Vor der Küste Anholts spitzt sich die Lage zu: Der Wal-Körper weißt rätselhafte Verletzungen auf.
Drama um WalSchock-Fotos von „Timmy“ – was wurde ihm angetan?

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Der tote Wal liegt vor der dänischen Insel Anholt. (Bild vom 17. Mai 2026)
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Schreckliche neue Bilder des toten Buckelwals „Timmy“ sind aufgetaucht. Sie zeigen schlimme Verletzungen und werfen ein düsteres Licht auf die Helfer.
Die Geschichte um den Buckelwal „Timmy“ wird immer tragischer. Nach seinem Ableben bei der dänischen Insel Anholt sorgen jetzt neue Aufnahmen aus der Tiefe für Aufruhr. Ein Social-Media-Aktivist und ein Taucher haben das Material erstellt, wie die „Bild“-Zeitung mit exklusiven Fotos berichtet.
Es dokumentiert massive Wunden am toten Tierkörper und heizt die Diskussion um die gescheiterte Bergung in den letzten Wochen wieder kräftig an.
Was sofort ins Auge sticht: Tiefe und lange Kerben in der Nähe der Schwanzflosse, der Fluke. Diese Bereiche sind, anders als der übrige Kadaver, komplett sauber – ohne Algen oder farbliche Veränderungen.
Das deutet darauf hin, dass die Wunden erst kurz vor seinem Ende zugefügt wurden. Experten wie der Wal-Kenner Fabian Ritter haben einen schlimmen Verdacht: Die Schnitte könnten von Tauen kommen.
Befreiungsaktion vor Anholt: Lief da alles schief?
Die neuen Bilder lenken die Aufmerksamkeit zurück auf die Rettungsversuche von Anfang Mai. Ein erster Anlauf einer privaten Gruppe am 1. Mai ging schief. Sie wollten den Meeressäuger mit Seilen und einem kleinen Boot von einer Barke ins offene Wasser der Nordsee schleppen. Aufnahmen von Drohnen belegen dabei chaotische Aktionen.
Einen Tag später, am 2. Mai, kam das Tier dann tatsächlich frei – aber wohl mit brutalen Methoden. Jeffrey Foster, der Teil des Helferteams war, beschreibt die Situation so: Der Wal wurde an seiner Schwanzflosse festgebunden, während ein Schleppboot die Barke mit ordentlich Tempo entfernte. Auf diese Weise sei der Meeressäuger regelrecht gewaltsam ins freie Wasser gerissen worden.
Laut „Bild“ hat die zuständige Reederei den Ablauf in einem Schreiben ihres Anwalts im Wesentlichen zugegeben. Sie betonte aber, das Vorgehen sei mit der Einsatzleitung so vereinbart gewesen. Dieser Version widerspricht jedoch Karin Walter-Mommert, die die Mission finanziell unterstützte. Sie erklärte, den Anlauf am Tag zuvor exakt aus Sorge vor solchen brutalen Mitteln gestoppt zu haben.
Die traurige Entdeckung folgte am 14. Mai: Das Tier wurde ohne Lebenszeichen vor Anholt gefunden. Zwei Tage danach herrschte dann die bittere Sicherheit, dass es tatsächlich „Timmy“ war.
Neue Rätsel: Wurde „Timmy“ gerammt?
Immerhin geben die neuen Fotos auch einige Antworten. Die Bilder vom Maul des Wals beweisen, dass sich dort keine Überbleibsel von Fischernetzen mehr befanden. Das war bei seiner ersten Strandung in Niendorf noch anders gewesen.
Doch eine andere Beobachtung sorgt für neues Kopfzerbrechen: Die Aufnahmen aus dem Wasser zeigen eine gewaltige Verformung an der Seite des Tieres. Diese Wunde war bei seinem Aufenthalt in Mecklenburg-Vorpommern noch nicht da. Nun gibt es einen furchtbaren Verdacht: Könnte der Wal von einem Schiff erfasst worden sein?
Eine Obduktion soll jetzt endgültig klären, woran das weibliche Tier gestorben ist. Aber der Abtransport des stark aufgequollenen Kadavers in den dänischen Hafen Grenaa ist eine echte Herausforderung. Schon mehrere Anläufe, den Wal von einer Sandbank zu holen, sind gescheitert. Die Behörden in Dänemark wollen es nach Pfingsten erneut probieren. (jag)
