Bundestagswahl aus. Die FDP hingegen wäre mit nur noch jeweils 3 Prozent weder im Parlament in Düsseldorf noch in Berlin zu finden.

Güllner knallhart: Merz zieht die CDU runter

Manfred Güllner sagte, der übliche „Landesbonus“ der CDU in NRW sei zwar nach wie vor erkennbar und habe sich gegenüber dem „NRW-Check“ vom April sogar um einen Punkt verbessert. „Dieser Bonus kann aber nicht mehr kompensieren, was der CDU durch den Parteivorsitzenden und Kanzler Friedrich Merz an Potenzial verloren geht.“

Die Zufriedenheitswerte für Merz sind mit 11 Prozent auch in seinem Heimatland NRW am Boden. In der aktuellen Forsa-Erhebung zeigen sich lediglich 11 Prozent der Wahlberechtigten mit der Arbeit von Merz zufrieden, 87 Prozent gaben an, unzufrieden zu sein.

Die Abneigung zieht sich quer durch alle Alterskohorten und ist nur bei den über 60-Jährigen mit 80 Prozent leicht schwächer ausgeprägt. Selbst in den eigenen Reihen ist der Frust über den Kanzler und Parteichef gewaltig. Er liegt in der CDU-Anhängerschaft bei fast zwei Dritteln (64 Prozent). Nur ein gutes Drittel (36 Prozent) gibt an, noch mit Merz zufrieden zu sein. Bei den Anhängern der anderen Parteien steigen die Unzufriedenheitswerte durchweg über 90 Prozent – mit dem höchsten Wert (97 Prozent) bei der Linken-Klientel.

Ein völlig anderes Bild zeichnet sich für Merz' Parteifreund Hendrik Wüst ab. Der NRW-Ministerpräsident und CDU-Landeschef erreicht bei der Zufriedenheit stabil hohe Werte. Aktuell kommt Wüst auf 46 Prozent – gegenüber einem Anteil an Unzufriedenen von 37 Prozent.

Beim „NRW-Check“ im April lag das Verhältnis von Zufriedenen und Unzufriedenen bei 47:39. Merz könne in NRW „in keiner Weise auf einen Herkunftsbonus bauen“, erklärte Forsa-Gründer Manfred Güllner dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ – ganz im Gegenteil werde der Kanzler in NRW sogar noch kritischer beurteilt als im Bundesdurchschnitt.

Forsa-Chef: Merz mit strategischen Fehlern

Güllner machte Merz direkt für das schwache Abschneiden seiner Partei in den aktuellen Umfragen verantwortlich. „Von Merz wissen wir seit 20 Jahren, dass sich seine Sympathiewerte immer am unteren Ende des Politiker-Rankings bewegen. Schon Anfang der 2000er Jahre konkurrierte er hier mit dem FDP-Politiker Jürgen Möllemann um die rote Laterne. Er wurde nie als Aspirant für höhere Aufgaben gesehen – sei es eine Kanzlerkandidatur, sei es der Parteivorsitz. Vielen war er schon damals unsympathisch. Das setzt sich fort und verhärtet sich – überspitzt gesagt – mit jedem Auftritt.“

Güllner wies darauf hin, dass Merz „seine vollmundigen Ankündigungen“ nicht habe einlösen können – „innenpolitisch nicht, aber auch außenpolitisch sind keine Erfolge sichtbar. Das Mullah-Regime in Iran in vier Wochen Geschichte? Mit Trump werde ich fertig? Nichts davon!“

In programmatischer und strategischer Hinsicht habe der CDU-Vorsitzende seine Partei mit der von ihm versprochenen Erneuerung „konsequent in die falsche Richtung geführt: nach rechts, heraus aus der Mitte, wohin Angela Merkel die Partei bewegt hatte.“

Wüsts Dilemma: Wie umgehen mit Merz?

Der CDU in Nordrhein-Westfalen gelingt es nach Güllners Analyse trotz ihres traditionellen Landesbonus nicht, sich vom Bundestrend der Partei zu lösen. Das bringt Wüst in eine äußerst schwierige Lage. „Zettelt er jetzt einen Großkonflikt mit Merz an, wird ihm das vermutlich eher schaden. Andererseits muss Wüst versuchen, sich von Merz abzusetzen. Man hat in Berlin gesehen, dass der CDU-Wahlkämpfer Stefan Evers die Verluste seiner Partei noch einigermaßen glimpflich halten konnte, indem der den Parteivorsitzenden und Kanzler konsequent aus seinem Wahlkampf herausgehalten hat. Aber das kann Wüst wohl nicht wiederholen, weil es sofort ein eigener Gegenstand der öffentlichen Debatte würde. Da hat Wüst es ungleich schwerer.“

Laut der Erhebung könnte die schwarz-grüne Koalition in Düsseldorf ihre Zusammenarbeit fortsetzen – dank eines, wie Güllner es formulierte, „Zwischenhochs“ der Grünen, von dem allerdings unklar sei, wie lange es anhält. Die Grünen profitierten derzeit „von einer Anti-AfD-Mobilisierung, die nur eben nicht der CDU oder der SPD zugutekommt, sondern neben den Grünen eher noch der Linkspartei“.

Für die aktuelle Erhebung hat Forsa 1030 Wahlberechtigte aus Nordrhein-Westfalen interviewt. Die Umfrage wurde im Zeitraum vom 7. bis zum 18. September durchgeführt, also nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, aber vor den Abstimmungen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Die Resultate sind mit einer statistischen Unsicherheit von plus/minus 2,5 Prozentpunkten auf die gesamte wahlberechtigte Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen übertragbar. (red)